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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
sehenswert, aber mit Vorsicht zu genießen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Netz (DVD)
"Das Netz" umreißt ein atemberaubendes politisches und kulturkritisches Aufklärungsprogramm. Ausgangspunkt der Recherche, bei der der Zuschauer dem Regisseur begleitet, sind die zunächst rätselhaften Motive des sogenannten UNA-Bombers Ted Kaczinski. Dieser verübte in den 90er Jahren mehrere Attentate auf Vertreter von Universitäten und Fluggesellschaften.Vor allem auf der Grundlage von Interviews erklärt der Film nicht nur die Entwicklung der ersten Computer und des Internets, sondern er zeigt auch auf, dass auch die Aussteigerbewegung der Hippies und die hippen Selbsterfahrungsexperimente mit LSD zu wesentlichen Teilen als Forschungsprogramm des US-Militärs konzipiert und von dort auch finanziert wurden. Nicht nur die avantgardistischen Künstler, die mit unterschiedlichen Formen der Entgrenzung von Medien und Bewusstsein experimentierten, sondern auch andere Protagonisten der Gegenkultur erscheinen so als Versuchskaninchen von Militär, CIA und US-Regierung. Allen voran auch Ted Kaczinski selbst, der einst offenkundig ohne Hinweis auf mögliche Nebenwirkungen an Drogenexperimente teilnahm. So weit so spannend und überzeugend. Angesichts der Vernetzung der vordergründig weit auseinanderliegenden Lager wirkt der erste Teil des Films fast noch überraschend neutral - wenn man über die eher subtilen Signale der Sympathiesteuerung hinwegsieht wie etwa den auffällig netten und besorgten Ton, in dem die Briefe Kaczinskis verlesen werden. Die Sympathielenkung aber wird, und das gereicht dem Film wahrlich nicht zum Vorteil, im zweiten Teil deutlich aufdringlicher. Eher im Hintergrund, dafür umso wirkungsvoller signalisiert der Sound kurz vor dem Interview mit Heinz von Foerster, dass hier ein wirklich Böser die Bühne des Films betritt. Besser wird der Film dadurch nicht. Und inhaltlich erscheinen die Botschaften kurz vor dieser Szene, in der Darstellung der so genannten Macy-Konferenzen, nicht mehr nur suggestiv, sondern ärgerlich manipulativ. Künstler, die sich mit Teilnehmern dieser Konferenzen unterhielten, werden zur "Boheme", die Konferenzen, die sich u.a. mit praktischen Konsequenzen aus Adornos Faschismustheorien beschäftigten, werden zu Entwicklern effizienter Herrschaftsmittel im kalten Krieg. Die Konferenzen selbst, die wohlgemerkt von einer privaten Stiftung getragen wurden, werden in einem Nebensatz kurzerhand zu Veranstaltungen des amerikanischen Militärs umgemünzt. Und die Präsentation von Foersters macht aus einem charmanten Wiener Gelehrten einen fast diabolisch anmutenden Greis, der irgendwie nicht zu wissen scheint, was er mit seinen Forschungen für eine unheilsame Entwicklung angestoßen hat. Mit diesen Schwächen der Präsentation gehen inhaltliche Mängel einher. So beeindruckend der Aufweis von der Verbindung von militärischer Forschung, avancierter Kunst und Aussteigerkultur auch ist: die Finanzierung der Erforschung offener Systeme in Kybernetik und Psychologie durch Militär und CIA rechtfertigt nicht die Reduzierung dieser Forschung auf ein Herrschaftsinstrument. Flagrant wird das in der Polemik gegen die Thesen von Adorno und Levin: allein den pädagogischen Wunsch dieser von den Nazis vertriebenen Philosophen und Psychologen, dass man Menschen gegen totalitäre Ideen imprägnieren könne, deutet Dammbeck eindimensional als Ausdruck von Herrschaftswahn. Soll man totalitarismusanfällige Menschen besser gleich an die Wand stellen? Oder totalitäre Strukturen als unhintergehbare Geißel der Menschheit einfach akzeptieren? Jenseits dieser Fragen scheint Dammbeck auch nicht zu registrieren, dass jede pädagogische Theorie auf die Veränderung von psychischen Eigenschaften abzielt. Die Frage, wie man "die Freiheit bei dem Zwange" der Erziehung fördern könne, beschäftigte schon Kant. Dammbecks Polemik nimmt von solchen logischen Schwierigkeiten einer jeden Pädagogik keine Notiz. Er enttarnt Herrschaftsinstrumente. Und als Antwort auf Herrschaft scheint er deutlich mehr Sympathie für einen Bombenleger zu hegen als für Leute wie Adorno oder Levin auf der einen Seite und Heinz von Foerster mit seinen luziden Kommentaren zur Nichtbeherrschbarkeit psychischer Systeme auf der anderen. Abgesehen davon, dass jemand, der so penibel auf manipulative Tendenzen der anderen verweist, sich mit Manipulationstechniken im eigenen Film etwas stärker hätte zurücknehmen können. Am Ende sieht es dann so aus, als wäre der Bombenleger kaum mehr Täter, sondern vor allem Opfer und als wäre das Ausstiegsprogramm, das der Bombenleger in seinem "Manifest" propagiert, die einzig auch nur halbwegs nachvollziehbare Antwort auf den 'Wahnsinn der Systeme'. Als wenn Bombenlegen besser wäre als Pädagogik und als wenn die Verwirklichung des Traums vom einfachen Leben in der Pampa angesichts der schieren Größe der gegenwärtigen Weltbevölkerung für das Gros der Menschheit überhaupt nur denkbar wäre. Aller Kritik zum Trotz: Der Film ist unbedingt sehenswert und präsentiert einen sehr originellen Blick auf den Ursprung von Entwicklungen, die für uns heute selbstverständlich scheinen: auf PC, auf Internet, auf intermediale Kunst, auf konstruktivistische Lerntheorien, auf soziologische Systemtheorie usw. usf. Das alles hätte Dammbeck aber auch leisten können ohne die Diabolisierung von Menschen und Entwicklungen, die weder in der Absicht noch in der Wirkung so einseitig negativ waren und sind, wie sie der Regisseur hier darstellt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr guter Dokumentarfilm,
Von IXxel "Gruß Felix" (Schlacht am Teutoburgerwald) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Netz (DVD)
Diesen Film habe ich bestimmt schon 4- 6 mal sehen und ich finde ihn immer wieder sehr gut. Die Art der Kameraführung, die Interviews, die Briefe von Ted Kaczynski aus dem Off, die seltsamen Filmschnitte, US Nachrichten über die Einsätze in Afghanistan, dass alles verstärkt den Eindruck, das wir in einer Scheinwelt leben in der die Technologie die Kontrolle über uns übernimmt.Der Film beschreibt und erzählt sehr gut den Wandel unserer Gesellschaft in den letzten 50 Jahren zur Technologie und Informationsgesellschaft. Dieser Wandel wird, unteranderem am Beispiel von dem "Revolutionär" Ted Kaczynski beschrieben. Dieser Mann, der in einer Hütte in der Wildnis von Amerika Bomben baute, um führende Techno-Wissenschaftler umzubringen, dieser Man wird als Aufreißer genommen. Dann beginnt der Film die Fäden um diesen Fall zu spinnen, dabei landet der Regisseur bei den Wissenschaftlern im 2 WW die automatische Abschussanlagen für Flugzeuge entwickelten, bei Drogen und Bewusstseinsveränderungen der CIA, bei dem Erfinder des Personalcomputer und dem Gegenstück, dem Erfinder des ARPANet von der US-Regierung. Es werden Verleger, Autoren, Wissenschaftler interviewt und man bekommt einen Eindruck von einer Technologie-Wissenschafts-Elite die alles daransetzt ihr System und ihre Macht weiter auszubreiten und auszubauen. Man kann über den Film denken was man will, zum denken wird man in jedem Fall kommen, da und das können die Kritiker nicht abstreiten, an sehr vielen Punkten einfach die Wahrheit gezeigt wird. Alleine die Interviews sind diese Film wert! Jeder der einen Einblick in unsere Gegenwart/Zukunft haben will, sollte diesen Film sehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir sind umgeben von unseren Spiegeln,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Netz (DVD)
"Das Netz" ist eine der phantastischsten Dokumentationen der letzten dreißig Jahren. Es ist eine systemimmanente Analyse der Informationsgesellschaft und ihrer "dunklen Machenschaften" in den systemschützenden Organistationen und Netzwerken.Systemtheorie,Verschwörungstheorien, konstruktivistische Kybernetik und die Erkenntnis einer mathematischen "Hohlwelt" machen diesen Film brisant und rücken die Taten des "Unabombers" ins rechte Licht. Erschreckende Interviews mit v. Foerster und "Konsorten" runden den Film ab, der durch eine geschickte Montagetechnik und Texteinschübe (Briefe aus dem Gefängnis an den Autor des Flms)von Ted Kaczynski brilliert. Hier ist nicht die Paranoia eines Indviduums, sondern die Perversion einer entpersonalisierten Gesellschaft vor der Kamera. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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