Sicher werden Ethnologen oder dogmatische Schamanen beim Lesen dieses Buches die Stirn runzeln, denn der Autor geht sehr freimütig mit verschiedensten Einflüssen aus vielerlei Kulturen um. Für ihn finden alle naturreligiösen Ansätze in seiner Vorstellung von Schamanismus Platz, und er bietet gar dem modernen, naturfernen Menschen eine praktische Anleitung an, wie er mit dieser Art von religiöser Mystik umgehen und sein inneres Leben vervollkommnen kann.
Doch es ist ein gutes, umfassendes Buch, das Einblicke in indianische Religiosität und schamanistische Praktiken gibt. Der Mythos vom heidnischen Hexenmeister wird aufgelöst und hinter allen ethnischen Seltsamkeiten werden tief religiöse Haltungen sichtbar, die durchaus geeignet wären, unsere ziemlich einseitige Weltsicht zu ergänzen.
Selbstverständlich ist jeder Buchladen voll mit Esoterik, und es tummelt sich in diesem Genre neben gut gemeintem Gesinnungsgelaber auch offen zutage tretende Scharlatanerie.Ich möchte Meadows nicht zu dieser Gruppe zählen. Seine Aussagen sind nur zum Teil wirklich esoterisch im (post-)modernen Sinn. Ihm ist daran gelegen, eine besondere Form der Spiritualität zu verbreiten, die nicht nur den Menschen, sondern das Gesamte der Natur im Blick hat. Er macht keine Heilsversprechungen, sondern leitet zu einer alten Sicht der Dinge an, die ursprünglich religiös ist, ohne dogmatisch zu sein.
Meadows hat sein Buch für Sucher verfasst, die mehr wissen wollen über die Weisheit der Naturvölker. Keltische Jahresfeste kommen ebenso zum Zug wie indianische Regentänze, die Wirkung der Steine ebenso wie die Symbolik der Krafttiere. Seine Listen über Begriffe und Bedeutungen sind vollständig. Was ihn bei allem anleitet, scheint die Sehnsucht nach einer inneren Balance zu sein, die dem Spiel der natürlichen Kräfte entspricht. Wer bodenständig und spirituell zugleich ist, dürfte bei ihm gut aufgehoben sein. ,Das Netz der Kraft' verbreitet keine Wirrnis, sondern bringt Klarheit in die Inhalte der verschiedenen schamanistischen Praktiken, ohne sich zu historisch oder theologisch zu gebärden. Wer das Buch liest, spürt, dass Meadows das, was er beschreibt, auch selbst versucht zu leben.
Ich bin froh, dass es dieses Buch gibt.