Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Das Narrenschiff
OT Das Narren Schyff OA 1494 Form Moralsatire Epoche Renaissance
Das Narrenschiff war am Ausgang des 15. Jahrhunderts ein in mehrfacher Hinsicht epochemachendes Werk. Die Idee, eine Tugendlehre erstmals unter einen einheitlichen Gesichtspunkt den des Narren zu stellen, bedeutete eine wichtige Fortentwicklung dieses Genres. Die Poesie des in Reimpaaren verfassten Werks gilt zugleich als Zeugnis des Wiederauflebens der deutschen Dichtkunst nach Jahrhunderten des Verfalls im Spätmittelalter. Schließlich begründete die besonders schöne Ausstattung des Buchs mit mehr als 100 Holzschnitten von teilweise herausragender Qualität seinen Ruf als Volksbuch. Die Mehrzahl der Illustrationen wird heute Albrecht Dürer (14711528) zugerechnet. Das Narrenschiff erlebte bis 1507 bereits fünf Auflagen der Originalausgabe und mehrere unautorisierte Nachdrucke. 1497 wurde es ins Lateinische und von dort bald ins Französische, Englische und Niederländische übersetzt. Es war das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor R Goethes Die Leiden des jungen Werthers (1774).
Inhalt: Die ganze Menschheit besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Narren das ist die zentrale Botschaft des Narrenschiffs. Im Narren-Begriff treffen das christliche Konzept der Sünde und das humanistische der Unvernunft zusammen; entsprechend ambivalent ist der dem Narrentum didaktisch entgegengehaltene Begriff der Weisheit. Die Narren als solche haben hier jedoch ihre sowohl in der Volkskultur als auch im höfischen Leben deutliche Ambivalenz, nach der sie auch Monopolisten der Weisheit sein konnten, nahezu vollständig eingebüßt. Das Buch will ein Narrenspiegel sein, verkennt aber, dass ein solches Instrument der Weisheit doch ein Werkzeug der Narren ist.
Brants Moralvorstellungen sind einerseits rückwärtsgewandt, andererseits vertritt er eine Ethik stadtbürgerlichen Gemeinsinns. Jeder soll sich mit dem Ort bescheiden, an den das Schicksal ihn gestellt hat doch zugleich wird die Wechselhaftigkeit des Schicksals im Bild des Fortunarads betont. Kaiser Maximilian I. wird ausdrücklich unterstützt (»Dem kommt ohn Zweifel in die Hand/Die heilge Erd, das gelobte Land«), doch im gleichen Kapitel am Beispiel des antiken Rom eine antimonarchische Lehre entwickelt (»Da fing die Macht zu zerfallen an,/Wardst einem Kaiser untertan«). Dies und andere Widersprüche sind Zeichen einer epochenbedingten Doppeldeutigkeit, die sich auch darin äußert, dass im Belegmaterial für jeden Narren-Typus unbefangen Beispiele aus dem Alten Testament und aus klassischen lateinischen Werken durcheinander gewürfelt sind.
Aufbau: In 112 Kapiteln werden, additiv aneinandergereiht, immer neue Formen der Narrheit vorgestellt und gegeißelt. Jedem Kapitel geht ein Holzschnitt voraus, der sich (teils nur recht frei) auf den Text bezieht. Jedem Holzschnitt ist ein meist dreizeiliger Mottovers beigegeben, der die Moral des Kapitels benennt.
Wirkung: Das Narrenschiff zog im 16. und 17. Jahrhundert eine üppige Narrenliteratur nach sich und beeinflusste noch den Simplicius Simplicissimus des Christoffel von R Grimmelshausen. Die von Brant erfundene Figur des Grobian entwickelte sich zu einem eigenen Genre, der grobianischen Dichtung. Der Einfluss des Narrenschiffs auf die deutschsprachige Dichtung kann kaum überschätzt werden. Heute liegt seine kulturgeschichtliche Bedeutung vor allem darin, das Verständnis der Welt um 1500 in Text und Bild zu fördern. R. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Das Narrenschiff
OT Das Narren Schyff OA 1494 Form Moralsatire Epoche Renaissance
Das Narrenschiff war am Ausgang des 15. Jahrhunderts ein in mehrfacher Hinsicht epochemachendes Werk. Die Idee, eine Tugendlehre erstmals unter einen einheitlichen Gesichtspunkt den des Narren zu stellen, bedeutete eine wichtige Fortentwicklung dieses Genres. Die Poesie des in Reimpaaren verfassten Werks gilt zugleich als Zeugnis des Wiederauflebens der deutschen Dichtkunst nach Jahrhunderten des Verfalls im Spätmittelalter. Schließlich begründete die besonders schöne Ausstattung des Buchs mit mehr als 100 Holzschnitten von teilweise herausragender Qualität seinen Ruf als Volksbuch. Die Mehrzahl der Illustrationen wird heute Albrecht Dürer (14711528) zugerechnet. Das Narrenschiff erlebte bis 1507 bereits fünf Auflagen der Originalausgabe und mehrere unautorisierte Nachdrucke. 1497 wurde es ins Lateinische und von dort bald ins Französische, Englische und Niederländische übersetzt. Es war das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor R Goethes Die Leiden des jungen Werthers (1774).
Inhalt: Die ganze Menschheit besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Narren das ist die zentrale Botschaft des Narrenschiffs. Im Narren-Begriff treffen das christliche Konzept der Sünde und das humanistische der Unvernunft zusammen; entsprechend ambivalent ist der dem Narrentum didaktisch entgegengehaltene Begriff der Weisheit. Die Narren als solche haben hier jedoch ihre sowohl in der Volkskultur als auch im höfischen Leben deutliche Ambivalenz, nach der sie auch Monopolisten der Weisheit sein konnten, nahezu vollständig eingebüßt. Das Buch will ein Narrenspiegel sein, verkennt aber, dass ein solches Instrument der Weisheit doch ein Werkzeug der Narren ist.
Brants Moralvorstellungen sind einerseits rückwärtsgewandt, andererseits vertritt er eine Ethik stadtbürgerlichen Gemeinsinns. Jeder soll sich mit dem Ort bescheiden, an den das Schicksal ihn gestellt hat doch zugleich wird die Wechselhaftigkeit des Schicksals im Bild des Fortunarads betont. Kaiser Maximilian I. wird ausdrücklich unterstützt (»Dem kommt ohn Zweifel in die Hand/Die heilge Erd, das gelobte Land«), doch im gleichen Kapitel am Beispiel des antiken Rom eine antimonarchische Lehre entwickelt (»Da fing die Macht zu zerfallen an,/Wardst einem Kaiser untertan«). Dies und andere Widersprüche sind Zeichen einer epochenbedingten Doppeldeutigkeit, die sich auch darin äußert, dass im Belegmaterial für jeden Narren-Typus unbefangen Beispiele aus dem Alten Testament und aus klassischen lateinischen Werken durcheinander gewürfelt sind.
Aufbau: In 112 Kapiteln werden, additiv aneinandergereiht, immer neue Formen der Narrheit vorgestellt und gegeißelt. Jedem Kapitel geht ein Holzschnitt voraus, der sich (teils nur recht frei) auf den Text bezieht. Jedem Holzschnitt ist ein meist dreizeiliger Mottovers beigegeben, der die Moral des Kapitels benennt.
Wirkung: Das Narrenschiff zog im 16. und 17. Jahrhundert eine üppige Narrenliteratur nach sich und beeinflusste noch den Simplicius Simplicissimus des Christoffel von R Grimmelshausen. Die von Brant erfundene Figur des Grobian entwickelte sich zu einem eigenen Genre, der grobianischen Dichtung. Der Einfluss des Narrenschiffs auf die deutschsprachige Dichtung kann kaum überschätzt werden. Heute liegt seine kulturgeschichtliche Bedeutung vor allem darin, das Verständnis der Welt um 1500 in Text und Bild zu fördern. R. H. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
Kurzbeschreibung
Mit seinem bekanntesten Werk, der Moralsatire "Das Narenschiff" (erstmals 1494 in Basel erschienen), brachte Sebastian Brant das Krisenbewußtsein der vorreformatorischen Zeit mit einprägsamen deutschen Versen zum Ausdruck und schuf auf der Grundlage spätmittelalterlicher Tradition einen "Bestseller". In über hundert Verskapiteln beschreibt er satirisch ebensoviele Narrentypen wie Verkörperungen sozialer und moralischer Normabweichungen. Jedem Kapitel ist ein Holzschnitt vorangestellt, etwa drei Viertel dieser Illustrationen stammen von Albrecht Dürer.
Klappentext
Niemals bis zu Goethes Werther hin ist einem literarischen Werk deutscher Sprache ein so durchschlagender Erfolg und eine so nachhaltige Wirkung beschieden gewesen wie dem 1494 zu Basel erschienenen Narrenschiff Sebastian Brants, das hier in einer Übertragung ins Neuhochdeutsche vorliegt, die ebenfalls die für die Wirkung des Narrenschiffs so wichtigen Holzschnitte - über hundert an der an der Zahl - enthält.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Über den Autor
Sebastian Brant, 1457 Straßburg - 10. 5. 1521 ebd. Der aus einer Straßburger Ratsherren- und Gastwirtsfamilie stammende B. studierte in Basel klassische Sprachen und Jura (Lizentiat 1483/84); danach lehrte er hier Kirchen- und Zivilrecht sowie Poesie. Er promovierte 1489 zum Doktor beider Rechte, wurde Dekan der juristischen Fakultät (1492) und 1496 Professor für römisches und kanonisches Recht. 1500 kehrte B. nach Straßburg zurück; 1501 übernahm er das Amt des Syndikus, 1503 wurde er Stadtschreiber. Als Berater, Korrektor und Lektor war er wesentlich an der Baseler Buchproduktion zwischen 1480 und 1500 beteiligt (Editionen u. a.).