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Das Narrenschiff
  
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Das Narrenschiff [Broschiert]

Katherine A Porter
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Broschiert, 1987 --  
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Produktinformation

  • Broschiert: 507 Seiten
  • Verlag: Rowohlt (1987)
  • ISBN-10: 3499158639
  • ISBN-13: 978-3499158636
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 512.420 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Weltliteratur 29. Dezember 2010
Von Diethelm Thom VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Die Autorin, die 1931 selbst an der im Buch geschilderten etwa einmonatigen Schiffsreise teilgenommen hat, hat dabei nach eigenen Angaben kein halbes Dutzend Wörter mit jemandem gesprochen, sich aber kontinuierlich Notizen gemacht. Dann, nach 10 Jahren Abwarten hat sie etwa 20 weitere Jahre an dem Buch gearbeitet - das Ergebnis ist ein Stück Weltliteratur. Man muss froh darüber sein, dass diese schöne Neuauflage erschienen ist - sie enthält im Anhang neben vielen präzisen Anmerkungen auch ein sehr lesenswertes Nachwort von Elke Schmitter.- Worum geht es in diesem Buch, wodurch werden die vielen dramatischen Konflikte erzeugt, ist es noch aktuell?

Die Autorin zeichnet ein Bild von der Vorkriegsgesellschaft, vor allem der deutschen, denn es handelt sich um ein deutsches Schiff auf der Reise von Vera Cruz nach Bremerhaven, und die Passagiere der 1.Klasse sind überwiegend Deutsche, fast allesamt nationalistisch und antisemitisch gesinnt, borniert und arrogant, so dass es jede Menge Zündstoff gibt. Ein zweites Element, das Konflikte erzeugt, ist das damals zeittypische Rollenverhalten von Mann und Frau. Unbarmherzig scharfsichtig, manchmal zum Weinen komisch, charakterisiert Porter hier die geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen jener Zeit, wobei auch deutlich eigene Emanzipationserfahrungen zugrunde liegen dürften, denn am Ende schlägt die Amerikanerin Mrs Treadwell - die Person, in der sich die Autorin wohl weitgehend selbst porträtiert - in einer grandiosen Szene den betrunkenen, lüsternen texanischen Widerling Denny mit dem scharfen Absatz ihrer Sandalette ganz erbärmlich zusammen. Last, but not least liegt immenser Konfliktstoff in den sozialen oder religiösen Gegensätzen. Aber selbst wenn die Satire manchmal Schnee von gestern sein dürfte und ins Grelle und Groteske überzeichnet ist, so wirken doch viele der beschriebenen Haltungen und Verhaltensweisen bis heute fort und man hat immer auch ein allgemein gültiges Bild von menschlicher Gesellschaft. Denn erstens sind außer den gut betuchten Deutschen auch andere Nationalitäten, andere Klassen an Bord vertreten- hier findet sich ein richtiger politischer und sozialer Mikrokosmos - und zweitens sind die Reisenden trotz aller negativen Überzeichnung doch auch immer als Personen, als Menschen zu erkennen, indem sie gemischte Charaktere sind und meistens in irgendeiner Hinsicht auch an sich selbst leiden. Der einzige Jude an Bord (Löwenthal) ist übrigens ausgesprochen unsympathisch gezeichnet, indem er seinen Widersachern an Borniertheit und Verachtung mindestens ebenbürtig ist.

Das belebende Element bei der Lektüre ist der realistische, scharf analysierende Stil der Autorin, der von tiefer, illusionsloser Lebenserfahrung spricht. Was einem Bewunderung abnötigt, ist, dass Katherine Anne Porter sich in alle Personen, gerade auch Männer, hineinversetzen und aus ihrer Perspektive beschreiben kann. Dabei wechselt sie fließend von der Erzählhaltung des allwissenden Autors in die der erlebten Rede oder des inneren Monologs und die Personen kommentieren und charakterisieren sich ständig gegenseitig, so dass der Leser amüsiert und wie eine höhere Instanz über dem Geschehen steht und sich fragen kann: Warum gibt es so gut wie keine wirkliche Verständigung? Ist jede Gesellschaft so beschaffen? Was müsste/sollte/könnte anders laufen?
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Einfach nur großartig! 16. Februar 2011
Von Gospelsinger TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Schiff der Norddeutschen Loyd legt am 22. August 1931 in Veracruz ab, um über Kuba und die Kanarischen Inseln nach Bremerhaven zu fahren. An Bord könnten die Unterschiede nicht größer sein. Während auf dem Oberdeck keine hundert Passagiere einen unglaublichen Luxus genießen, sind auf dem Unterdeck 800 spanische Auswanderer zusammengepfercht, die wieder zurück nach Spanien und somit in die Armut und Hoffnungslosigkeit verfrachtet werden. Daneben bevölkern noch die Mannschaft und der menschenverachtende deutsche Kapitän das Schiff.
Was auf dieser fast einmonatigen Reise an Bord geschieht, hat nicht das Geringste mit der Romantik eines Traumschiffs zu tun, nicht einmal auf dem Oberdeck. Stattdessen beginnt eine Abfolge von Intrigen und Lügen, getragen von Gier und Selbstmitleid. Feindschaften entstehen, antisemitische Ressentiments und das Überlegenheitsdenken der Deutschen brechen hervor, die Arroganz der Reichen gegenüber den Armen tritt ungehindert zutage. Diese steigert sich hin bis zum Hass gegen Arme, die man mindestens vertreiben, am liebsten aber gleich durch Bevölkerungspolitik verhindern oder durch Eugenik vernichten will. Auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft und politische Verfolgung sind Themen dieses Gesellschaftsromans.
Fasziniert hat mich, wie gefesselt ich von einem Buch war, dessen Charaktere fast durchweg unsympathisch sind. Die ganze Bandbreite menschlichen Verhaltens und vor allem menschlicher Abgründe ist vorhanden.
Diese Bandbreite spiegelt sich auch in der Anzahl der handelnden Personen wieder. Ich war jedenfalls sehr dankbar für das dem Roman vorangestellte ausführliche Personenverzeichnis. So konnte ich die Charaktere leichter auseinanderhalten.
Um nur einige zu nennen: Elsa, eine Pubertierende, die wie alle Pubertierenden unzufrieden mit ihrem Körper ist, der bucklige Herr Glocken, der jüdische Fabrikant Löwenthal, der so unsympathisch gezeichnet ist, wie man das heute auf keinen Fall tun dürfte, ein amerikanisches Künstlerpärchen, das ständig zwischen Liebe und Hass hin und her pendelt, das deutsche Ehepaar Hutten, das ihre Bulldogge Bebe wie ein Kind behandelt, den todkranken Willi Graf, der seinen Neffen ausnutzt, den Schiffsarzt Dr. Schumann, der sich in eine drogensüchtige Aristokratin verliebt, die spanische Musik- und Theatergruppe, die zur Eskalation der Konflikte an Bord munter beiträgt.
Denn der ganze Hass, der sich auf der Überfahrt bei den Handelnden so ansammelt, bricht sich am Ende vehement Bahn.
Zwanzig Jahre hat Katherine Anne Porter an diesem großen Roman geschrieben, und ihre Mühe hat sich gelohnt. Herausgekommen ist ein Meisterwerk, das in der gleichen Liga wie 'Der Zauberberg' spielt. Genau wie beim 'Zauberberg' haben wir auch hier mit einer Situation der Abgeschlossenheit zu tun, die verschiedene Gesellschaftsschichten auf engem Raum zusammenbringt, und auch hier findet das Geschehen kurz vor einem Weltkrieg statt.
Dass Katherine Anne Porter für das Schreiben dieses Werkes der Weltliteratur so lange gebraucht hat, wird wohl daran liegen, dass sie als Frau leider keine Ehefrau hatte, die ihr den Rücken freihält, damit sie in Ruhe schreiben kann. Männer hatten und haben es da besser.
Dieses einfach nur großartige Buch hat seinen Ehrenplatz auf meinem Lieblingsbuchregal gefunden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
An den 700 Seiten dieses mächtigen Romans hat die Autorin 20 Jahre geschrieben, von 1942 bis 1962. Die Arbeit hat sich gelohnt: Porter gelingt eine detaillierte Beschreibung der Gesellschaft der dreißiger Jahre; doch statt von einem Gesellschaftsroman möchte ich lieber von einem Sittengemälde sprechen. Denn die Ereignisse liegen inzwischen 80 Jahre zurück, zugleich hat Porter Gedanken, Gebräuche und Verhalten ihrer Hauptpersonen so minutiös beobachtet und festgehalten, dass die Distanz zum Denken und Fühlen heute deutlich hervortritt - und zumindest ich mich darin fremd fühle.

Als Ort der Handlung hat Porter einen geschlossenen Raum gewählt, aus dem es befristet kein Entrinnen gibt: Ein Fracht- und Passagierschiff namens Vera, das im August 1931 voll besetzt von Veracruz nach Bremerhaven fährt. Mehrere Wochen lang sind die Passagiere einander auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, ein ideales Szenario, in dem Vorurteile, Beobachtungen, Gespräche und Ereignisse an Deck sich zu Reibereien, Sticheleien und schließlich körperlichen Auseinandersetzungen verdichten. Porter hat diese Fahrt seinerzeit selbst gemacht - und war anscheinend eine fleißige Notizenschreiberin.

Es war eindrucksvoll zu lesen, wie Menschen damals dachten (aus heutiger Sicht unfassbar beschränkt und blasiert); Porter ist die Schilderung der Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten sehr gut gelungen, auch sprachlich sehr nuanciert. Der Roman seziert geradezu, um einen Aspekt herauszugreifen, wie umfassend schon vor der Machtergreifung Juden diskriminiert wurden.

Auch die Wahl der Szenen, mit denen Porter die Handlung vorantreibt, hat sie sehr geschickt getroffen. Trotz des üppigen Umfangs entsteht eine innere Spannung, die das Buch nie langweilig werden lässt. Einziges Manko: Manche Reaktionen wirken zu scharf, so als seien die Personen überempfindlich - das kratzt geringfügig an der Glaubwürdigkeit der Charaktere. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
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