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Das Napoleon-Spiel: Roman (suhrkamp taschenbuch)
 
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Das Napoleon-Spiel: Roman (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Christoph Hein
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 190 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (27. Januar 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518399802
  • ISBN-13: 978-3518399804
  • Größe und/oder Gewicht: 17,2 x 10,8 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 32.954 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christoph Hein
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Äußerst geschickt hat Hein die Köder einer Krimigeschichte ausgelegt. Ein gewisser Bernhard Bagnall ist ermordet worden, Umstände und Motiv der Tat liegen noch im Dunkel. In seinem an den Advokaten gerichteten Schreiben steht der Täter, selbst ein forensisch erfahrener Jurist, durchaus zu seiner Tat, versucht seinem Anwaltskollegen aber klarzumachen, daß dieser Mord weder strafrechtlich noch moralisch als Mord zu werten ist. Es handelt sich um eine völlig logische Operation, vergleichbar einem napoleonischen Feldzug im Kleinformat. Wenn niemand dem strategischen Spieler Napoleon übelnimmt, daß er Hunderttausende seiner Soldaten sinnlos in den Tod geschickt hat, mit welchem Recht will man ihm, argumentiert der Spieler, aus dem Tod eines einzigen Menschen einen Strick drehen?" Lothar Baier, Süddeutsche Zeitung

Über den Autor

Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. 1967 studierte an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm mit seinem Prosadebüt Einladung zum Lever Bourgeoise. 2008 wurde Hein mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.


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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Christoph Heins Roman "Das Napoleonspiel", die Geschichte des Anwalts Wörle, stellt eine philosophische Auseinandersetzung mit dem heutigen Rechtssystem, mit moralischen und ästhetischen Wertvorstellungen der heutigen Gesellschaft dar. Es ist gleichzeitig die Erzählung des "Spielers" Wörle, dessen Lebensinhalt aus einer schier endlosen Kette von Spielpartien besteht. 1932 als Sohn eines Schokoladenfabrikbesitzers in Stettin geboren, endet seine verwöhnte Kindheit schon rasch durch den zweiten Weltkrieg. Zur Flucht nach Thüringen genötigt, wird die Familie Wörle mit dem Ernst des Lebens konfrontiert. Der junge Wörle muß sich schon bald nach dem Tod seiner Mutter als Flüchtlingskind gegen seinen Stiefbruder und seine Mitschüler behaupten. Das gelingt ihm durch erste ökonomische Erfolge, bei denen er skrupellos seinen Vater und dessen Briefmarkenversand betrügt. Auch im weiteren Verlauf seines Werdegangs wird er immer wieder mit den Härten des Lebens konfrontiert. Bei diesen "Lebensspielen" eilt er von Erfolg zu Erfolg, so daß er schon bald hohes gesellschaftliches Ansehen genießt. Aber weder Geld noch Ansehen bringen ihm Genugtuung. Allein seine spielerische Leidenschaft läßt ihn immer höhere Einsätze wagen. Jeder Erfolg hinterläßt in ihm jedoch nur Langeweile. Deshalb wird er von einem Spiel zum anderen getrieben. Sein Größenwahn läßt ihn sich gar mit Napoleon vergleichen. Gleich diesem ist ihm jedes Mittel recht, sein Spiel zu gewinnen. Rücksichtslos involviert er andere Personen in sein Spiel, ohne an die Folgen für die betreffenden Personen zu denken. Seine Spielsucht gipfelt in dem Mord an Bernhard Bagnanz. Ohne Gewissensbisse bringt er diese Person um, da es sich dabei für ihn nur um eine "unerläßliche Tötung" handelt. Unerläßlich ist diese Tötung für ihn, da ihn das Leben mittlerweile so stark langweilt, daß er in Gefahr läuft, Selbstmord zu begehen.

Dadurch, daß Hein dem Roman einen Briefcharakter verleiht, distanziert er sich von der Handlungsweise des Spielers Wörle, legt ihm aber viele Wahrheiten in den Mund, mit denen der Leser sich immer wieder identifizieren kann. So ist zum Beispiel die Kritik am Rechtssystem durchaus angebracht, da es einen Mörder wie Wörle nicht hart genug verurteilen kann, weil er die nötigen Beziehungen, genug Geld und genügend Charisma hat, denn "unstriitig ist das Gesetz, aber nicht der nach ihm erfolgte Richtsspruch". (S.6) Die Richter verlassen sich auf ihre Menschenkenntnis und sind so durch die Art und Weise des Auftretens des Angeklagten manipulierbar. Hein vergleicht diese Manipulierbarkeit mit der öffentlichen Meinung, die durch die Medien manipuliert wird, da sie von Gefühlen abhängt.

In dem Roman werden viele philosophische Fragen angesprochen. So läßt Hein seinen Wörle den Begriff "Unerläßliche Tötung" wie folgt definieren: "Nach der Vernichtung einer Armee oder Stadt sind strafrechtliche Folgen ausgeschlossen, da keine zu ahndenden Straftaten nachzuweisen sind. Die Tat ist durch die übergroße Menge neutralisiert und nicht mehr rechtswidrig, sie wurde zur perfekten, unerläßlichen Tötung." (S. 167 f.) Hier zeigt sich die außerordentliche Aktualität des Romans. Wieviel Kriegsverbrechen wurden während des Golfkriegs verübt? Auch während der Kriegshandlungen in Jugoslawien (War Christoph Hein, als er diesen Roman schrieb, in der Lage, die Zukunft vorauszusehen?), an denen ja auch Deutschland beteiligt war, wurden viele Zivilisten "ausversehen" getötet. Auch in diesen Fällen wurden die Verantwortlichen nicht strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen.

Ein weiteres zentrales Thema des Romans ist der Begriff der Freiheit. Für Wörle ist Freiheit eng mit dem Begriff der Knechtschaft verbunden. Er ist in dem Roman der Meinung, daß ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung nur Knechte sind, die sich freiwillig dem Willen einer übergeordneten Instanz unterordnen. Diesen "Knechten" kann, da sie nicht in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu fällen, die Freiheit nur zur Last werden. "Geben sie geborenen Knechten die Freiheit, und sie machen sie für immer unglücklich... Im Joch waren sie gedankenlos unzufrieden, nun ängstigt sie ihre Freiheit... Die Arbeit befreit sie von der unerträglichen Last der Freiheit." (S. 149) Von dieser "Knechtschaft" sind in Deutschland viele Menschen betroffen. Es drängt sich geradezu ein Vergleich mit der ostdeutschen Bevölkerung auf, die ja 40 Jahre unter dieser Knechtschaft gelebt hat und nunmehr immer noch zum Teile große Schwierigkeiten hat, eigene Entscheidungen zu treffen. Von der Arbeit nach Hause kommend, überlassen sich viele Menschen der Unterhaltungsindustrie, die es immer mehr schafft, diese Menschen zu nivellieren. Für Wörle ist solch eine Einstellung jedoch Gift: "Erfahrung ist Tod. Wir hören auf zu leben in dem Maße, wie wir das Leben kennen und erfahren haben. Wenn wir alles wissen und uns nichts mehr zu überraschen vermag, sind wir tot." (S. 128)

Hein ist es in meisterlicher Art gelungen, eine Gesellschaftskritik zu schreiben, indem er Fragen der Moral anspricht und herrschende Machtkämpfe in Politik und Wirtschaft zu "Spielbällen" macht, die auf dem Spielfeld der Macht nur hin und her geschoben werden, um Siege zu erringen. Wörle ist im Roman keinesfalls als positiver Held angelegt. Trotzdem setzt er immer wieder seinen Willen durch. Hein zeigt hiermit den immer stärker werdenden Verfall der ästhetischen und moralischen Werte in Europa und speziell hier in Deutschland.

Meinen Betrachtungen lag folgende Buchausgabe zugrunde: Hein, Christoph: Das Napoleonspiel. Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar 1993, 208 S.

Über Meinungen, Hinweise und Vorschläge bezüglich des Romans und meiner kurzen Analyse, die an meine E-Mail-Adresse zu richten sind, würde ich mich sehr freuen.

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Das Leben ist ein Spiel und der "Held" der Geschichte ist beim spielen sehr erfolgreich. Nebenwirkung seines Erfolges ist die Langeweile ! Einziger Ausweg dagegen ist den Einsatz zu Steigern. Wohin das führt bitte selber ausfindig machen! Besonders schön ist das Spiel mit den Emotionen des Lesers, der sich häufig in dem zunehmend zweifelhaften Charakter des Helden wiederfindet.
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