Eine Gruppe Schiffbrüchiger, darunter Gelehrte und Kastraten, retten sich auf die Insel Gorgona im Toskanischen Meer. Dort soll sich auch der Mönch Philos Ptetès, der die Gelehrten zu sich gebeten hatte, befinden. Als ein Schriftstück gefunden wird, der diese Annahme bestätigt, außerdem eine Art Schatzkarte, sind alle aus dem Häuschen. Denn die Entdeckung des Mönchs könnte die Geschichte, wie wir sie kennen, verändern. Eine fieberhafte Suche beginnt, die so manche Überraschung birgt...
Damit wäre die Handlung des Romans kurz umrissen. Wer aber das Autorenduo Monaldi & Sorti kennt, weiß, dass das nur die Rahmenhandlung ist, in der sie ihre Kenntnisse, die sie beim Recherchieren zusammengetragen haben (und die im fast 100 Seiten umfassenden Anhang näher erläutert werden), verpackt haben. Wie üblich sehr detailliert, stellenweise sehr weitschweifig, aber nichtsdestotrotz auch sehr interessant.
Der Fokus liegt aber weniger in der abenteuerlichen literarischen Schatzsuche, als vielmehr in der Frage, ob es die berühmten Philosophen und antike Dichter wirklich gegeben hat und ob die Chronologie der Zeit, wie Scaliger sie geschaffen hat und die auf den Überlieferungen dieser Dichter beruht, wirklich korrekt ist. Gab es die historischen Ereignisse, die Platon,Aristoteles, Tacitus, Homer und andere niedergeschrieben haben wirklich oder sind es Fälschungen? Eine interessante These, die zum Nachdenken anregt. Immerhin gab es in der Antike noch keinen Buchdruck, alles wurde mündlich überliefert bzw. auf Pergamenten niedergeschrieben. Diese Schriftstücke wurden aber erst viel später gefunden, meist in guten Zustand. Sie wurden in den Bibliotheken der Klöster aufbewahrt und dort übersetzt und vervielfältigt, dadurch vielleicht auch (absichtlich oder unabsichtlich) verändert. Oder gar gefälscht?
Darüber lässt das Autorenduo die Gelehrten, die es alle wirklich geben hat, disputieren, in eingeschobenen Notizen und Dialogen, die dem Leser die Thematik näher bringen sollen. Das wirkt mitunter recht trocken, dient aber dem Verständnis. Allerdings sollte man sich schon die Zeit dazu nehmen. Es ist kein Roman zum nebenbei lesen, nichts für Zwischendurch - und dadurch sicher auch nicht jedermanns Sache.
Einen kleinen Abzug gibt es aber für die Rahmenhandlung. Das Verhalten der Protagonisten ist an mancher Stelle sehr überzogen und kaum nachvollziehbar. Kleine eingestreute Episoden lassen den geübten Krimileser stutzig werden und nehmen dadurch stellenweise den Verlauf vorweg, so dass mich manches, was sich am Ende aufklärte, nicht sonderlich überraschte. Andere kleine Sachen werden wohl erst im Folgeroman aufgelöst. Auch spielt Atto Melani eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Er befindet sich als Jugendlicher unter den Schiffbrüchigen , und sein scharfer Geist bricht hier und dort auch durch, aber das Hauptaugenmerk liegt vielmehr bei den Gelehrten.
Trotz allem hat mir das Buch gefallen, eine pauschale Leseempfehlung möchte ich aber nicht aussprechen. Interessierte sollten vorher mal reinlesen, um Enttäuschungen zu vermeiden, denn es ist nicht leicht zu lesen. Wer sich aber darauf einlässt, wird viel zum Nachdenken haben.
"Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat." (Voltaire)