Das Mysterium ist das erste Buch, welches ich von Titus Müller gelesen habe. Der Inhalt hat mich angesprochen und anfänglich war ich auch gefesselt von der ansprechenden Art, wie das Buch geschrieben ist.
Vielleicht ist die ständige Abhandlung von Glaubensfragen nicht so ganz mein Thema, alle glauben an Gott, nur jeder auf eine andere Art und Weise, Papst und Kaiser sind verfeindet, wie das damals ja oftmalig der Fall war, die Kirche in sich ist auch nicht eins und die Inquisation verbreitet Angst und Schrecken. Wer sich nicht nicht verhält und denkt wie die katholische Kirche es vorsieht, wird verfolgt, so auch diverse Splittergruppen, wie in dem Buch beschrieben, die Reinen.
Interessant ist die Figur des William Ockham beschrieben, der den meisten Fans von historischen Romanen aus "Der Name der Rose" in Erinnerung sein wird. Seine Aussprüche, im Buch zitiert und zum Teil von ihm selbst stammend sind jedenfalls eine Bereicherung und ich finde Amiel kann es mit William in keiner Art und Weise aufnehmen, auch wenn das Volk Amiel für einen großen Magier hält. William ist mehr der Gelehrte und pariert auf seine Art auf das Mysterium von Mond- und Sonnenfinsternis.
Bis zum Schluss unverstanden für mich bleibt die Figur des Amiel, er ist nicht stark genug und verlangt es doch von den anderen, dafür ist er sogar bereit, seinen eigenen Sohn zu töten. Verzicht ist sein Motto, welches er nicht immer einhalten kann, so verfällt er der schönen Adeline, die aber liebt Nemo den Jüngeren.
Nemo und Adeline sind soweit gut beschrieben, auch wenn Nemo ein Verkleidungskünstler ist, kann er sich doch nicht glaubwürdig als hoher Herr darstellen, welchen Amiel nicht erkennt. Das war sehr unglaubwürdig beschrieben.
Der Kaiserhof samt Kaiser und Familie wird nicht wirklich intensiv beschrieben, dafür wiederholen sich immer wieder die Gedanken des Amiel.
Einige Male war ich nahe daran, das Buch wegzulegen, weil ich die kirchlichen Auseinandersetzungen nicht mehr ertragen konnte, auch sind einige Beschreibungen doch massiv brutal, wie der Mord an einem Mönch oder auch die Bechreibungen der Folter samt Tod am Scheiterhaufen.
Letztendlich konnte ich das Ende überhaupt nicht nachvollziehen, da finden alte Feinde wie Amiel und Adeline letztendlich doch zueinander zumindest kann Adeline Amiel verzeihen, aber warum Amiel den angesehenen Kaufmann, ehemals Nemo verraten musste, sodass dieser und seine Familie alles verloren hat, was er jemals besaß ist mir unverständlich, nachdem Nemo Jahre zuvor Amiel aus dem Kerker befreit und ihm so das Leben gerettet hat. Vermutlich deshalb, weil Nemo den Schatz der Reinen als Grundstein für seine Kaufmannschaft verwendet hat.
Das Buch handelt in zwei Zeitabschnitten, in der des jungen Nemo und der des gereiften Nemos, der angesehener Kaufmann geworden ist.
Auf den Disput zwischen Kaiser und Papst wird nur andeutungswiese eingegangen, dabei wäre dieses Thema wohl interessant gewesen.
Wieviele Anhänger der "Reinen" es damals in München wirklich gegeben hat, weiß ich nicht, dass so viele Menschen aber wirklich den Mut gehabt haben sollen, gegen Papst, Kirche, Kaiser und vor allem die Inquisation anzutreten, erscheint mir als nicht Historiker eher unwahrscheinlich.
Ich werde weiterhin Bücher von Tutus Müller lesen, weil sein Talent zum Schreiben erkennt man in jedem Fall in diesem Buch, und vielleicht ist für den geschichtlich zu wenig Informierten dieses Thema doch zu komplex.