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Das Museum der Unschuld: Roman [Gebundene Ausgabe]

Orhan Pamuk , Gerhard Meier
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

10. September 2008
Kemal, ein junger Mann aus der Oberschicht Istanbuls, verfällt der Liebe zu einer armen Verwandten - der blutjungen, naiven und wunderschönen Füsun. Was als Affäre begonnen hat, wächst sich bald zu einer Obsession aus, doch das hindert Kemal nicht daran, die Beziehung mit seiner Verlobten fortzuführen. Nach dem rauschenden Verlobungsfest lässt sich die Geliebte nicht mehr blicken. Verzweifelt erkennt Kemal, dass er Füsun über alles liebt. Doch es ist zu spät. Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk erzählt in seinem großen Liebesroman von einer Gesellschaftsschicht der Türkei, die in vielem ganz und gar westlich scheint und doch noch traditionelle Züge trägt - ein Kontrast, der subtile Ironie erzeugt.

Wird oft zusammen gekauft

Das Museum der Unschuld: Roman + Istanbul: Erinnerungen an eine Stadt + Schnee: Roman
Preis für alle drei: EUR 76,70

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG; Auflage: 2 (10. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446230610
  • ISBN-13: 978-3446230613
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 179.967 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Bis Kemal auf seine entfernte Verwandte Füsun trifft, hält er sich für einen glücklichen Menschen. Er ist fast verlobt, eigentlich ist auch die Hochzeit schon beschlossene Sache. Aber dann betritt er auf der Suche nach einer Handtasche für seine Geliebte die Istanbuler Boutique Champs-Élysées , in der Füsun als Verkäuferin arbeitet. Und damit nimmt sein Leben einen Lauf, der Kemal -- zumindest am Anfang -- noch ein wenig glücklicher macht.

Der reiche Kemal trifft die mittellose Füsun, die sich mit der Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb die Verachtung der ganzen Familie zugezogen hat, heimlich wieder. Er nimmt sie mit in seine Wohnung und verbringt die Nacht mit ihr. Allmählich wächst sich die Leidenschaft aus zu wahrer, aber auch tragischer Liebe, in deren Verlauf Kemal Füsun ein eigenes Museum widmet. Und der Roman Das Museum der Unschuld des türkischen Bestsellerautors Orhan Pamuk weitet sich zu einer stark an Thomas Mann gemahnenden, fast epischen Geschichte, in der ein verwöhnter und von den Lockungen der modernen Großstadt faszinierter Außenseiter der traditionellen türkischen Gesellschaft immer wieder auch die Schuld empfindet, nicht hinreichend bürgerlich und standesgemäß zu sein.

„Ist nicht eigentliches Ziel von Roman und Museum, unsere Erinnerungen so aufrichtig wie möglich zu erzählen und dadurch unser Glück in das Glück anderer zu verwandeln?“ fragt Pamuk im Roman. Nach der Lektüre seines autobiografisch angehauchten Buchs Das Museum der Unschuld mag man dem Autor unumwunden recht geben. Denn Pamuk ist es gelungen, nicht nur dieser wundervollen Liebesgeschichte in einer parallelen Welt, sondern auch dem Istanbul der siebziger Jahre ein gar nicht angestaubtes Denkmal zu setzten: Glücksgefühl beim Lesen inklusive. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de

Pressestimmen

"Ein Liebesroman, ein großartiger und trauriger." Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung, 13.09.08

"Pamuk ist nicht nur das aufschlussreiche Porträt einer türkischen Gesellschaft Mitte der siebziger Jahre geglückt, sondern eine Deutung von deren Selbstverständnis zwischen westlicher Freizügigkeit und osmanischer Tradition." Peter Henning, Spiegel online, 10.09.08

"Die Türkei braucht einen Erzähler wie Orhan Pamuk - aber den brauchen ja längst Leser auf der ganzen Welt." Jürgen Berger, Die Tageszeitung, 13.09.08

"Nie war Wehmut komischer, selten Liebesschmerz so lapidar und so unsterblich, und schon lange kein Roman mehr so weise." Sabine Vogel, Berliner Zeitung, 10.09.08

"Eine zarte, poetische, mit gleich viel Witz und Melancholie entworfene Liebesgeschichte." Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung, 09.09.08

"Mit seinem neuen Roman setzt Pamuk sein großes Istanbul-Projekt fort und beschert seinem Heimatland einen künftigen Klassiker." Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.08

"Aufmerksam und liebevoll wendet sich Orhan Pamuk der jüngeren Vergangenheit zu und ist doch keinen Augenblick sentimental." Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung, 14.10.06

"Pamuks Roman verewigt das Istanbul der siebziger Jahre, erfindet eine Gestalt der Weltliteratur und erzählt die bewegende Geschichte einer unglücklichen Liebe." Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.09.08

"Pamuks Roman ist zweierlei: eine Liebesgeschichte und ein Istanbul-Roman, der dem Istanbul und seiner bürgerlichen Gesellschaft der siebziger Jahre ein kleines Denkmal setzt." Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel, 10.09.08

"Pamuks Roman ist eine Erkundung der Befindlichkeit in einem Land, einer Stadt, die allein schon durch ihre geografische Lage zum Austragungsort der Spannungen zwischen Orient und Okzident, zwischen Tradition und Moderne bestimmt scheinen." Angela Schader, Neue Zürcher Zeiung, 09.09.08

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34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über das Dilemma der modernen Türkei 11. September 2008
Von Ulrich Gellermann TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
»Nur sehr naive Menschen glauben, Armut sei bloß ein leichtes Vergehen, das einem verziehen werde, sobald man zu Geld komme.«
(Celal Salik)

Reicher Mann liebt arme, schöne Frau, Frau verschwindet, Mann verzweifelt. Was sich wie der Plot eines mittleren Hollywood-Schinkens liest, ist der Kurzinhalt eines Gesellschaftsromans, den Orhan Pamuk unter dem Titel »Das Museum der Unschuld« in diesen Tagen der deutschen Öffentlichkeit präsentiert. Pamuks Sittengemälde der alten Reichen, der Istanbuler Bourgeoisie der Siebziger Jahre, sieht im Zentrum ein Liebespaar, ein Paar, das Abbild eines drohenden Untergangs ist, der sich erst in den letzten zehn Jahren deutlich zeigt: Auch wenn die alten Reichen Kultur um sich sammeln, akkumulieren die Neureichen doch das Geld.

Kemal gehört zu einer der weit verzweigten, alten und mächtigen Istanbuler Familien: Dort kennt man keine Kopftücher, die sind den unteren Schichten und denen vom Land vorbehalten, auch richtige Sorgen sind unbekannt. Geld steht immer zur Verfügung, man führt ein Haus in einem der besseren Stadtteile und besitzt eine weiteres, prächtiges auf den Prinzeninseln im Marmarameer. Vor allem aber ist man westlich kultiviert: Die Töchter gehen auf die Sorbonne, die Söhne kopieren die Werbekampagnen aus den USA für den eigenen Betrieb. Doch bei aller zur Schau gestellten Westlichkeit bleiben überkommene, feste Regeln, nach denen gehandelt wird: Man heiratet unter sich, vor der Ehe darf die Zärtlichkeit nicht zu weit gehen und die Hochzeit wird im Hilton sein.

Füsün hat die falschen Eltern: Die Mutter ist Schneiderin, der Vater war Lehrer, sie wohnen, aus der Obersicht der Oberschicht, im falschen Viertel. Und Füsün hat einen weiteren Makel. Noch als Schülerin nahm sie an einem Schönheitswettbewerb teil, das macht man nicht als anständiges Mädchen, sagt die Mutter von Kemal, die weitläufig mit Füsüns Mutter verwandt ist und sie hie und da als Schneiderin beschäftigt hat, allerdings nicht mehr, nachdem die ihrer Tochter diesen unsittlichen Wettbewerb gestattet hatte. Man stelle sich vor: Im schwarzen Badeanzug sind die Mädchen über Laufstege gegangen, fast alles war zu sehen. Aber was soll es Kemal kümmern, der wird sich bald verloben und Verlobung ist so gut wie Heirat.

Das ist das Dilemma der modernen Türkei und ihrer bis jüngst führenden Schicht: Man bewundert den Westen, kopiert ihn, manchmal bis zur Lächerlichkeit und steckt doch bis zu den Knien im alten Osmanischen Reich. Dieser Zwiespalt macht unsicher und vielleicht haben dieser Unsicherheit wegen die neuen Modernisierer, die gläubigen Provinzler aus Kapadokien, aus der Zentraltürkei, die Kommandohöhen in Ankara und anderswo besetzen können. Ihre Frauen tragen Kopftuch, sie sind selbstbewusste Türken, ihr Reichtum ist neu und ungehobelt, der Westen interessiert sie eher als Markt denn als kulturelles Vorbild. Aber beide Fraktionen der türkischen Bourgeoisie fahren, wie beruhigend, Mercedes.

Als Kemal auf Füsün trifft, als er seine besinnungslose Liebe entdeckt, fährt die Istambuler jeunesse dorée noch schwere amerikanische Autos, der Raki fließt in Strömen, die Luxuskneipen der Stadt sind die Bühnen des Reichtums. Begonnen hatte es mit ihm und Füsün mit dem Reiz des ehelosen Beischlafs, man gibt sich modern, wohl wissend, dass die Jungfräulichkeit auf dem Heiratsmarkt nach wie vor ein wesentliches Gut ist. Doch seine Verlobung wartet auf ihn, mit jener anderen, schönen und gescheite Frau, die aus der richtigen Schicht kommt und sich ihm versprochen hat und von der alle guten Familien wissen, dass sie seine Frau werden soll. Immer heftiger taumeln Füsün und Kemal umeinander, doch weil ihre Liebe besinnungs- aber nicht bedingungslos ist, löst Kemal sein Verlobungsversprechen ein. Gedacht hatte er, danach ging es so weiter, so wie es schon sein Vater und die anderen Väter gehalten hatten: Im Hinterzimmer die Liebe und im Salon die Ehe. Doch Füsün verschwindet, wird unerreichbar für ihn.

Was dem Kemal jetzt geschieht, kann wie eine Parabel auf den langsamen Untergang des alten Reichtums gelesen werden: Er löst seine Verlobung, macht sich zum Gespött seiner Umgebung und beginnt jene Dinge zu sammeln, die Füsün berührte oder auch nur gesehen hatte, Dinge die er einmal in das Museum der Unschuld verbringen wird, jenes Denkmal seiner Liebe. Auf der Bahn seiner Besessenheit verliert er Freunde, vernachlässigt seine Geschäfte und als seine Suche nach Füsün Erfolg hat, ist sie bereits mit einem anderen verheiratet. Kemal erniedrigt sich, acht lange Jahre, an 1593 Abenden, wie Kemal ausrechet, besucht er Füsün und ihre Familie , ohne dass Füsün ihn erhört, die Scheidung einreicht, um ihn zu heiraten. Ein quälendes Spiel beginnt: Die Regeln gibt die Konvention vor, der Schein wird aufrecht gehalten und als Füsün seinem Drängen nachgibt, besteht sie darauf, dass sie noch Jungfrau ist, nie habe sie mit ihrem Mann geschlafen, sie habe also in gewissem Sinne noch ihre Unschuld.

»Nur sehr naive Menschen glauben, Armut sei bloß ein leichtes Vergehen, das einem verziehen werde, sobald man zu Geld komme», so zitiert Pamuk einen seiner Figuren aus einem anderen Roman, den Kolumnisten Celal Salik. Natürlich ist Füsüns Vergehen arm zu sein auch nicht durch Kemals Geld auszugleichen. Und die Ansammlung toter Dinge würde, wenn Kemals Museum jemals Wirklichkeit werden könnte, nichts anderes sein, als das Denkmal einer falschen Unschuld: Einer gesellschaftlichen Lüge zur Aufrechterhaltung der Illusion, dass es ein richtiges Leben im falschen geben könne.
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36 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer, wichtiger Roman 8. November 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Manchmal würde man gerne ein Buch im Original lesen können ' um festzustellen, wie viel Anteil die Übersetzung an einem Text hat. Ich war bisher weder mit Pamuk noch überhaupt mit der türkischen Literatur vertraut, doch was hier vorliegt, ist nicht zuletzt ein Werk sprachlicher Brillanz, das momentan seinesgleichen sucht.
Pamuk spielt mit Dichtung und Wahrheit, mit Illusion, Erinnerung und Beobachtung: '"Wenn wir uns ausgiebig küssten, stellten wir fest, dass sich neben unseren feuchten Mündern und unseren herausfordernden Zungen auch unsere Erinnerungen in die Sache einmischten. Ich küsste also zuerst Füsun, dann die Füsun in meinem Gedächtnis, dann öffnete ich die Augen, schloss sie wieder und küsste die gerade gesehene Füsun und die in meiner Erinnerung."
Auch in diese so seltsam zugleich modern wie fremd-archaisch geschilderte Kultur einzudringen, ist nichts weniger als gewinnbringend. Wenn Literatur in der Lage ist, die Sicht des Eimnzelnen und damit der Gesellschaft zu beeinflussen und Fremdes verstehbar zu machen, so ist dies nichts weniger als ein ganz wichtiger Roman. Ein schöner, ein grausamer, ein bemerkenswerter.
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34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musealer Roman über ein verlorenes Istanbul 24. September 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Orhan Pamuks neuer Roman »Das Museum der Unschuld« handelt von Füsun, einer jungen Frau und Kemal, einem kaum älteren Mann, der dabei ist, eine standesgemäße Verlobung einzugehen. Die unerwartete Begegnung gibt beider Leben eine andere Richtung, und das um so mehr, als Kemal seine Geleibte bald durch eine Lüge verliert und acht Jahre werben muß, ehe er sie zurückgewinnt.

»Das Museum der Unschuld« ist ein Liebesroman über eine unterbrochene Liebe von Füsun und Kemal in Istanbul vor 30 Jahren. Die unterbrochene Liebe ist die Kraft, die die Gegenstände in die Welt setzt und sie museal werden läßt. Der Roman, der Erinnerungen seiner Jugend enthält, handelt von lauter alltäglichen Dingen und läßt daraus ein Museum entstehen. So groß ist die unglückliche Liebe, daß sie alles beseelt, was Füsun besaß und berührte, und am Ende auch: was sie hätte besitzen und berühren können.

Kemal hat das Bedürfnis, die unterbrochene Liebe zu Füsun in lauter Gegenständen zu dokumentieren und wandelt sich zum Gründer einer Sammlung, in der nicht nur die Erinnerung an Füsun, sondern auch an ein verlorenes Istanbul erhalten ist.

In dem Roman geht es in hohem Maße um die Verwirrungen innerhalb der Liebe. Das Museum der täglichen Dinge entsteht aus Enttäuschung, aus unerwiderter Liebe und ist nicht zum Besichtigen da, sondern zum Erfühlen. Die musealen Gegenstände dokumentieren weniger die Liebe, als dass sie dazu dienen, die Frau zu symbolisieren. Kemal spürt an ihnen der vergangenen Wärme nach, riecht nach ihnen, befühlt sie. Er braucht das, um sich erinnern zu können. Die Kunst dieses Romans mit musealem Charakter besteht in der Hervorrufung von Sinnlichkeit und Wahrnehmungen.

In dem Roman geht es nicht nur um die Geschichte von Verliebten, sondern um die Geschichte von Istanbul. Doch vom Schauplatz des Romans, vom Istanbul der späten siebziger und frühen achtziger Jahre ist heute fast nichts mehr vorhanden.
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