Inhalt:
Die 109-Seitige Erzählung handelt von einer in Westdeutschland lebenden Familie zu Beginn der 1970-er Jahre. Die Familie ist nach streng patriarchalischem Prinzip aufgebaut, sämtliche Macht und Entscheidungsgewalt liegt bei dem Vater. Alle anderen Familienmitglieder müssen sich nach ihm richten und seinen Anweisungen Folge leisten. Das Ziel des Vaters, eines Angestellten, ist eine Beförderung, die ihm nun, nach einer Dienstreise so gut wie sicher sein wird. Wenn er heim kommt, soll es, wie in der Familie zu jedem besonderen Anlass, Muscheln zu essen geben. Die restliche Familie hat bereits alles vorbereitet, während der Vater auf sich warten lässt. Die ohnehin schlechte Stimmung steigert sich noch, als die anderen Familienmitglieder während der Wartezeit all die Gemeinheiten, die ihnen der Vater angetan hat, in Erinnerung zu rufen. Die Rolle des sonst nie hinterfragten Vaters wird nun in ein ganz anderes Licht gerückt. Das geht so weit, dass schließlich, als nach einiger Zeit das Telefon klingelt, die Mutter statt an den Apparat zu gehen, die Muscheln wegwirft.
Analyse und Bewertung:
Beim Lesen des Buches ist man anfangs sehr von Vanderbekes Schreibstil überrascht: Sie verwendet endlos lange Sätze, benutzt fast keine wörtliche Rede und gestaltet fast das gesamte Buch als einen durchgehenden Fließtext. Der durchschnittliche Leser, der es gewohnt ist, gelegentliche Pausen zu haben, fühlt sich gehetzt und zu einem hektischen Lesetempo genötigt.
Das Buch hat augenscheinlich keine Struktur, es ist ein einziger, nicht abbrechender, wohl aber abschweifender Bewusstseinsstrom der Erzählerin. Interessant daran ist, dass der Text wie eine völlig gedankenlos heruntergeschriebene Darstellung der Erzählerinnengedanken aussieht, sich bei genauerem Betrachten aber als penibel durchkonstruiert zu erkennen gibt. Das ist beispielsweise an häufigen Wiederholungen bestimmter Begriffe und Formulierungen zu erkennen, wie etwa die ständige Verwendung des Begriffes "Dienstreise".
Das Lesen dieses Buches wird den Leser nicht viel Zeit kosten, eher Energie. Nimmt er sich diese aber, so wird er genießen wie Vanderbeke ihn mit der einfachen und naiven Erzählart ihrer Erzählerin langsam in den Hintergrund und den Vorgang des Sturzes eines Patriarchen einführt. Sie schafft es während der gesamten Erzählung eine myteriöse Stimmung aufrecht zu erhalten.