Bei allen Gebots-Hinweisen kommt bei mir zunächst der abwehrende Reflex. Vollkommen unnötig bei diesem Buch, es liest sich spannend und herausfordernd zugleich. Wichtige Themen unserer Zeit werden aufgegriffen und Lösungen dafür aufgezeigt - unspektakulär sensationell und zu Herzen gehend. Der Ton und Stil ist nicht soziologisch gedrechselt, sondern einfach, gut und verständlich, klar und ehrlich. Nachdem der Autor einleitend das Moses Prinzip erklärt, werden die 10 wesentlichen Facetten zukünftigen, individuellen & gemeinsamen Handelns beschrieben.
Zu Beginn wird die grundlegende Ablösung des abhängig Beschäftigten hin zum eigenen Handeln postuliert, ein wie ich finde zentraler, wichtiger Handlungsraum, das Nr.1-Ziel für uns alle: "Definiere Deinen Lebenssinn neu: Werde dein eigener Lebensunternehmer. Leben ist die Lust zu schaffen."
Nach der Differenzierung zwischen Lebensstandard und Lebensqualität (nicht abhängig vom unendlichen Wachstum) wird der Zusammehalt in der Familie und im Freundeskreis als zentraler zukünftiger Kitt unseres Gesellschaft aufgezeigt.
Das fünfte Gebot formuliert den kooperativen, helfenden, anderen Mut machenden Leitsatz, dessen Kerngedanken viele heute - in der gierigen Jagd nach immer mehr - verloren haben: "Die Verbesserung des Schicksals der Armen bereichert auch die Besitzenden." (Martin Luther King). Dem Gefühl des Ausgenutztwerdens durch soziales Engagement sollte unsere Gesellschaft begegnen durch Definitionen von Wertigkeiten für soziale Austauschprozesse. Dies findet heute abseits der Politik im Internet bereits statt, ohne das salbungsvolle politische Gerede vom Ehrenamt. Opaschowski betont zu Recht: "Die Menschen müssen stärker außerberufliche Gelegenheiten bekommen, aktiv an den Aufgaben und Problemen der Gesellschaft teilzunehmen."
Im sechsten Gebot wird der neue Helfer-Typ skizziert: tätig in multiplen Netzwerken, seine Talente entdeckend und sich selbst und auch andere damit begeisternd. Sinn und Spaß sind dabei die wesentlichen Antriebe, verknüpft mit möglichen Einkommen entstehen Motoren, die in Kooperation dringend notwendige Arbeiten des sozialen Miteinander entwickeln werden. Abschied vom Konsumstress, maßvolles Handeln in allen Lebenslagen, Krisen als Chance(n), Fehler machen dürfen, Halt- und Ruhepunkte und der Einsatz von Träumen im Gesamthorizont eines Lebens sind die weiteren faszinierenden Anweisungen in diesem Buch. Es hat mir Spaß gemacht, die Inhalte zu lesen, sie sind motivierend, anders, Mut machend. Eine wirkliche Empfehlung für alle, die wissen wollen, wo wir morgen hinsteuern können sollten.