Nina Schindlers "Mordsbuch" kann allen Krimifans empfohlen werden, gerade auch solchen, die sich einen Überblick über die Entwicklung des Genres verschaffen wollen, um darin selbst aktiv zu werden. Es ist liebevoll gestaltet, mit viel Bildmaterial versehen und bietet, da es Beiträge zahlreicher AutorInnen vereinigt, eine Vielfalt von Perspektiven auf die Gattung. Zur Sprache kommen die Geschichte der Kriminalliteratur (sehr interessant und an sich schon haarsträubend: der Umgang mit Krimis in den 50ger und 60ger Jahren), Krimi-National- und Lokal-Literaturen aus aller Welt, die diversen Subgenres (Landhaus-, Privatdetektiv-, Frauen- , Schwulen-/Lesben-, historische, Katzen- und Kinderkrimis), Verfilmungen, Comics und Spiele und vieles mehr. Die einzelnen Artikel verfolgen unterschiedliche Ansprüche und Interessen. Durchaus wissenschaftliche Untersuchungen finden sich neben Plaudereien aus dem Nähkästchen von LeserInnen und AutorInnen. Alles ist gut lesbar und unterhaltsam geschrieben, besonders gelungen sind die von Nina Schindler selbst vorgenommenen Übersetzungen der englischen und amerikanischen Beiträge, die deren Leichtigkeit und Humor bewahrt haben. Gerade die Mischung all der Stimmen und Blickwinkel macht den Reiz dieses Buches aus. Aufgelockert wird es durch Lese-Empfehlungen, einen "Krimibaukasten" und zahlreiche Bilderrätsel, die tatsächlich zum Mitraten verleiten. Nicht unerwähnt bleiben sollte eine wesentliche Nebenwirkung des Bandes: Das Haushaltsbudget für Krimis muß schon während der Lektüre aufgestockt werden, so voll ist das Buch von Leseanregungen. Die Risiken der Anschaffung sind also nicht unerheblich. Einen Mord würde ich allerdings nicht dafür begehen. Daher "nur" vier Sterne.