Das Moodle 2-Praxisbuch wendet sich an verschiedene Lesergruppen, zum einen bietet es als Lehrbuch eine gelungene Einführung für Einsteiger, zum anderen informiert es über Änderungen in der neuen Moodle-Version 2.x und dient als Nachschlagewerk für Lehrende an Schulen, Hochschulen und Unternehmen, die Moodle bereits nutzen.
Sinnvollerweise hilft Carsten Wiegrefe in der Einführung zunächst Fragen zu klären wie "Warum eigentlich Moodle?" und "Wurde das Buch für Sie geschrieben?"
Nach der Vorstellung von Moodle und der Moodle-Community, folgt ein langer Abschnitt, in dem die Funktionen von Moodle beschrieben werden. Es wird zum Beispiel gezeigt, wie man Arbeitsmaterial anlegt oder wichtige Aktivitäten wie Forum, Chat, Abstimmung, Glossar und Wiki hinzufügt.
Komplexeren Moodle-Elementen wird entsprechend mehr Raum gegeben, so dass bspw. den vielfältigen Funktionen des Editors ein Extra-Abschnitt gewidmet ist. Das Problem der Browser Opera und Safari, den Editor anzuzeigen, scheint durch Moodle 2.x gelöst worden zu sein.
Der Leser erfährt Tipps und Tricks, wie z.B. dass man eine größere Anzahl von Dateien komfortabel hochladen kann, indem man sie vorher zu einer ZIP-Datei zusammenfasst. Auch auf Details wird eingegangen, wer kennt zum Beispiel den Unterschied zwischen dem Glossar und dem Hauptglossar? Letzteres kann standardmäßig nur von Trainern bearbeitet werden.
Das Buch verzichtet angenehm auf technischen Jargon und ermöglicht den Einstieg auch für Personen mit weniger ausgeprägten Computerkenntnissen. Mit Hilfe von Abbildungen wird man Schritt für Schritt beim Umgang mit Moodle unterstützt und lernt so, einen "virtuellen Klassenraum" zu erstellen und die vielfältigen Funktionen von Moodle zu nutzen. Die enthaltenen Beispiele verweisen zudem meist auf kostenlose Ressourcen - wie die Logos unter Moodle.org oder Ressourcen von lernmodule.net - und fördern so das aktive Ausprobieren.
Der Leser erfährt auch, dass auf ihn als Trainer meist weitere Aufgaben außerhalb der eigentlichen Lehrtätigkeit zukommen werden wie die Verwaltung der Nutzer oder die Anpassung des Kurslayouts. Auch wird er für die Teilnehmenden der erste Ansprechpartner bei technischen Problemen sein und muss so auch Supportaufgaben übernehmen, für die normalerweise ein Administrator zuständig wäre.
Positiv besonders hervorzuheben, sind die vorgestellten Praxisbeispiele. Hier werden Ideen für interessante Lernarrangements gegeben und Einsatzszenarien vorgestellt, die das didaktische Potenzial von Moodle aufzeigen. Wie ein "Kochbuch" soll es dazu anregen, neue Lehr-/Lernformen auszuprobieren.
Auch bei der Beschreibung der einzelnen Moodle-Elemente werden didaktische Hinweise gegeben. So ist ein Forum technisch meist schnell eingerichtet, aber um es zum Laufen zu bringen, bedarf es konzeptioneller Überlegungen und einer begleitenden Moderation.
Der didaktische Anspruch wird auch auf das Buch selbst angewandt, indem jeder größere Abschnitt am Ende prägnant zusammengefasst wird. Zudem erleichtert die grafische und typografische Gestaltung die Arbeit mit dem Buch.
Die Ordnung der Arbeitsmaterialien und Aktivitäten nach verschiedenen Sozialformen bietet zudem eine hilfreiche Übersicht, um Moodle sinnvoll für die Lehre nutzen zu können.
Moodle (wenn auch nur lokal auf dem eigenen Rechner) zu installieren, wird die meisten Leser wahrscheinlich überfordern. Eventuell hätte auf die Beschreibung verzichtet werden oder sie hätte in den Teil für Fortgeschrittene verschoben werden können. In jedem Fall sollte noch stärker darauf hingewiesen werden, dass es einen erheblichen Aufwand bedeutet und Erfahrung benötigt, Moodle selbst zu hosten und - vor allem - professionell zu administrieren. Einsteigern sollte meiner Meinung nach davon abgeraten werden.
Das soziale Format wird zwar nicht häufig genutzt, mehr Informationen dazu wären dennoch wünschenswert gewesen. Auch die Möglichkeit, Tests zu integrieren, die mit der kostenlosen Software "Hot Potatoes" erstellt wurden, sollte auf jeden Fall erwähnt werden. Dies könnte passenderweise unter "Externe Inhalte einbinden" erfolgen.
Das Buch ist vor allem für Anfänger geschrieben, aber auch für fortgeschrittene Moodle-Nutzer bietet es viele interessante Aspekte. So werden im Abschnitt "Neues in Moodle 2.0". die veränderten Funktionen vorgestellt wie bspw. der neue HTML-/WYSIWYG-Editor und die persönliche Startseite. Man erfährt, dass die Möglichkeiten von Moodle, externe Programme zu integrieren, verbessert sowie Design und viele Funktionen überarbeitet wurden. Die Praxisbeispiele und Best-Practice-Szenarien geben Anregungen, wie konstruktivistische Lehr-/Lernszenarien heute aussehen können.