Erzählt wird Daryas Geschichte aus der Perspektive der Ich-Erzählerin. Die erste Hälfte befasst sich mit ihrem Leben im ländlichen Afghanistan: Dem Willen der Männer unterworfen, wertlos und ungebildet, obgleich mit eigenem Willen und daher so ganz und gar nicht so wie sie nach Ansicht der männlichen Mitglieder ihrer Familie sein sollte. Die zweite Hälfte befasst sich mit ihrem Leben nach der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Sie begibt sich erneut in die Hände eines Mannes, der sie vermeintlich rettet. Sie ist in ihrem neuen Leben allerdings genauso wertlos wie in Afghanistan, denn auch dieser Mann bestimmt wieder vollends über sie. Sie lebt in einer Art goldenem Käfig (der amerikanische Titel lautet "The Moonlit Cage" / "Der mondhelle Käfig"). Sie muss erst sich selbst finden, bevor sie auch die Liebe findet...
Obwohl ich wirklich mit Darya gelitten habe, hat Holeman m.E. in der ersten Hälfte *jedes* Klischee bedient, das dem Islam anhaftet: Frauen haben unterwürfig zu sein, werden unwissend gehalten, sind nichts wert, werden ständig geschlagen etc. pp. Daher ist die erste Hälfte eine lange Litanei der Leiden und wiederholt sich mehrfach. Erfreulicherweise zieht sich die Litanei nicht durch das gesamte Buch. M.E. wird die Handlung dann auch erst in der zweiten Hälfte durch die Reise nach England und David Ingram etwas abwechslungsreicher, bleibt aber genauso vorhersehbar wie in der ersten Hälfte.
Fazit: Auch wenn mir wieder Holemans anschauliche Erzählweise sehr gefallen hat, waren mir eindeutig zu viele Klischees und zu viele Anachronismen vorhanden. Ausserdem fand ich das Ende ebenso abrupt wie vorhersehbar. Alles in allem hat es daher bei mir leider auch nur zu 3,5* gereicht, aufgerundet also 4*. Bin aber trotzdem auf den dritten Band dieser Trilogie gespannt, der im Frühjahr nächsten Jahres im Original unter dem Titel "Chutney Mary" erscheinen und im Punjab in den 1870ern angesiedelt sein wird. Vielleicht läuft sie darin ja wieder zur Höchstform auf ?