Für viele Menschen ist das Mittelalter immer noch das "dunkle" Zeitalter, rückständig, barbarisch, unverständlich. Vielleicht hat man eine wage Vorstellung von Ritter und Königen, Schlachten und Burgen aber hier endet häufig auch das Wissen über- und das Interesse an der Zeit zwischen ca. 500 und 1500 n.Chr. Hat man sich näher mit dieser Materie befaßt, weiß man wie schade das ist, birgt diese Zeit doch eine Masse interessanter Aspekte und einmaliger geschichtlicher Vorgänge. Das Buch von Hartmut Boockmann versucht sich nun diesen zu nähern und einen direkten und tiefen Einblick in die vielen Aspekte des Mittelalters zu ermöglichen der nicht so trocken wie ein Lehrbuch und trotzdem wissenschaftlich fundiert ist. Zu diesem Zweck hat der Autor 115 Quellen aus der Zeit gesammelt und selber neu übersetzt. Diese Quellentexte sind 15 Themengebieten zugeordnet denen Boockmann jeweils eine kurze, verständliche und fundierte Einleitung vorangestellt hat, die die nachfolgenden Texte erläutert und in den geschichtlichen Zusammenhang stellt. Boockmann nennt sein Werk ein "Lesebuch" und genau das ist es geworden, es ist ungemein unterhaltend den Berichten aus vergangenen Tagen zu folgen und sich gefangen nehmen zu lassen von den Leben, Taten und Ansichten von Menschen die ein einer Umwelt lebten die uns zugleich völlig fremd ist und doch in vielen Aspekten so bekannt vorkommt. Die Auswahl an Quellen in dem Buch legt besonderen Wert darauf die Alltags und Geistesgeschichte der Zeit zu beleuchten, den eher unbekannten "normalen" Menschen den Vorrang vor den Taten der Könige und Kaiser zu geben.So erfahren wir dann genauso etwas über "Eine mutige Hofdame" oder wir lesen den Brief eines Dominikaners an seine Eltern wie etwas "Aus dem Notizbuch König Friedrichs III". Bookmann (der in der Fachwelt einen sehr guten Ruf als Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Göttingen genießt) gelingt es mit seinen Anekdoten und Beispielen einen Großteil der Entwicklung des Mittelalters in Mitteleuropa nachzuzeichnen und begreifbar zu machen, was die Menschen damals antrieb, wie sie dachten, und wie sie handelten. Besonders seine Betonung des Alltagslebens liefert ein Hintergrundwissen, das häufig genug fehlt, da es hinter die Berichte von großen Taten großer Männer zurücktreten muß. Mehr als mit jedem reinen Fachbuch ist mir mit "Das Mittelalter" gelungen zu erahnen, was das Wesen des Mittelalters war und in welchem Zusammenhang man die Ereignisgeschichte sehen muß, mit der man zumeist konfrontiert wird. Auch aus wissenschaftlicher Sicht läßt das Buch mit seinem umfangreichen Anhang kaum Wünsche offen, was aber niemanden davon abhalten sollte es tatsächlich aus purem Vergnügen an der Sache zu lesen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)