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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
47 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geniale fiktive Prophezeiung über das Fernsehen,
Von Marubeni (Vechta) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Millionenspiel (3 DVDs) (DVD)
Der freiwillige Kandidat der Spielshow "Das Millionenspiel" erhält eine Prämie von 1.000.000,-- DM, wenn er nach 7 Tagen Flucht durch Deutschland das Ziel im Fernsehstudio lebend erreicht. Auf den Fersen ist ihm die Köhlerbande, bestehend aus drei Killern, die jeweils 120.000,-- DM erhalten, wenn sie den Kandidaten vorher töten. Eigens für diese Sendung eines Privatsenders wurden die Gesetze geändert: Wenn der Kandidat nicht vorzeitig aufgibt, darf er getötet werden. Unterbrochen wird die moderierte Show eines Privatsenders regelmäßig durch Werbespots eines Pharmakonzerns.Mit "Das Millionenspiel" hatte Wolfgang Menge einen fast prophetisch anmutenden Blick in die Zukunft des Fernsehens getan. Lange bevor Arnold Schwarzenegger als "Running Man" seine Verfolger unter lockeren Sprüchen niedermetzelte, war Jörg Pleva bereits als wesentlich ängstlicherer Kandidat der TV-Show "Das Millionenspiel" durch bundesdeutsche Lande unterwegs. Nun bestand die Bewaffnung der fährtenschnüffelnden Killer in den spießigen 70er Jahren natürlich noch nicht wie später bei Arnie aus blutspritzenden Kettensägen oder fauchenden Flammenwerfern, sondern aus heutzutage fast schon brav anmutenden Maschinenpistolen und Gewehren. Der Kandidat durfte nur flüchten, mehr nicht. Waffen hatte er keine. Dass ein solcher Todeskandidat in der Realität wohl mehr Angst als Schwarzenegger'sche Gelassenheit zeigen dürfte, konnte Jörg Pleva als 15. Kandidat Bernard Lotz überzeugend vermitteln. Die Killer der Köhlerbande wurden von damals noch unbekannten Schauspielern dargestellt: Josef Fröhlich, Theo Fink - und Dieter 'Didi' Hallervorden als Chef der Bande (damals noch nicht als Komiker bekannt). Die Show selbst wurde moderiert vom Showmaster Uhlenhorst (gespielt von Dieter 'Thomas' Heck - damals als Moderator der Hitparade bekannt). Obwohl der Moderator vor der Kamera Anrufer für die Unterstützung des Kandidaten lobt, zeigen er und der Senderchef Moulian (Friedrich Schütter) im Regieraum, wie skrupellos und heuchlerisch gearbeitet wird, nur um die Quote zu erfüllen. Jeder benimmt sich so, als handele es sich um einen normalen Wettlauf anstatt um einen inszenierten Mord, sogar die Mutter des Kandidaten. Der Todeskandidat wird immer verzweifelter, bis ihm letztlich fast alles egal ist. Nicht wenige Zuschauer hatten offensichtlich vergessen oder übersehen, dass es sich hier um ein fiktives Fernsehspiel handelte und nicht um eine reale TV-Show, denn trotz der regelmäßig auftauchenden Hinweise auf den ausstrahlenden Privatsender und den Werbespots des Pharmakonzerns, die in dieser Form damals in der BRD bekanntermaßen nicht zulässig waren, meldeten sich beim WDR viele Anrufer als Bewerber für die nächsten Shows. Für die - für damalige Verhältnisse - ungeheure Summe von 1 Mio. Deutsche Mark wollten viele Zuschauer fast bedenkenlos ihr Leben aufs Spiel setzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Einsatz von fiktiven Reportagen und Castingwettbewerben innerhalb des Films dürfte dies unterstützt haben. Menge sah damals schon die blinde Sicht auf die Einschaltquoten voraus, für die rücksichtslos alles getan wird. Werteverfall durch Sensationslust wird hier nicht nur bedenkenlos akzeptiert, es ist geradezu die Grundlage der Arbeit geworden. Menschenleben werden hier als Quotenbringer eingesetzt, nicht als schützenswertes Gut. Die Macher und Darsteller dieses Fernsehspiels hatten ihr Ziel mehr als erreicht, anderenfalls hätte niemand beim WDR angerufen und sich als Kandidat beworben. Die Vielzahl der Anrufer zeigte jedoch, dass trotz aller Empörung die Show dennoch akzeptiert wurde. Grundlage für Menges Drehbuch war übrigens die 1958 erschienene Kurzgeschichte "Der Tod spielt mit" ("The Prize of Peril") von Robert Sheckley. Stephen King verfasste 1982, also erst 24 Jahre später, eine sehr ähnliche Geschichte namens "Menschenjagd" unter seinem Pseudonym 'Richard Bachman', die dann als "Running Man" mit Arnold Schwarzenegger in die Kinos kam. Er bestätigte jedoch, von Sheckleys Kurzgeschichte dazu inspiriert worden zu sein. Die Macher Wolfgang Menge und Tom Toelle wähnten sich damals im Besitz der Filmrechte, diese wurden ihnen aber offensichtlich durch ein Missverständnis nicht mit den übrigen Rechten mitverkauft. Nach einer Klage durch den damaligen Rechteinhaber verschwand der Film nach den Erstsendungen für 30 Jahre im Giftschrank des WDR. Inzwischen einigte man sich mit dem nunmehr französischem Rechteinhaber, so dass neben weiteren Ausstrahlungen endlich auch die Veröffentlichung auf DVD möglich ist. Immerhin handelt es sich auch hier um ein wertvolles Stück Fernsehgeschichte. Dass trotz 3 DVDs praktisch kein Bonusmaterial vorhanden ist, dürfte daran liegen, dass man damals Dreharbeiten etc. nicht dokumentierte. Schade, dass nicht wenigstens ein paar Interviews von Pleva, Heck oder Hallervorden hinzugefügt wurden. Zumindest ist ein Audiokommentar mit Jörg Pleva enthalten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Spannende Hatz durch Deutschland,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Millionenspiel (3 DVDs) (DVD)
Das Millionenspiel ist quasi eine realistischere Version von Arnold Schwarzeneggers Running Man. Statt einer Arena mit Kettensägenschwingenden Super-Killern wird ein Durchschnitts-Typ hier von drei Killern durch ganz Deutschland gejagt mit dem Ziel 1 Million Mark zu gewinnen. Der Einsatz: Sein Leben. Immer live dabei: Die Kamera. Das Ganze ist als Mix aus Fernsehshow, Dokumentation und Thriller aufgemacht und kommt daher besonders authentisch rüber. Natürlich fehlt dem Film die optische Brillianz und Stilelemnte neuerer Produktionen, was ihn "altbacken" wirken lässt. Aber gerade das sorgt auch für die packend-realistische Atmosphäre, zumal man bedenken muss, dass es sich hierbei um eine über dreißig Jahre alte Fernsehproduktion handelt. Dieter Hallervorden als Anführer der Killer wirkt natürlich etwas unfreiwillig komisch und auch hier und da weist der Film kleinere Längen auf - insgesamt aber dennoch sehr sehenswert.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das war gute, deutsche Fernsehunterhaltung!,
Von Sirenqueen Kia "AG" (Lübbecke) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Millionenspiel (3 DVDs) (DVD)
Ich bin kein sehr großer Fan von Deutschlands Film- und TV-Landschaft, denn es wird einfach zu viel langweiliges, uninspiriertes und hohles Material gedreht. Manchmal tauchen jedoch auch Perlen auf, so wie z.B. "Das Leben der Anderen" oder "Der Untergang". Früher, vor über 20 Jahren, sah das noch ganz anders aus, dort wurden Filme und TV-Kult hergestellt, die Kult und Klassiker wurden, z.B. "Das Boot", "Der Seewolf", "Nonstop Nonsens" oder "Das Millionenspiel".Kommen wir aber zum eigentlichen Punkt, nämlich einem TV-Meisterwerk, gedreht vom WDR unter der Regie von Tim Toelle, adaptiert von Wolfgang Melle nach einer Kurzgeschichte von Robert Sheckley (hoffe ich hab seinen Namen richtig geschrieben ;). "Das Millionenspiel" hat eine sehr schnell erklärte Handlung, ein Kandidat hat die Chance, 1 Million Mark zu gewinnen, muss dafür aber 7 Tage lange versuchen vor einen 3-köpfigen Killerbande zu fliehen, die je 120.000 Mark bekommen, wenn sie den Kandidaten vor Ablauf der Frist töten. Dies alles wird live und durch Rückblenden im Fernsehen übertragen und Millionen Menschen schauen zu, mit gespaltener Meinung versteht sich. Was diesen Film so brilliant macht, sind all die Seitenhiebe und Prophezeiungen, die heutzutage noch zutreffen, für das Jahr 1970 (wo der Film gedreht wurde) jedoch mehr oder weniger undenkbar waren. Alles ist so realistisch wie möglich umgesetzt worden, dass viele Leute damals dachten, dieser Film wäre eine tatsächlich laufende Show, obwohl es mehr als genug Anspielungen im Film gibt, die genau dies widerlegen (z.B. In der Ansage am Anfang des Films spricht die Moderatorin von einem Gesetzentwurf aus dem Jahr 1973). Auch wollten viele Leute sich als Kandidaten und sogar Jäger bewerben und schrieben an die fiktive Adresse des "Stabilelite"-Konzerns oder an "TETV", beide gibt es natürlich nicht. Die eingefügten (eigentlich nach verbotenen Richtliniene gedrehten und gesetzeswidrigen) Werbespots schienen alles noch realistischer zu machen. Die wahre Stärke dieses Filmes liegt jedoch bei den Schauspielern, die alles extrem realistisch wirken lassen und da eigentlich alle von Ihnen unbekannt waren, stieg erneut der Realismusfaktor. Jörg Pleva, der den Kandidaten Bernhard Lotz spielt, ist großartig und sein Gegenspieler, der Kopf der Köhlerbande, wird von dem damals noch unbekannten Dieter "DIDI" Hallervorden realistisch und todernst verkörpert. Der wahre Star (meiner Meinung nach) ist aber Dieter Thomas Heck, der den Moderator Ulenhorst spielt und so überzeugend rüberkommt (obwohl er fast sämtlichen Text improvisiert hat!!!), dass man ihm alles glaubt und obwohl er relativ bekannt war kauften ihm viele Leute ab, nicht Dieter Thomas Heck zu sein (sonst hätte es sicher nicht so viele Bewerbungen gegeben). Das ganze Konzept ist einfach visionär und grandios gewesen. Ein neues, radikales und vorher nie gewesenes Showkonzept, der Aufbau einer Fernsehshow, unbekannte und realistisch wirkende Schauspieler, Werbeeinblendungen, Meinungsumfragen und sogar Blicke hinter die Kulissen mussten viele Leute einfach täuschen und genau das wollte man ja auch schaffen (Obwohl nicht mit solch heftigen Reaktionen gerechnet worden ist). Nach seiner Uraustrahlung im Jahre 1970 verschwand der Film und wurde nie wieder gezeigt. Der Grund war nicht seine Wirkung oder etwas ähnliches, nein, die Rechte für die Geschichte waren nicht ordnungsgemäß vom WDR gekauft worden und lagen bei einem Verleger in England, der sie nicht rausrücken wollte und erst nach über 30 Jahren, nach dem Auslaufen eben dieser Rechte, durfte der Film wieder gezeigt werden. In diesen paar Jahren wurde der Film jedoch lediglich 3 mal im Fernsehen gezeigt und ging unter. Nun aber kann man dieses Meisterwerk des deutschen Films jedoch auf DVD bewundern und mit einem Top-remastertend Bild und gutem Ton macht er einfach nur Spaß. Seine Wirkung hat er natürlich nicht mehr (ist ja auch selbstverständlich) doch regt er sehr zum Nachdenken an und bietet Grundlage für interessanten Gesprächstoff, eventuell sogar für Studtenten, die irgendwie mit der Branche zu tun haben. Als kleinen Bonus gibt es noch den Film "Smog" (ebenfalls ein umstrittenes Meisterwerk), einen Audiokommentar, Interviews und einen Schönen Schuber für die 2 Digipaks dazu. Dieser Film ist ein "M U S T H A V E" und gehört in jede gute Filmsammlung (egal ob normal oder anspruchsvoll). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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