Harry Palmer ist jetzt Privatdetektiv - dass er nicht ewig (schon gar nicht freiwillig) bei Col. Ross arbeiten wuerde, konnte man ja schon den ersten beiden Filmen entnehmen. Dieser dritte Film ist aufwendiger angelegt als die ersten, offensichtlich wollte Produzent Harry Saltzmann dem Bond-Standard noch etwas näher kommen. Der Film ist schnell erzählt: Verblendeter Ölmilliardär hasst die Kommunisten und will in Russland einmarschieren - den Aufmarschplan soll ein Computer errechnen und ein Netzwerk internationaler Agenten soll Fakten sammeln. Palmer wurde von einem alten Freund aus vergangenen, zwielichtigen Zeiten, als potentieller Agent empfohlen und ist plötzlich mittendrin in der Geschichte. Schön sind die Locations, vor allem das winterliche Finnland, und die Massenaufmärsche der Privatarmee. Thematisch wird hier (dem Realismus des berliner Palmer-Films vollkommen konträr) wieder überzeichnet. Harry bekommt es mit einem Supergauner zu tun, der zwar noch immer realitätsnäher ist als jene Masterminds, die 007 zu eliminieren hat, aber für einen Harry-Palmer-Film ist der Wahnsinn doch sehr hoch angesetzt. Unsereiner als Zuschauer darf sich über ein Wiedersehen mit Col. Ross freuen, der eingangs Harry besucht und feststellt, dass er noch mehr Pleite ist als früher im Staatsdienst ihrer Majestät (Harry hat das Auto noch immer nicht ;-) Im Laufe des Films gibts auch ein Widersehen mit Lt. Stok von der Roten Armee, den wir ja noch aus Berlin kennen... Erstaunlich ist, aus filmischer Sicht betrachtet, wie sehr diesmal alles offener und teurer gedrehrt wurde. Auch die Filmmusik klingt stärker, zwischen dem ersten Palmerfilm und diesem dritten liegen Welten. Nach "Funeral in Berlin" hätte man sich in Richtung depressiver Dramen i.S.v. "Der Spion, der aus der Kälte kam" entwickeln können. Oder fetter, meint aufwändiger werden können. Saltzman schlug den zweiten Weg ein. Diesmal sind die Bilder viel weiter offen, allein schon der Score klingt praller. Der Film überzeichnet enorm, macht dennoch Spaß. Wir lernen einen neuen Harry kennen, einen der nicht mehr beim MI ist. Interessant ist, das in jener Zeit, in der das Sixties-Agententhema seinem Ende entgegen ging (67/68), dass Caine die Rolle etwas jovialer anlegt (was übrigens Moore mit "seinem" Bond ein paar Jahre später auch tat). Guten Gewissens kann man sagen, auch wenn dieser Film die HP-Freunde immer polarisieren wird: Es ist ein eindrucksvoller Film, es ist gut, in erhalten auf DVD zu wissen. Im Produktionsjahr '67 ging man übrigens (das schließt Caine mit ein) nicht davon aus, dass dies der letzte Palmer-Film sein sollte; geplant war ein vierter Film nach dem Roman "Horse under water". So sagte es Michael Caine in einem Interview 1967. Aus dem Film wurde nichts; aber Harry Palmer wäre auch keine Figur der 70er Jahre gewesen...Es ist klar, als Freunde des Sixties-Films sind wir dankbar für das DVD-Release. Leider kann auch dieses, ich komme in Verdacht der Bestechlichkeit, das hohe Niveau derersten Palmer-DVD von Koch-Media nicht erreichen: Kein Booklet und kein schönes zum Film passendes Cover. Aber der Film selbst ist ok und darum gehts...