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Der Versuchsablauf ist schnell erklärt. Per Anzeige wurden Freiwillige für ein vorgebliches Lern-Experiment gesucht. Diese sollten den ´Lehrer´ spielen und den ´Schüler´ (je nach Anordnung im gleichen oder Nebenzimmer) bei falschen Anworten mit einem Stromstoß bestrafen. Der Schüler war ein Schauspieler, der entsprechend der Stromstärke schrie, zum Aufhören drängte, gegen die Wand schlug und sich bei höheren Stromstärken irgendwann ´tot´ stellte. Daneben gab es noch einen ´Versuchsleiter´, der lediglich standardisierte Anweisungen gegenüber dem ´Lehrer´ gab.
Den Versuchspersonen (´Lehrer´) war es zu jeder Zeit freigestellt, die Anweisungen nicht zu befolgen, das Experiment abzubrechen und dennoch das vereinbarte Geld zu bekommen.
Dennoch waren im ersten Versuch 62 % der Teilnehmer bereit, die höchste Bestrafung von 450 V zu geben und nahmen so trotz Gewissensbissen quasi den Tod des Probanden in Kauf.
Die gesamte Versuchsanordnung und besonders das Ergebnis erzeugte enormes Interesse nicht nur in Wissenschaftskreisen, sondern auch bei Regierungen und Militärs. Interessante Ergebnisse waren weiterhin, dass die Ergebnisse auch in anderen Kulturkreisen nahezu gleich ausfielen und auch zwischen Männern und Frauen keine signifikanten Unterschiede bestanden. Zurückzuführen ist dieser blinde Gehorsam u.a. auf die Sozialisation in Familie und Schule, wo eine Unterordnung unter bestehende Autoritäten belohnt wird.
Das Buch sollten eigentlich alle lesen, die sich für Zeitgeschichte (nicht nur 2. Weltkrieg) oder Psychologie interessieren. Genauso empfehlenswert wäre es auch für alle, die in irgendeiner Weise prägend im ganzen Sozialisationsgeschehen mitwirken – also Lehrer, Erzieher, Eltern ;-) Danach sieht man Befehl-Gehorsam mit anderen Augen und weiß zumindest um die entscheidende Wirkung, die ein einzelner Widerspruch im Rahmen einer Gruppenentscheidung bewirken kann.
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Milgrams Beschreibung der Autorität ist allgemeingültig. In meinem Fall ist es die des mittleren Managements. Auch ich mußte manchmal sinnlose Entscheidungen durchsetzen, die die oben am Schreibtisch "politisch" entschieden hatten. Nicht selten mit Nachteilen für die Untergebenen, vielfach hätte es andere Lösungen gegeben, jetzt ist mir das bewußt. Ebenso kann man selbst in die Mühle der Autorität kommen, denn folgsames Verhalten wird belohnt, nicht das eigenständige. Auch dies ist mir schon ein paarmal aufgestoßen. Schon mal gewundert, warum ein Bekannter/Freund auf Weisung des Chefs plötzlich "umkippt" und eine ganz andere Haltung einnimmt? Jetzt weiß ich warum. Wer das Buch gelesen hat, sollte beurteilen können, ob seine Tat ausschließlich aus unreflektiertem Gehorsam (gegen besseres eigenes Wissen) geschieht, ob man mit dem Befehl übereinstimmt oder ob man besser den Gehorsam verweigert. Es hat mir aber auch erklärt, warum die Menschen zur Verwirklichung bestimmter Ziele Autorität brauchen (einem allzu liberalen Firmenleiter sei dies eine Lehre). Das Buch redet also nicht explizit gegen Autorität - sie ist notwendig, Anarchie und Chaos sind nicht produktiv. Empfehlung daher: Lesen, der Nutzwert für den Alltag ist beträchtlich.
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