Dieses Buch ist ein Fundamentpunkt. In dem derzeit auf dem Markt befindlichen religiös verbrämtem Geschwätz und Geschwafel der verschiedenen Verschwörungstheoretiker und ihrer Trittbrettfahrer bietet es nach "Bibelcode" und ähnlichen Sakrilegen endlich wieder einmal Substanz.
Was Ihnen geboten wird ist wohl das für das Verständnis der Entstehung unserer abendländischen Kultur des Christentums einflussreichste Dokument und gleichzeitig die Darstellung der Form, wie politisch-ideologische Kriegführung im Interesse des "pax romanum", einem Zeitalter der noch unterentwickelten Medien, praktiziert wurde.
Diese Analyse der Grundlagen, Erfordernisse und Zwänge, die zur Erstellung des Neuen Testamentes der Bibel geführt haben und damit zu dem Fundament, auf dem die christliche Kirche sich entwickelte steht gleichrangig neben solchen Büchern wie "Die Bibel kam aus dem Land Asir" von Kamal Salibi oder Velikowskys Rekonstruktionen der Zeitachse ägyptischer Geschichte zwecks ihrer Synchronisation mit den historischen Überlieferungen des Vorderen Orients. (Bücher, welche die "Wissenschaft" auch ablehnt, weil erhellend, aber unbequem, weil Irrtümer aufdeckend und deshalb nicht widerlegbar.)
Es ist mir im Verlauf der Lektüre durchaus klar geworden, weshalb man dieses Buch gern verbieten möchte, zumindest totzuschweigen versucht. Es deckt und zeigt sehr konkrete sehr unwillkommene historische Positionen und Wahrheiten auf, die man gern im Ungewissen des Transzendenten lassen möchte. (Man will Gott nicht wissen, weil dann nämlich der Glaube zum Teufel wäre.)
Hier geht es um die Auseinandersetzung des Imperium Romanum mit einem unbotmäßigem Volk, dem der Juden. Die dort entstandene Glaubensbewegung an die Unsterblichkeit der Seele entzog unbeabsichtigt dem absoluten Machtanspruch des römischen Staates mit seinem "Gottkaiser" die Grundlagen. Es gab plötzlich aus dieser Welt den Fluchtweg zu Gott, der die Staatsraison untergrub. Da galt es, nachdem die gewaltsame Unterwerfung keinen Frieden gebracht hatte auf geistigem Gebiet gegenzusteuern, was für heutige Christen ungewohnt, wenn nicht gotteslästerlich daherkommt.
Wer nun glaubt, dass dieses Buch (Der Autor behauptet, kein Christ mehr zu sein) beschädige den christlichen Glauben, der vergisst, welche Lehren dieser Glauben uns über die letzten zwei Jahrtausende zu vermitteln versuchte. Diese Lehre ist es, die das Fundament des christlichen Glaubens und der Kirche ausmacht und die ist in der Zeit vor der Erstellung der Evangelien entstanden. Die ist ursprünglich. Die Kirchenväter haben sie uns in Unkenntnis der römischen Machenschaften als Religion der Liebe vervollständigt.
Dass sie benutzt wurde, ist bekannt. Die Flavier waren nicht die letzten, die den Glauben für ihre Zwecke missbrauchten. Da gab es später andere, die das noch vordergründiger und mit noch verheerenderen Folgen taten.
Sicher ist in jedem Fall, dass die seriöse Religionsforschung dieses Buch ignorieren wird, bis sie eine "ungefährlichen" Weg zu seiner Vereinnahmung gefunden hat. Solche Eskapaden wie das Messiasrätsel" Atwills verzeiht die "Wissenschaft" nicht. Da könnte der Autor sogar einen Lehrstuhl für Theologie oder antike Geschichtsschreibung inne haben.
(Letzte aktuelle Beispiele: Die Enttarnung der wirklichen "Frau von Stein", an die Goethe seine Liebesbriefe schickte, durch Ettore Ghibellino, einen Juristen. / Oder: Die nach Jahren endlich in der Medizin erfolgte Einführung der "Sauerstoff-Therapie nach Manfred von Ardenne", der bekanntlich kein Arzt, sondern Naturwissenschaftler war.)
Wir haben die präzise Beschreibung einer einmalig perfiden Methode vorliegen, wie man bereits in der Antike weltpolitisch angelegte Ziele mittels der "Erschaffung einer staatskonformen Religion" aus der Abfälschung ideologischer Waffen der Feinde verwirklicht.
Was mich als einziges gestört hat: Der Autor versuchte sich intensiv mit der Materie zu beschäftigen, um seine Hypothesen abzusichern. Das erfordert akribische Detailarbeit, die den Leser in ihrer Darstellung stellenweise überfordert, wenn er dem "roten Faden" des Hauptanliegens, der Aufdeckung einer gezielten gigantischen Abfälschung einer damals den römischen Staat bedrohenden Glaubensform, folgen will. Details liest man am besten als "Anhang", auf den dann im Text immer wieder verwiesen werden kann, ohne sich ständig wiederholen zu müssen.
Im letzen Drittel des Textes findet der Autor allerdings zu dem erforderlichen souveränen Umgang mit der Problematik.
Wenn Sie sich stark genug fühlen, sich ernsthaft mit dieser Materie und den Gedanken des Autors einzulassen, dann lesen Sie es. Dieses Wasser ist jedenfalls eiskalt. Das ist aber bekanntlich seit "Kneipp" auch sehr heilsam ...
Das letzte Wort zu diesen Dingen ist jedenfalls noch nicht gesprochen.
Wer noch tiefer und noch gründlicher in die Jesus-Problematik einsteigen will und auch keine Angst davor hat, auch noch die letzten Tabus gebrochen zu sehen, die auch Atwill noch nicht anzutasten wagte, sollte sich an Georg Naundorfers "Der Mann, der Judas Iskariot war" wagen. Dort wird dann Tacheles geredet.