Das vorliegende Buch, das, wie ich meine, erfreulich aus der Masse der Astrologiebücher herausragt, überrascht den Leser in mehrfacher Hinsicht.
Der erste Teil schildert - ganz ohne Astrologie - das Spiel des Menschseins aus einer Perspektive, welche die normalen Grenzen unseres Bewusstseins deutlich werden lässt. Der Autor bereitet hier einen Zugang zur spirituellen Dimension der Astrologie vor, ohne einen „neuen" esoterischen Einweihungspfad zu propagieren, der mit besonderen Übungen verbunden wäre. „Ich fühle, also bin ich" steht gegen die „Bewusstseinsnot" unserer auf UR-teil, Leistung und Verstand orientierten Gesellschaft. Vertrauen in den Fluss des Lebens (Hermann Hesse: Siddhartha) und Einverstandensein mit allem, was einem begegnet (Neptun), überwindet die Zweiteilung in Gut und Böse. Da wir Menschen in unserem Bewusstsein dem Beurteilen verhaftet sind, geht ein Riss durch die Schöpfung, der uns die Schönheit der ursprünglichen Ganzheit und damit das Paradies raubt.
In unserem Leben begegnen uns die von uns verurteilten und abgespaltenen Teile unseres Selbst im Außen. Sie stehen hinter unseren Erfahrungen mit der Außenwelt. Hieraus kreiert sich das Spiel mit den Projektionen in all seinen Formen, das „Menschenspiel". Und wie die Prinzessin im Märchen vom Froschkönig sind wir aufgefordert, das (in uns) Verzauberte zu seiner eigentlichen Gestalt wieder zu erlösen. Heilung geschieht, indem wir uns auf das „Bösesein" einlassen, sprich auf das, was wir wirklich sind, unseren anerzogenen Normen aber zuwiderläuft. Bei dem Thema der Projektion entfaltet der Autor sein tiefgreifendes astrologisch-psychologisches Wissen.
Das Herzstück des Buches beschreibt die Tierkreiszeichen aus einer neuen, der Wirklichkeit, dem „Weg des Wirkens" gerecht werdenden Sicht. Die übliche Reihenfolge, den Tierkreis bei der Tat, beim Widder beginnen zu lassen, wird umgekehrt. Der Autor beginnt mit dem letzten Zeichen des spirituellen Quadranten: den Fischen. Über dieses Zeichen empfängt der Mensch das göttliche Licht (Abbildung auf dem Buchcover). Hier sieht der Autor den geistigen Ausgangspunkt für das menschliche Handeln. Die Idee, der Handlungsimpuls geht von der Quelle der Intuition, dem Wasserzeichen Fische aus und erzeugt die Inspiration des „Wassermanns". Der ungewöhnliche Name für ein Luftzeichen offenbart in dieser Reihenfolge der Betrachtung endlich seinen einleuchtenden Sinn: das Männliche, das als individuelle Idee dem unendlichen Meer (Fische) entsteigt. Über das Seelische wird der Impuls weitergegeben bis hinunter zum Körper. Er verwirklicht sich in der Tat durch Widder-Mars. Die astrologische Symbolsprache wird auf anschauliche Weise mit Märchen, Mythologien, alchemistischen Vorstellungen und religiöser Symbolik verbunden, so dass beim Lesen eine Fülle von Bildern die eigene Phantasie anregt und bereichert. Besonders überraschend war für mich dabei, wie sich hier auch die christliche Überlieferung mühelos einfügt und so manche längst vergessene Bibelstelle in neuem Glanz erstrahlt.
Der Autor erklärt im astrologischen Teil seines Buches systematisch und ausführlich die Grundelemente der Astrologie (Polarität, Quadranteneinteilung, Elemente usw.) als Basis der Beschreibung der Tierkreiszeichen, Planetenbedeutungen, Häuser und Aspekte. Am Horoskop des indischen Mystikers Jiddu Krishnamurti demonstriert er seine Vorgehensweise bei der Interpretation.
Trotz des systematischen Aufbaus eines Lehrbuches bleibt die Ausdrucksweise des Autors lebendig und anschaulich, er schreibt liebevoll mit innerer Beteiligung. So war es mir eine ausgesprochene Freude, das Buch zu lesen. Es gibt viele Anstöße, die vorgestellten Bilder mit in die astrologische Praxis und das eigene Leben hineinzunehmen.