Aus der Amazon.de-Redaktion
Antelmes detaillierte Beschreibung dieses fast einjährigen Martyriums, gehört zu den zentralen literarischen Zeugnisse über die Konzentrationslager. Mit beeindruckender Nüchternheit dokumentierte er darin, was die Deutschen ihm und Millionen anderen angetan hatten: Die systematische Enteignung der Persönlichkeit, um aus Menschen gesichtslose Zombies zu machen, deren Vernichtung keine Probleme hervorruft, ja, die an ihrer eigenen Vernichtung mitarbeiten.
Gandersheim war kein Vernichtungslager. Es gab weder Gaskammer noch Krematorium. "Das Schreckliche hat hier nichts Gigantisches", erinnert sich Antelme. "Das Schreckliche bestand hier in der Ungewissheit, in dem völligen Mangel an Anhaltspunkten, in der Einsamkeit, der ständigen Unterdrückung, der langsamen Vernichtung." Die Häftlinge wurden "weder erschossen noch aufgeknüpft", sie wurden in der Rüstungsproduktion gnadenlos ausgebeutet. "Die SS will, dass wir durch die Arbeit sterben", erkennt Antelme. Doch er und seine Kameraden kämpften verbissen gegen den Tod und darum, am Leben zu bleiben.
Allein der Wille zu überleben und "bis zum Ende Menschen zu bleiben", wie Antelme es ausdrückt, war ein Akt des Widerstands gegen ein System, das sich die totale Entmenschung der Häftlinge zum Ziel gesetzt hatte. Es war ein Kampf, den "die Besten von uns nur auf individueller Weise" führen konnten, denn im Lager starb auch noch der letzte Rest menschlicher Solidarität. --Stephan Fingerle
Kurzbeschreibung
»Der Text verweigert jene Betroffenheit, die beim Leser die Illusion des Mitleidens und damit ein gutes Gewissen zu erzeugen vermag, letztlich aber bloß eine Form der Abwehr ist.«
Jochen Hieber, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Eine Pflichtlektüre.«
Rainer Stephan, Süddeutsche Zeitung
Klappentext
Der damalige Gefährte von Marguerite Duras war 27 Jahre alt, als ihn die Gestapo im Juni 1944 als Mitglied der Résistance verhaftete und nach Buchenwald deportierte. Antelme überlebte, weil ihn der damalige Staatssekretär für Deportierte, Francois Mitterrand, bei Kriegsende 1945 in der Masse der Sterbenden in Dachau entdeckte und ihn illegal aus der Quarantäne schleusen konnte.
Über den Autor
Robert Antelme hat später lange Jahre für den Verlag Gallimard gearbeitet und gehörte zum engen Kreis um Raymond Queneau, der bis zu seinem Tod die Encyclopédie der Pleiade leitete, an deren Existenz jener maßgebend beteiligt war. Der Autor starb im Jahre 1990.