Kurzbeschreibung
'Marcel Beyer hat ein erstaunliches Buch geschrieben. Auf knappem Raum führt es vor, wie frei und ungehemmt literarisches Sprechen wuchern und taumeln kann, ohne in Richtungslosigkeit zu verfallen. Auf wunderbar luzide Weise ist die rudimentäre Fabel mit den erzählerischen Mitteln identisch - das ist schon ein Meisterstück.' (Friedhelm Rathjen, Süddeutsche Zeitung)
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Es ist die Sprache, die die Geschichte schreibt. Mittels der Worte werden die Uneindeutigkeiten und Hemmnisse zwischenmenschlicher Natur markiert: mal hastig, mal gebremst, mal verstümmelt. Der Text ist in sich verwoben, greift in sich ein und führt oft an kein Ende. Das Menschenfleisch erscheint wie ein einziger Traum, der hinter die Gewissheiten taucht, unruhig und leise. Was parallel erzählt wird, kumuliert sich nach wenigen Sätzen. In die Geschichte dringen massiv Fremdzitate aus Literatur, Musik, Film und Theorie ein und lassen sich nicht vom Eigenen des Erzählers trennen, der selbst nichts mehr weiß: Welche Geschichte soll hier denn abgewickelt werden?
Das Menschenfleisch ist Literatur sensiblen Ergründens. Zwischen und in den verschiedenen Kapiteln entsteht ein Labyrinth, in dem zwischen den Ungläubigkeiten ganz erstaunliche Aussagen fallen. Die Kraft der Imagination entwickelt einen Sog, von dem man auch durch Verständnislücken gerissen wird. Beyer klappt die Sprache wie einen fremden Körper auf und ebenso die Körper selbst. Das Begehren des Erzählers ist es, sich den Gegenstand seiner Liebe mittels seines Sprechens einzuverleiben. Jegliche Ausstrahlung der geliebten K. wird in eine Aufzeichnungsfläche verwandelt: von ihr berührte Gegenstände etwa, Stimme, Körper oder Körperschatten. Begriffe wie Rachenarbeit und Hautverständigung tauchen auf und existieren weiter, bis sie als rätselhafte Zeichen mit dem Text verwachsen sind. Lakonisch erzählt, gewinnt der Roman in seinen Auslassungen und Kontraktionen die verkürzende Dichte gelungener Lyrik. Er spiegelt brillant jenes unregelmäßige Muster der Innenwelt, jenes Gedankenflimmern, das schon bei der Ankunft wieder im Sprung ist. --Ron Winkler
Über den Autor
Marcel Beyer, geboren am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg, wuchs in Kiel und Neuss auf. Er studierte von 1987 bis 1991 Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Siegen; 1992 Magister artium mit einer Arbeit über Friederike Mayröcker. Ab 1989 gab er an der Universität Siegen gemeinsam mit Karl Riha die Reihe »Vergessene Autoren der Moderne« heraus. Von 1990 bis 1993 arbeitete er als Lektor an der Literaturzeitschrift »Konzepte« mit; von 1992 bis 1998 veröffentlichte er in der Musikzeitschrift »Spex«. 1996 und 1998 war er Writer in residence am University College London und an der University of Warwick in Coventry. Bis 1996 lebte Marcel Beyer in Köln, seitdem ist er in Dresden ansässig.