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Das Menschenfleisch
 
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Das Menschenfleisch [Taschenbuch]

Marcel Beyer
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

In seinem 'außergewöhnlichen Romanerstling''Das Menschenfleisch' entfaltet Marcel Beyer eine einfache Geschichte: Ein männliches Ich lernt eine weibliche 'Du', 'sie', 'K.'kennen, ein Liebesverhältnis entsteht, ein Dritter kommt hinzu, aus Liebe wird Eifersucht. Diese Geschichte wurde schon oft erzählt, aber nicht so wie in 'Das Menschenfleisch'. Worüber man nicht schweigen kann, sondern sinnlich sprechen muß, ist der Wunsch nach totaler Annäherung an den anderen. Marcel Beyer unternimmt den verwegenen Versuch, sich einen Körper einzuverleiben: nicht mit einem scharfen Messer, sondern mit spitzer Feder.
'Marcel Beyer hat ein erstaunliches Buch geschrieben. Auf knappem Raum führt es vor, wie frei und ungehemmt literarisches Sprechen wuchern und taumeln kann, ohne in Richtungslosigkeit zu verfallen. Auf wunderbar luzide Weise ist die rudimentäre Fabel mit den erzählerischen Mitteln identisch - das ist schon ein Meisterstück.' (Friedhelm Rathjen, Süddeutsche Zeitung)

carpe.com

Der erste Punkt kommt nach wenigen Worten. Auch die nächsten lassen sich nicht viel Zeit. Aber die Ruhe ist trügerisch wie der Kern jener Venusfliegenfalle, aus deren Beschreibung Marcel Beyer seinen Roman Das Menschenfleisch entwickelt. Die Ruhepunkte im Text werden seltener, die Risse und Verschlingungen nehmen zu und die anfängliche Ausgewogenheit zerfasert zu einem faszinierend abgründigem Bewusstseinsstrom. Das Menschenfleisch erzählt eifersüchtige und nicht befriedigte Liebe als dramatischen Monolog. Die Eingangsszene setzt die verhängnisvolle Mechanik einer fleischfressenden Pflanze als biologisch scharfes Bild für die Fatalität der Liebe. Der namenlose Erzähler liebt eine fast namenlose K., und in dieses Zweieck dringt ein Dritter ein, schemenhaft nur erkennbar wie die rudimentäre Fabel insgesamt.

Es ist die Sprache, die die Geschichte schreibt. Mittels der Worte werden die Uneindeutigkeiten und Hemmnisse zwischenmenschlicher Natur markiert: mal hastig, mal gebremst, mal verstümmelt. Der Text ist in sich verwoben, greift in sich ein und führt oft an kein Ende. Das Menschenfleisch erscheint wie ein einziger Traum, der hinter die Gewissheiten taucht, unruhig und leise. Was parallel erzählt wird, kumuliert sich nach wenigen Sätzen. In die Geschichte dringen massiv Fremdzitate aus Literatur, Musik, Film und Theorie ein und lassen sich nicht vom Eigenen des Erzählers trennen, der selbst nichts mehr weiß: Welche Geschichte soll hier denn abgewickelt werden?

Das Menschenfleisch ist Literatur sensiblen Ergründens. Zwischen und in den verschiedenen Kapiteln entsteht ein Labyrinth, in dem zwischen den Ungläubigkeiten ganz erstaunliche Aussagen fallen. Die Kraft der Imagination entwickelt einen Sog, von dem man auch durch Verständnislücken gerissen wird. Beyer klappt die Sprache wie einen fremden Körper auf und ebenso die Körper selbst. Das Begehren des Erzählers ist es, sich den Gegenstand seiner Liebe mittels seines Sprechens einzuverleiben. Jegliche Ausstrahlung der geliebten K. wird in eine Aufzeichnungsfläche verwandelt: von ihr berührte Gegenstände etwa, Stimme, Körper oder Körperschatten. Begriffe wie Rachenarbeit und Hautverständigung tauchen auf und existieren weiter, bis sie als rätselhafte Zeichen mit dem Text verwachsen sind. Lakonisch erzählt, gewinnt der Roman in seinen Auslassungen und Kontraktionen die verkürzende Dichte gelungener Lyrik. Er spiegelt brillant jenes unregelmäßige Muster der Innenwelt, jenes Gedankenflimmern, das schon bei der Ankunft wieder im Sprung ist. --Ron Winkler

Über den Autor

Marcel Beyer, geboren am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg, wuchs in Kiel und Neuss auf. Er studierte von 1987 bis 1991 Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Siegen; 1992 Magister artium mit einer  Arbeit über Friederike Mayröcker. Ab 1989 gab er an der Universität Siegen gemeinsam mit Karl Riha die Reihe »Vergessene Autoren der Moderne« heraus. Von 1990 bis 1993 arbeitete er als Lektor an der Literaturzeitschrift »Konzepte« mit; von 1992 bis 1998 veröffentlichte er in der Musikzeitschrift  »Spex«. 1996 und 1998 war er Writer in residence am University College London und an der University of Warwick in Coventry. Bis 1996 lebte Marcel Beyer in Köln, seitdem ist er in Dresden ansässig.

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