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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Das Meisterstück
OT Het meesterstuk OA 1994 DE 1995 Form Roman Epoche Moderne
Mit Das Meisterstück, 1995 in den Niederlanden als bester Erstlingsroman ausgezeichnet, gelang der bis dahin nur als Lyrikerin hervorgetretenen Anna Enquist ein fulminantes Debüt als Prosaschriftstellerin.
Struktur: Der Roman besteht aus drei Teilen mit je drei Unterkapiteln und orientiert sich grob am Geschehen der Oper Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Motti der einzelnen Teile stammen aus Arien des Leporello, der Elvira und des Don Giovanni. Die Schlussszene des Romans weist eindeutige Bezüge zum großen Finale der Oper auf.
Inhalt: Der Maler Johan Steenkamer lädt zur Werkschau ins städtische Museum. Eingeladen sind seine Ehefrau Ellen, deren beste Freundin Lisa, Johans Mutter Alma, sein Bruder Oscar, seine Söhne und seine Geliebte. Im Lauf des Geschehens wird das höchst explosive Beziehungsgeflecht aller Beteiligten aufgedeckt.
Johan, Egomane, Frauenheld, überzeugter Macho, leidet unter der Missbilligung seines Bruders Oscar. Der Kunsthistoriker lehnt dessen zur Gegenständlichkeit zurückgekehrtes Werk als opportunistisch ab und bezichtigt ihn, die Kunst wegen des Geldes verraten zu haben. Johans Ehefrau Ellen, die sich nach jahrelangen schmerzlichen Erfahrungen von ihrem Mann getrennt hat, scheint das Alleinleben sehr gut zu bekommen und ist nicht mehr verfügbar. Aber die größte Belastung ist Alma, die Mutter Johans und Oscars. Die alte Frau hat es nie verwunden, dass ihr Mann, auch ein Maler, sie vor Jahrzehnten verlassen hat, um mit einer Sängerin in Amerika zu leben. Aus der Ferne hat sie seinen Weg verfolgt, nahm aber nie mehr Kontakt zu ihm auf.
Im Verlauf der Vorbereitung zur Ausstellungseröffnung verrennt sich Alma immer mehr in die fixe Idee, ihr ehemaliger Mann käme zu diesem Ereignis. Ihre Erregung verrät, dass sie ihn immer noch liebt. Nachdem er sie verlassen hatte, konzentrierte sich Alma ganz auf ihre Söhne, wobei sie den schüchternen, ungelenken Oscar als eine Art Ersatzmann, als Mustersohn abgerichtet hat, dem kaum Luft für ein eigenes Leben bleibt. In Johan, der sie mehr an ihren früheren Mann erinnert, sieht sie das Genie. Sie kompensiert ihre psychischen Verletzungen dadurch, dass sie ihre Söhne gegeneinander aufhetzt.
Im Verlauf der Handlung erfährt der Leser die näheren Einzelheiten, die nach dem Tod einer Tochter zum endgültigen Scheitern der Ehe Johans führten. Seine Frau Ellen hat eine wirklich emotionale und vertrauensvolle Beziehung nur noch zu ihrer Freundin Lisa, einer Psychoanalytikerin, die das Geschehen scheinbar distanziert betrachtet und gelegentlich kommentiert. Lisa ist nach einer höchst problematischen Verbindung mit einem älteren Mann bewusst eine Vernunftehe eingegangen. Diese respektvolle Partenerschaft gibt ihr Halt.
Bei der Ausstellungseröffnung überstürzen sich die Ereignisse und nur mit Mühe kann ein Skandal verhindert werden. Oscar hat aus dem Magazin des Museums ein verschollen geglaubtes Gemälde seines Vaters geholt, das Johans Meisterstück als Plagiat erscheinen lässt. Aus einer Kindheitserinnerung heraus hat er dasselbe Motiv Frau mit Fisch gemalt. Am Ende verlässt Ellen Johan für immer, Oscar kommt ums Leben und in einer Vision erscheint dem Maler sein verschwundener Vater.
Wirkung: Der geschickt gebaute, ebenso spannende wie psychologisch überzeugende Familienroman erhielt sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland sehr gute Kritiken und stand wochenlang auf der niederländischen Bestsellerliste. D. Ma.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.