Inhalt des Romans ist die Geschichte des 16-jährigen Ich-Erzählers, der die Sommer auf Ischia verbringt. Zu erwachsen für seine gleichaltrigen Schulkameraden, sucht er die Nähe des schweigsamen Fischers Nicola, der ihn lehrt „das Meer zu lesen". Es sind die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, und der noch nahe Weltkrieg ist das Tabuthema in der Familie. Lediglich Nicola berichtet von seiner Soldatenzeit auf dem Balkan und von der Endphase des Krieges, in der die Deutschen von Verbündeten zu verhassten Besatzern Italiens wurden. Es ist der Sommer, in der der Erzähler die geheimnisvolle Caia kennen lernt und sich in sie verliebt. Er erfährt ihren richtigen Namen, dass sie Jüdin ist und dass ihre Eltern dem Holocaust zum Opfer fielen. Die Liebe zu Caia und der Abscheu vor den satten und selbstgerechten deutschen Touristen, die betrunken SS-Lieder anstimmen, verleiten den Erzähler zu einer verzweifelten Tat...
Auch wenn die Inhaltsangabe dies nicht vermuten lässt, handelt es sich erneut bei De Luca um ein sehr stimmungsvolles, atmosphärisches Buch, das den Leser den Sommer, das Meer und die harte aber freie Arbeit der Fischer fühlen lässt. Auch der moralische Anspruch des Buches drängt sich nie störend in den Vordergrund.
Der Roman bezieht seine atmosphärische Dichte zweifellos aus dem Selbsterlebten, den autobiographischen Teilen. (Der Fischer Nicola z.B. ist sehr real und war nach Erscheinen des Buches gesuchter Interviewpartner der Medien) Etwas zwiespältig - insbesondere für den deutschen Leser - sind die Schilderungen der unverbesserlichen, als Herrenmenschen auftretenden und Nazi-Lieder grölenden Deutschen, die so klischeehaft daherkommen, dass man befürchten muss, sie entsprechen der Wahrheit. Insgesamt ist dieser Roman für mich eine wichtige Entdeckung dieses Jahres und war der Anlass, mehr von De Luca zu lesen.