„Das Meer in mir“ ist ein herausragendes Stück filmerischer Kunst. In poetischen und ruhigen Bildern wird die Situation des gelähmten Ramón gezeigt. Seit tiefer Wunsch in Würde zu sterben ist Dreh- und Angelpunkt des Films.
Das dieser Wunsch im katholischen Spanien auf harten Widerstand stößt ist geradezu selbstverständlich. So bezieht der Film auch nicht die Position, dass das Leben von derart körperlich behinderten Menschen nicht lebenswert sein. Es handelt sich um den Einzelfall Ramón Sampedro. Seine Beweggründe werden deutlich aufgezeigt und erheben ausdrücklich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Dies wird durch mehrfache Äußerungen des Protagonisten selbst überdeutlich und auch die Handlungsweise der Anwältin bei der Veröffentlichung des Buches spricht Bände. Man kann die Situation des gelähmten nachvollziehen, muss aber nicht die gezogenen Konsequenzen teilen.
Die zwar Verstehen äußernde, aber der aktiven Sterbehilfe ablehnend gegenüberstehende Haltung des Gerichtes ist auf dem kulturellen Hintergrund Spaniens absolut nachvollziehbar. Andere Handlungsweisen wären nicht realistisch. Ebenso argumentiert der Klerus mit christlichen, katholischen Moralvorstellungen. Diese Argumente sind zwangsläufig emotional und können keiner atheistischen, rationalen Weltsicht standhalten. Die Entscheidung zum Freitod wird so verantwortungsvoll, wie sie getroffen werden sollte, dargestellt. Es handelt sich um persönliche, nicht pauschalisierbare Argumente, deren Schattenseiten sehr verdeutlicht werden. Die hochemotionale Abschiedsszene am Haus des Bruders macht dies überdeutlich: Ramón verursacht durch seine Entscheidung auch Trauer. Genauso verantwortungsvoll im Umgang mit dem Thema Sterbehilfe werden die Unterstützer Ramóns gezeigt.
Somit ist „Das Meer in mir“ nicht in erster Linie Plädoyer für Sterbehilfe sonder für Toleranz.
Genauso, wie Ramón die Meinung des Geistlichen akzeptiert, möchte auch er mit seinem Wunsch akzeptiert werden. Das ihm sein Wunsch in einem laizistischen Staat, der die Freiheit des Menschen in der Verfassung verankert hat, nicht gewährt wird, und er sich Tricks bedienen muss, stimmt sehr nachdenklich.