Jessica Madison und ihr Partner Ken Arnold sollen aus der Zenote in Chichen Itza den abgeschlagenen Kopf eines Fersehproduzenten bergen. Nach dem Tauchgang stirbt Ken jedoch auf mysteriöse Art und selbst das Krankenhaus vertuscht die wahren Umstände. Jessica wundert sich zunächst nicht allzu sehr über den Herzinfarkt, da sie von Ken wusste, dass er eine dahingehende Erkrankung hatte. Doch nachdem sie mit seinem Hausmädchen gesprochen hatte, muss sie davon ausgehen, dass mehr hinter seinem Tod steckt, als das Krankenhaus zugeben will. So beginnt also ihr Tauchgang in einen Strudel von sehr weitläufigen Verwicklungen...
Fast die ganze erste Hälfte des Buches lässt der Autor es locker angehen, man erfährt sehr viel über die Kultur der Maya, die politischen Gefüge zwischen Amerika und Mexico und er hat eine wunderbar bildliche Sprache um die Landschaft und die Natur zu beschreiben, die sicherlich jeden begeisterten Taucher und Cancun-Urlauber das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Allein beim Gedanken an Zenoten mit so klarem Wasser, dass ein Schwimmer aussieht, als ob er in der Luft schwebt... wer möchte da nicht mal drin schwimmen? Das Buch ist jedenfalls sehr gründlich recherchiert worden und das entschädigte mich allemal für die relativ seicht dahinplätschernde Geschichte in der ersten Hälfte. Ich verliere mich aber auch wirklich gerne mal in Details, sofern sie der Wahrheit entsprechen. Erst in der zweiten Hälfte fängt dann der eigentliche "Thriller" an, eine spannende Geschichte um Naturschutz, fanatische Umweltschützer die sich zu Öko-Terroristen mausern, Eingeborenenrechte, Mayakultur, Politik und nicht zuletzt ein Jahrtausende altes biologisches Gift, das unter Yukatan schlummert und an dem scheinbar mehrere Fraktionen Interesse haben. Alles in Allem also eine moderne Terrorgeschichte vor einer traumhaften Kulisse, allerdings auch mit sehr vielen wissenswerten Informationen gespickt.
Die eigentliche Geschichte ist über die großartigen Recherchen und Beschreibungen allerdings zunächst etwas kurz gekommen. In der ersten Hälfte findet man sie kaum und in der zweiten Hälfte findet man dann kaum noch etwas Anderes. Eine ausgewogenere Verteilung von Hintergrundmaterial und eigentlicher Geschichte hätte diesem Buch sicher nicht geschadet und so manchen Leser wohl auch dazu bewegt, es nicht nach der ersten Hälfte gelangweilt wegzulegen. Nur das Ende überzeugt leider auch nicht wirklich, obwohl es spannend gemacht ist, aber fast nur mit einem Schlauchboot bewaffnet auf eine Insel mit mehreren, skrupellosen Kriminellen fahren zu wollen, das würde mir im Traum nicht einfallen, auch wenn es im Buch dann doch nicht ganz so drastisch durchgeführt wird. Der Autor scheint aber trotzdem vor den letzten 60 Seiten etwas zuviel Tomb Raider gespielt zu haben danach wohl auch, denn der abrupte Schluss lässt darauf schließen, dass er es eilig hatte, denn zumindest die politische Hintergrundgeschichte wird einfach zur Seite geschoben, genau wie die Geschichte um die moderne Mayaorganisation "Cruzob". Schade eigentlich, die Geschichte hat soviel Potential und wäre in etwas anderer Form sicherlich ein echter Hit geworden.
Für Leute die einen wirklich gut recherchierten Roman in anfangs traumhaft beschriebener Urwaldkulisse suchen und einer leider nur teilweise spannenden, aber auch zum Nachdenken anregenden Geschichte nicht abgetan sind, kann ich dieses Buch tatsächlich empfehlen. Wer nach Hochspannungslektüre sucht, die sich rasend schnell verschlingen lässt, kann ich dagegen nur abraten.
Mir als Detailfetischist wäre die Geschichte fast 4 Sterne wert gewesen, aber objektiv betrachtet, hat sie einfach zuviel von dem aufgebotenen Potential verschenkt. Eigentlich gefiel mir das Buch sehr, nur leider liest es sich schlussendlich wie ein Manuskript, dem der letzte Schliff fehlt. Wem aber Filme wie "Apocalypto" und "Das Relikt" gefallen haben, wird hier sicher auch auf seine Kosten kommen, bereut habe ich jedenfalls nicht, es gelesen zu haben.