Das Marsprojekt: Das ferne Leuchten - Die Menschheit, in Maßen geeint, hat zu dem in diesem Buch behandelten Zeitpunkt eine dauerhafte Forschungsstation auf dem Mars errichtet. Die eigentliche Besiedelung ist ins Stocken geraten, vor einigen Jahren hatte man den Forschern jedoch gestattet, auf Wunsch auch ihre Kinder auf den roten Planeten zu bringen bzw. eins der Kinder wurde sogar auf dem Mars geboren. Seit damals sind etwa 12 Jahre vergangen, sodass diese Kinder sich nun im jugendlichen Alter (mit all den damit zusammenhängenden Schwierigkeiten) befinden. In diesem Augenblick wird das Fortbestehen der Marsstation Thema politischer Entscheidungsfindung auf der Erde und die Jugendlichen müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, den ihnen an sich völlig unbekannten Planeten Erde zu ihrer neuen Heimat machen zu müssen. Doch es regt sich Widerstand, die rote Heimat zu verlassen...
Die Jugendlichen sind es, aus deren Sicht die Geschehnisse beschrieben werden. Jede/r hat eine andere Sicht auf die Erlebnisse bzw. andere Wünsche und Träume als die anderen, dennoch bilden sie in gewisser Weise eine Einheit gegen die Erwachsenenwelt und ihre ökonomischen und geistigen Zwänge.
Ich habe dieses Buch nur durch Zufall gefunden. Die Tatsache, wie oft und unter welchen Namen es bisher veröffentlicht worden ist, ist mir ehrlich gesagt völlig egal. Wichtig ist, ob es sich lohnt, seine Zeit dafür zu verwenden. Und dies ist definitiv der Fall. Eschbach beschreibt den Alltag der Marsstation sehr schön und nach unseren heutigen Kenntnissen an sich realistisch. Viele Bereiche des menschlichen Lebens werden aufgegriffen und konsequent und amüsant in SF-Manier weiterentwickelt (Erdbevölkerung, Nahrungsproduktion, politische Verhältnisse und Entscheidungsfindung, Interessengruppen, Raumfahrt, Internet, Schule, ...). Dabei verliert er jedoch nie die eigentliche Geschichte aus den Augen, die in angemessener Weise mit rätselhaften/marsianischen Elementen aufgepeppt wird (siehe Titel). Am besten an diesem Buch fand ich jedoch den Realismus, mit dem er die Entscheidungsfindung den Erwachsenenwelt im Vergleich zu der Lebenswelt der Kinder setzt. Alle Entscheidungen und Pläne (ob pro oder contra) sind an sich nachvollziehbar. Gleichzeitig beleuchtet er, dass es bei solchen Prozessen nicht nur um eine verstandesmäßige Entscheidung geht, sondern eben häufig um politischen Opportunismus, der auch bei einer Weltregierung offensichtlich nicht verschwunden ist.
Ich würde dieses Buch uneingeschränkt empfehlen, daher fünf Sterne. Insbesondere gelingt es dem Autor, die Spannung das ganze Buch zu halten und neugierig auf die nächsten Teile zu machen (Ich verstehe nicht so ganz, warum es der Qualität eines Buches abträglich sein soll, dass sich die Geschichte über mehrere Bücher fortentwickelt?). Man möchte schließlich wissen, was es mit dem "verunreinigtem Silizium" hat, das für die Erwachsenen keinerlei Bedeutung und nur als Zufallsprodukt angesehen wird, und dem nur von dem auf dem Mars geborenen Mädchen zu sehendem "fernen Leuchten" auf sich hat.