Ich gebe es zu: ich bin längst kein Jugendlicher mehr. Aber das tut der Freude an diesem Buch (wie der ganzen Reihe) keinen Abbruch.
Andreas Eschbach führt den Leser im ersten Kapitel zurück in die Welt des Marsprojekts, ruft das Geschehene wieder ins Gedächtnis. Aber nicht etwa als Schnellzusammenfassung was bisher geschah", sondern durch die Augen einer neu eingeführten Romanfigur. So ist der Leser auch nach längere Pause seit dem letzten Band wieder in der Geschichte drin, aber auch wenn man gerade erst Band vier beiseite gelegt hat, ist das Kapitel nicht langweilig, da aus neuer Perspektive erzählt wird, und man gleichzeitig auch die neue Figur kennenlernt - und das auch noch in einer spannenden Situation.
Spannend geht es weiter. Mit stetig anziehendem Tempo und schnellen Wechseln zwischen Handlungsorten und -Personen führt Eschbach uns zum Höhepunkt der Geschichte. Augenzwinkernd hat er mehr als einmal geäußert, sein Ziel sei es, die Leser vom Schlafen abzuhalten und vom Essen, sie an das Buch zu fesseln, dass sie es nicht mehr aus der Hand legen wollen. Das gelingt ihm hier wieder meisterlich.
Die Handlung ist über die letzten Bände komplexer geworden, sie wird es mit Band fünf noch einmal. Action, Emotion, Einblicke in die Innenwelten der Personen - alles ist fein aufeinander angestimmt und ergänzt sich bestens wie im Menü eines Spitzenkochs. Viele Zutaten wird ein regelmäßiger Leser wiedererkennen, aber gänzlich neue Ideen sind selten (wenn auch Eschbach damit gekonnt zu würzen weiß), und das Ergebnis ist genussvolles Lesefutter. Ein anderer als Eschbach hätte daraus möglicherweise nicht mehr als einen faden Brei geschaffen. Die Kombination macht's, sie packt, sie bewegt, sie ist rundum gelungen.
Dabei vermittelt Eschbach nebenbei" viel Wissen, denn seine Charaktere haben immer wieder zu kämpfen mit den Problemen und Auswirkungen von niedriger oder fehlender Schwerkraft, der langen Dauer von Weltraumreisen und den geologischen und atmosphärischen Besonderheiten des Mars. Das ist alles gut recherchiert und kommt verständlich beim Leser an. Freiheiten lässt sich Eschbach dagegen bei der Technologie der Hüter" - die ist eben so weit entwickelt, dass wir sie weder verstehen noch nachahmen können. Er lässt uns einfach an den Wundern teilhaben und über sie staunen, wodurch die Geschichte auch etwas Märchenhaftes behält.
Was ich nicht empfehlen kann, ist mit diesem Buch anzufangen. Gewiss, durch den erwähnten Einstieg finden sich auch neue Fans des Marsprojekts schnell zurecht, aber die Charaktere und ihre Entwicklung werden klarer, wenn man alle Bände gelesen hat. Das Buch macht dann noch mehr Spaß.