Da die Handlung in den vorangegangenen Rezensionen mehrfach ausgeführt wurde, werde ich an dieser Stelle auf eine erneute Zusammenfassung verzichten und mich lediglich meiner Einschätzung widmen. Der historische Handlungstrang der "Johanna der Wahnsinnigen" ist gut recherchiert und lebendig geschrieben, so dass der Leser sich durchaus in die Renaissance zurückversetzt fühlt. Durch Manuels Erzählung und Lucìas Rezeption dieser erhält man einen guten Einblick in die Verhältnisse der damaligen Zeit, die Ohnmacht der Frauen und die Bewältigung dieser Umstände. Auch die Heldin Lucia, aus deren Perspektive der Roman geschrieben wurde, ist vielschichtig dargestellt und bewirkt so, dass man die psychische und körperliche Verführung zumindest aus ihrer Sicht bewegend erlebt.
Was aber das große Manko des Romans ausmacht, ist der Held, Manuel. Da zu einer Verführung zwei Personen gehören, spielt die Figur des Manuel eine wesentliche Rolle. Nur kann dieser für mich nicht überzeugen. Allein die Beschreibung eines um die vierzig Jahre alten Mannes, Raucher mit weißen Haaren und einem Hang zum Puzzeln und Modellbau erzeugte bei mir schon ein unattraktives Bild. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Was für mich schließlich die erotische Stimmung immer wieder zerstörte, war der Gedanke, dass ein sehr viel älterer Mann eine minderjährige Waise sexuell verführt und beim ersten Geschlechtsakt sie gegen ihren Willen nimmt und somit meiner Meinung nach vergewaltigt. Das grenzt an Perversität und zerstört so die intendierte Liebesgeschichte. Für mich funktioniert die Handlung damit nicht mehr, mal abgesehen von dem unglaubwürdigen Schluss. Aus diesem Grund kann ich nur zwei Sterne geben, auch wenn Frau Belli einen guten Schreibstil hat.