Und trotzdem: Ziemlich gut.
Die Autorin vermischt auf bestechend mitreißende Weise ihre eigenen esoterischen oder religiösen Wunschvorstellungen mit Möglichkeiten, mit dem Denken "So könnte es gewesen sein".
Die Idee: Jesus war ein Mann und ein Mensch, und er war verheiratet und zwar mit Maria Magdalena, mit der er auch Kinder hatte. Das allein ist schon eingängig und sehr viel realistischer als das Jesus-Bild, das die katholische Kirche ab Konstantin prägte.
Die Heldin des Romans ist eine Nachfolgerin, genauer gesagt ein Nachkomme, von Maria von Magdala. Die Autorin sieht sich selbst in der Figur dieser Nachfahrin und beschreibt romanhaft, von was sie behauptet, selbst erlebt zu haben. Während einer Forschungsreise auf den Spuren großer Frauen, die sie historisch in einen angemesseneren Rahmen zu bringen sucht, erlebt die Romanfigur eine esoterische Vision nach der anderen, die sie letzten Endes zum wichtigen Dokument dieser Reise bringt, nämlich dem Evangelium der Maria Magdalena. Dieses Evangelium ist eine (biografische) Beschreibung dessen, was Maria von Magdala während und nach ihrem Leben zuerst als Verlobte von Jesus, dann als Ehefrau von Johannes dem Täufer und später als Ehefrau von Jesus Christus erlebt. Dieses Evangelium wurde sorgfältig versteckt und wird in wirren okkulten Spielchen am Ende auch gefunden.
Glaubwürdig das Evangelium, ein wenig absonderlich der Versuch, den Roman zur Wahrheit zu erklären, aber vielleicht gehts auch gar nicht anders?
Emotional berührt dieses Buch, auch wenn ich die Kritiken der Vorrezensenten sehr gut nachvollziehen kann. Die Frage nach der Richtigkeit Jesu Leben, wie es von der Bibel beschrieben wird, ergibt sich ja bereits, wenn man die Bibel liest. Insofern zeigt dieser Roman einfach mal auf, wie es tatsächlich hätte sein können, was Spaß macht und irgendwie schafft, einem Jesus auf andere Art und Weise näher zu bringen.
Nach meinem Dafürhalten also ein absolut lesenswertes Buch, auch wenn man wegen der unglaubwürdigen okkulten Bruderschaften und dem Eigenartigen der für wahrhaft befundenen Visionen ein wenig skeptisch bleiben muss. Aber, warum auch nicht? Ein Roman soll sich gut lesen, und wenn die Autorin meint, er spiegele Tatsachen wieder, ist das schlimmstenfalls ihr Problem.