... war das größte Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik. Warum wurde es nie richtig aufgeklärt? Bis heute ranken sich allerlei Verschwörungstheorien um das schwerste terroristisches Verbrechen in Deutschland. Bei der Bevölkerung dagegen ist das Wiesenattentat in Vergessenheit geraten.
Wolfgang Schorlau geht dieser Frage nach und strickt daraus einen neuen spannenden Fall für den Privatermittler Georg Dengler aus dem Stuttgarter Bohnenviertel.
Sein ehemaliger Arbeitgeber, das Bundeskriminalamt in Wiesbaden, beauftragt Dengler mit Ermittlungen in einem alten Fall: dem Attentat auf das Münchner Oktoberfest 1980. Die Fakten sind schnell zusammengetragen: Eine 40m weit reichende Bombe aus Nägeln, Schrauben, Muttern und kantigen Metallstücken richtet verheerenden Schaden an. 13 Menschen sterben, 200 werden verletzt, davon 68 schwer. Der angebliche Täter: Ein rechtsradikaler Student. Zeitpunkt: Die bevorstehende Bundestagswahl. Was Dengler stutzig macht: Schlampige Polizeiarbeit, sich widersprechende Zeugenaussagen, verschwundene bzw. nicht näher untersuchte Beweismittel und der unklare Tod zweier wichtiger Zeugen kurze Zeit später. Doch Denglers Ermittlungen bleiben nicht unbemerkt und so befindet er sich bald im Fadenkreuz zwischen Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz und Staatsregierung. Er kommt der Wahrheit gefährlich nahe und muß nicht nur um das eigene Leben fürchten. Denn seine mächtigen Gegner sind skrupellos und extrem gewalttätig.
Er fühlte sich allein, so einsam, so bedroht, so sterblich, wie er sich noch niemals zuvor gefühlt hatte ... Dengler konnte sich nicht erinnern, daß er wegen eines Falls jemals so verzweifelt gewesen war."
Schon bald scheint Dengler der einzig aufrichtige Bulle zu sein. Er gibt sich - wie immer - authentisch und pflegt seine Freundschaften zu Martin Mario und Engels, dem ehemaligen Vorgesetzten beim BKA, gerne bei einem guten Glas Wein im Basta. Auch die lukullischen Genüsse kommen diesmal nicht zu kurz, denn es wird in gepflegter Runde bei Mario und Anne im Ein-Zimmer-Restaurant (das es in Stuttgart tatsächlich geben soll, wie übrigens auch das "Basta" und die anderen Lokalitäten) herrlich geschlemmt. Diesmal gibt es einen kleinen Kochexkurs zu Spaghetti aglio e olio mit Schritt-für-Schritt-Anleitung, so daß sie selbst mir gelingen könnten. Zudem habe ich gelernt, daß man nie Öl ins Spaghettiwasser gießen soll. Denn das Qualitätsmerkmal richtig guter Spaghetti ist eine raue Oberfläche. So bleibt die Pastasoße besser kleben. Wer hätte das gedacht! Aber nun genug zum kleinen Ausflug in die Gourmet-Küche.
Neben dem schwierigsten und gefährlichsten Fall seiner Laufbahn macht ihm diesmal auch seine Freundin Olga zu schaffen. Während sein Freund Martin mit seiner neuen Basta-Bekanntschaft im Hormonrausch schwelgt, scheinen die Hormone bei Olga und ihm zu schlafen. So lädt er sie kurzerhand ein zum "Partnertausch". Köstlich, wie Schorlau diesen kleinen Exkurs in Denglers Liebesleben beschreibt. Später soll er sie dann schmerzlich vermissen, wenn sie überhastet abreisen muß, ihre kranke Mutter zu pflegen.
Das Wiedersehen mit Dengler und seinen Freunden hat mir - wie immer - große Freude gemacht. Wenn er sich diesmal auch mit einem Fall herumschlagen muß, der an die Grenze des Vorstellungsvermögens geht. Man ertappt sich ständig dabei, daß man denkt: Das kann doch alles gar nicht wahr sein.
Schorlau schreibt gut recherchiert und so realistisch, daß man mit seinen Theorien in Angst und Schrecken versetzt wird. Fast muß man um sein Leben bangen, wenn man bedenkt, wie gewissenlos diverse Staatsmächte in seinem hochbrisanten Politthriller agieren.
Wer das München-Komplott gerne gelesen hat, wird von den anderen vier Dengler-Krimis begeistert sein und sollte auch einmal bei Oliver Bottini, Christian von Ditfurth und Claus Cornelius Fischer vorbeischauen.