Per Zufall stieß ich auf dieses sich sehr vielversprechend anhörende Buch. Hatte ich doch zuletzt mit großer Freude die Romanbiografien Jeannette Walls gelesen und war der diversen Thriller & Historienromane etwas überdrüssig. Es wurde mal wieder Zeit für was anderes.
Das Buch berichtet von der Kindheit der Autorin bei den Aparai-Wajana- Indianern im Nordosten Brasiliens am Rio Paru (ein Seitenarm des Amazonas), unweit der Grenze zu Surinam, Guyana & Französisch-Guyana. Catherinas Vater hatte in den 60ern dort einen mehrjährigen Forschungsauftrag und beschloss mit seiner Assistentin, gleichzeitig auch Ehefrau, die Tochter dort aufwachsen zu lassen. So kam es, dass Katarischi zwar in Deutschland geboren, im Alter von einem Jahr an den Amazonas verpflanzt" wurde und als waschechte Indianerin aufwuchs. Sie berichtet hier über die für sie prägenden Zeit bis zum Alter von 6 Jahren, als es schweren Herzens zurück nach Deutschland ging.
Meine Eindrücke sind etwas zwiespältig- am Anfang zog die Autorin m. E. zu viele Vergleiche mit einem belehrenden Zeigefinger"- Gemeinsinn und Menschlichkeit statt Konkurrenzdenken, Egoismus und Profitstreben" -das ist m.E. zu plakativ, klischeehaft und verkürzt.
Menschlichkeit, Harmonie ... gegen Egoismus, Konkurrenz, Konsum ... Ich denke das Leben bei archaisch lebenden Naturvölkern spricht für sich und bedarf keines Vergleichs. Zumal man Äpfel (Leben im Einklang mit der Natur) nicht mit Birnen (Leben in der Zivilisation) vergleichen kann- einfach 2 völlig unterschiedliche Lebensweisen.
Leider hat mich das Buch über weite Strecken nicht "so" zu fesseln vermocht und begeistern vermocht, wie ich erwartet hatte. Zu undifferenziert die Sichtweise, sowie sprachlich recht einfach & flapsig - irgendwie wurden Kleinkindergeschichten mit Sachinfos vermixt und das ist nicht immer gelungen.
Desweiteren wenig Bezug auf Charaktere wie Mutter und Vater- sie bleiben immer zu sehr am Rand. Viele Infos waren nichts Neues- hat man doch schon viel über die Yanomamis gelesen und gesehen.
Trotzdem verdient das Buch volle 4 Sterne denn: auch wenn mich der Anfang und die Mitte nicht so fesseln konnten, tat es das Ende: der Abschied, die mit der Heimkehr verbundenen Probleme und v.a. die Rückkehr. Das alles hat mich voll und ganz überzeugt und doch die eine oder andere Träne verdrücken lassen. Hier hätte ich mir mehr Ausführlichkeit gewünscht. Ebenso das Schlusswort, das einen zum Nachdenken anregen soll: das Konsumstreben, das uns jedweden Schaden an der Natur und den Naturvölkern verdrängen lässt.
Unterhaltsam auch viele kleine Geschichten über Bambis, Larven und wie die Jaguare zu ihren Zähnen kamen.
Ich denke das Anliegen Rusts zu "sensibilisieren" und aufmerksam zu machen, ist gelungen, denn sicherlich sind sich viele Menschen gar nicht bewusst über das Leben und Aussterben, den Verlust des Lebensraumes, über die Zwangsmissionierung usw. dieser von der Zivilisation bedrohten Naturvölker.
Wunderbar die vielen SW-Fotos aus dem Nachlass des Vaters, als auch die der Autorin 20 Jahre später. Der Anhang, die Karte als auch das Nachwort, runden das Ganze ganz wunderbar ab! Auch das Bild des kleinen Indiomädchens auf S.336 und seine Zukunftsperspektiven geht an Herz.
TIPP: die Buchausgabe kaufen. Ich hab mir die Leseprobe fürs Kindle runtergeladen. Aber aufgrund der vielen Fotos und auch großformatigen Farbbilder, Karten... kann ich nur dringend von der KindleAusgabe in diesem Fall abraten- kauft das Buch!
Fazit: 4 Sterne, sicherlich ein interessantes und lehrreiches Buch über ein bedrohtes Naturvolk. Eine ganz besondere Kindheit jenseits aller Normen und Regeln. Ungemein viele Details Transamazonicas.Mit einigen Schwächen, doch nichtsdestotrotz sehr empfehlenswert. Sicherlich ein ideales Geschenk für das kommende Fest!