"Das Mädchen mit dem gelben Schirm" von Uday Prakash ist ein wahrer Goldschatz. Es ist zugleich eine Liebesgeschichte mit lyrischen Zügen und ein nüchternes Bild von einem Land, in dem zwei Kräfte herrschen: ein habgieriger Kapitalismus und das ewig starre Kastensystem. Ja, es ist wieder die typische Liebesgeschichte. Aber Prakash's Geschichte wirkt tragisch, komisch und berührend, und zeichnet ein Bild von Indien das viel weiter geht als das gewöhnliche Bild von Elephanten und Kokosnüssen. In "Das Mädchen mit dem gelben Schirm" verliebt sich Rahul, der ursprünglich organische Chemie studieren wollte, in Anjali, die Tochter des Kabinett Ministers und Hindi Literatur Studentin. Um Anjali besser kennen zu lernen, ändert Rahul seinen Studiengang und fängt an Hindi Literatur zu studieren. Im Fachbereich der Hindi Literatur findet Rahul eine archaische Welt von Professoren (alle stolze Brahmanen) die in den heiligen indischen Schriften eine Rechtfertigung ihrer Überlegenheit finden. Das alles würde dem jungen Rahul--der sich den Körper von dem Bollywood Star Salman Khan wünscht--nichts ausmachen, gäbe es nicht ein Problem: Anjali ist Brahmanin, und Rahul stammt von der unberührbaren Kaste. Im Hintergrund der Liebesgeschichte passieren fürchterliche Dinge--Gangster haben den Kampus besetzt, die Polizei und die Verwaltung der Uni ist korrupt und machen nichts, und ein Student von Manipur wird ermordet. Und währendessen wächst der Apetit der Massen von indischen Konsumern, für die Gandhi und der berühmter Autor Premchand seit langem kein Begriff sind: sie lesen alle Bill Gates.
"Das Mädchen mit dem gelben Schirm" ist ein tiefer Einblick in die Welt des jungen Rahul, dessen extrem schwankenden Emotionen und Idealismus über einer verlorenen Welt die Charakteristika eines Jugendlichen irgendwo in der Welt sein könnte. Und das ist das wunderbare und zugleich schokierende an dem Buch--sie könnte über all in der Welt passieren.