Zunächst einmal regt mich an dem Buch schon der Titel auf. Wenn man weiß, dass die Hardcover-Ausgabe "Die Lieder des Mr Blake" heißt, die Autorin aber ein höchst erfolgreiches Buch mit dem Titel "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" geschrieben hat, dann wird klar, warum für dieses Buch nachträglich wieder irgendwas mit "Mädchen" hingebogen werden musste...
Inhaltlich ist dieses Buch wohl das langweiligste, was ich seit langem gelesen habe. Die Geschichte um die Familie Kellaway, die vom Land in die Großstadt London zieht, um dort der Erinnerung an den Tod ihres Sohnes Tommy zu entfliehen, plätschert nahezu ereignislos vor sich hin. Die Kinder erforschen ihre neue Umgebung, begegnen dem gewitzten Mädchen Maggy (vermutlich die mit den funkelnden Augen, aber nachdem im ganzen Roman nichts funkelt, nur schwer zu sagen...) und dem Dichter William Blake... Die wenigen Dinge, die passieren, werden nur oberflächlich und ohne jede Tiefe erzählt. Mir fehlen an dem Roman eindeutig die Farbe, das Leben und die Atmosphäre, die viele andere historische Romane so reizvoll macht. Das brodelnde London, die keifende Vermieterin, das Zirkusleben, Maisies Schwärmerei für den unwiderstehlichen John Astley und die daraus folgenden Ereignisse... das alles hätte man so viel lebendiger erzählen können! Dass eine der Figuren - William Blake - eine Person ist, die tatsächlich gelebt hat, macht die Defizite des Romans nur deutlicher. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich durch die Schilderungen in dem Buch irgendetwas über den Dichter erfahren habe. Er wird dargestellt als freundlicher Eigenbrötler und Pazifist, der im stillen Kämmerlein seltsame Bilder und Gedichte schafft und mit seiner Druckerpresse ohne großen Erfolg publiziert. Von der "Eröffnung neuer Welten", die im Klappentext beschrieben wird, habe ich leider nichts mitbekommen. Insgesamt leider ein totaler Fehlgriff.