Die Geschichte des kleinen jüdischen Mädchens Roma beginnt im Ghetto. Die Todesangst der Erwachsenen spürt Roma bereits in ihrem Gitterbettchen in dem kleinen Raum, den ihre Familie mit anderen Menschen teilen muß.
Von dort reißen die Nazis auch ihre geliebte Großmutter von ihr weg, die Schreie der Oma sind das Schlimmste, das Roma je gehört hat und je wieder hören wird. Daß ihr eigenes Leben am seidenen Faden hängt, ist dem Kleinkind allzu früh bewußt.
Der Mutter gelingt es zwar, das Leben ihres Kindes hindurchzuretten durch das Mordregime der Nazis. Aber das kleine Mädchen darf nie die Geborgenheit und Sicherheit erleben, die zu den elementaren Grundbedürfnissen eines jeden Kindes gehören. Als Leser erlebte ich ein Mädchen, dessen junge Seele ständig überfordert wurde. Auch bei den Menschen, die Roma und ihrer Mutter helfen, zu überleben, findet das Kind letztlich keine Geborgenheit.
Und auch die erwachsene Roma bleibt mit ihren inneren Wunden alleine.
Es erscheint dem Leser wie ein weiteres Armutszeugnis dieser Welt, daß der erwachsenen Roma lediglich Tabletten verschrieben werden, mit deren Hilfe sie ihre zutiefst verwundete Seele in den Griff bekommen soll.
Mit einem brillianten Schreibstil beschreibt Roma Ligocka in diesem Buch ihre frühesten Erinnerungen, den Überlebenskampf, ihre Sehnsucht nach Liebe, ihre Tablettensucht, ihr Leben.
Ihre Ehrlichkeit hat mich dabei mehr als beeindruckt und trägt dazu bei, diesem Werk die Bestbewertung zu geben.
Wenn ich das Bild der erwachsenen Roma betrachte, ihren Gesichtsausdruck auf mich wirken lasse, dann empfinde ich den Blick einer Überlebenden, deren Herz noch ganz viel Heilung braucht und hoffentlich auch erfahren darf. Und so wirkt auch die Lektüre ihrer Geschichte in mir nach, Tage, nachdem ich sie beendet habe.
Gottes Segen für Roma Ligocka.