Über jenes nackte, aus einem mit Napalm bombardierten Dorf (Trang Bang) flüchtende Mädchen ein Buch zu machen, ist durchaus sinnvoll. Denn bei dem Foto, das der damals 22jährige Fotograf Huynh Cong "Nick" Ut für Associated Press am 8. Juni 1972 schoss, blieb die Sache nicht stehen. Die globale Veröffentlichung des menschenverachtenden Napalm-Einsatzes verunsicherte die Washingtoner Befehlshierarchien und ließ die Vietnam-Aktivitäten ins Stolpern geraten. Das Buch beschäftigt sich aber nicht nur mit der neuen Macht global vermarkteter Presse-Arbeit (Pulitzer Preis 1973!), welche manche Regierung ins Straucheln geraten lassen kann - es schildert auch den bemerkenswerten weiteren Lebenslauf von Phan Thi Kim Phuc (*1963): Durchaus von einflussreichen Vietnamesen nach Kapitulation der Amerikaner gefördert, hatte sie noch einiges wegen der Übernahme Südvietnams durch Nordvietnam zu leiden: Obwohl als Poster-Girl für antiamerikanische Propaganda der neuen Regierung zu Diensten, wurde dennoch der kleine Nudelladen ihrer Eltern enteignet. Immerhin sorgten die neuen Machthaber für eine medizinische Behandlung in Deutschland, für einen Besuch in Moskau und ein anschließendes Studium auf der Universität von Havanna. Dort lernte sie ihren künftigen Ehemann kennen. Auf der Hochzeitsreise (1992) entwischte das junge Paar bei einem Tankzwischenstopp ihres Düsenflugzeuges in Gander, Neufundland, Kanada. Man bat um Asyl und begann eine dritte Phase des Lebens nördlich der Grenze zur USA (wo auch die Phuc-Biografin Denise Chong lebt). Heutzutage wird Kim auf Webseiten vorgestellt, die Titel tragen wie "Canadian-Identity"; sie konvertierte zum Christentum und ihr gelang es sogar (durch die Vermittlung des Fotografen Nick Ut, der sie damals, direkt nach dem Foto, in ein Hospital gebracht hatte), dass der damalige Pilot des Napalm-Bombers, John Plummer, sich medienwirksam bei ihr entschuldigte (und sie ihm in christlicher Geste verzieh). Ihr Leben ist durchaus ein Lehrstück und es ist erfreulich, dass man sie ab 1994 als UNESCO-Botschafterin einsetzte. 1997 gründete sie die "Kim Foundation" in Chicago, die es sich zur Aufgabe macht, Kriegsopfern (bevorzugt Kindern) Hilfe zuteil werden zu lassen. Sie nahm teil an Konferenzen in Luxemburg, Kanada, USA, Kolumbien, Mexiko, Brasilien, Spanien und Italien, um für die Sache der friedlichen Völkerverständigung zu werben ...