Padua 1601. Die recht selbstbewusste, junge Celestina zieht mit ihrer Stiefschwester Arcangela, nach dem Tod ihres Mannes, zu Verwandten nach Padua. Kaum angekommen, findet sie sich inmitten einer blutigen Ausschreitung zweier Familien wieder. Die Bertolucci, ihre Verwandten, und die Familie Caliari sind schon seit Jahren verfeindet. Noch während sie tatkräftig und vor allem unwissend, aus einer spontanen Sinneswandelung heraus, in das brutale Geschehen mit eingreift, wurde mir klar, dass sich Celestina wohl noch viel mehr zwischen den beiden verfehdeten Familien verstricken wird. Vor allem, da die junge Witwe ihrem großen Traum entgegeneifern möchte. Einem Traum, der Frauen zu jener Zeit verwert wurde und sie in höchste Gefahr bringen könnte. Denn die sympathische, in Venedig geborene Italienerin, möchte heimlich an der renommierten medizinischen Universität von Padua studieren. Dazu schlüpft sie in die Rolle ihres imaginären Bruders Marino. Ein Wagnis, welches sie verbissen verfolgt, dass aber gleichsam viele neuen Perspektiven und Freundschaften für sie bereithält. Richtig schwierig wird es dann aber für die junge Studentin", als diese erkennen muss, dass ihre Gefühle für den taffen Studenten Timoteo erblühen. Zu dumm nur, dass Timoteo bereits eine andere liebt - eine Bertolucci. Und noch dazu ist Timoteo einer der Caliari.
Es war für mich eine gelungene Komposition. Eine Mischung aus spannendem Historie-Drama, rund um die Anatomie-Stunden der medizinischen Universität Paduas, herrlichen Liebesgeschichten und einer Tragik-Kömodie zweier verfeindeter Familiensippen. Dabei trumpfte dieser fünfte historische Roman von Charlotte Thomas vor allem mit seiner luftigen Leichtigkeit bei mir auf. Wobei sich die flotte, angenehm leicht zu lesende Sprache der amüsanten Handlung trotz der dramatischen Umstände, um die ominöse Häufigkeit der auftauchenden Selbstmordleichen, spielerisch anzupassen wusste. So bereitete es stets Freude, den spritzigen Dialogen der Protagonisten durch die verschlungenen Handlungsstränge hindurch zu folgen. Auch machte es Spaß mit den unterschiedlichsten Figuren an dieser ausgeklügelten Geschichte dranzubleiben, ohne dass ich die Entwicklung wirklich vorausahnen konnte. Beinahe zu herzig waren die Situationen rund um die stets eigenwillige Celestina, die Gewagtes tat um ihrem großen Ziel, dem Doktortitel, zuzustreben. Immer wieder fesselnd, informativ und amüsant empfand ich diesen Roman als angenehmes Spiel mit meinen Gedanken. Diese waren stets auf der Suche nach der Täterschaft um die anatomischen Leichen, über die sich die dozierenden Professoren erfreuen konnten. Aber auch die ominösen Umstände um die Erkrankung ihrer Tante Marta stimmten neugierig. Ein Buch welches durch all seine Verstrickungen herrlich zum Spekulieren einlud, um dann am Ende einen runden und plausiblen Schluss zu bieten. Dabei will ich nicht unerwähnt lassen, dass Charlotte Thomas auch diesmal wieder bekannte Persönlichkeiten der Geschichte gekonnt ins Plot mit eingebunden hat. Ein Leckerli für welches ich immer zu haben bin. Auch hatte ich immer wieder die Gelegenheit, bei gewissen, anatomischen Eingriffen hautnah mit dabei zu sein. Das war für mich sehr spannend und aufschlussreich, auch wenn es mir ab und an einen kurzen Schauer über den Rücken jagen konnte.
Das Mädchen aus Mantua" war für mich ein etwas anderer, eher untypischer Mädel schlüpft in Hosen"-Roman. Von seiner flotten Note glich er eher der Historie-Komödie Der König der Komödianten", stand in seiner lebendigen Art um das Leben rund um Venedig den drei ersten, viel ernsteren Romanen aus Charlottes Feder aber nur wenig nach.