Ein mitreißender Roman im mittelalterlichen Lübeck!
Lena Falkenhagen hat mit "Das Mädchen und der Schwarze Tod" einen historischen Erstling veröffentlicht, der seinesgleichen sucht. Teils Frauenschicksal, teils Krimi und teils Schauderroman flirtet der Roman immer wieder heftig mit dem Übernatürlichen, ohne dabei den Blick für das Wesentliche zu verlieren: Den Menschen, der mit seiner Wahl zwischen Gut und Böse steht.
In einer Zeit zwischen Pest und Seligkeit wird der junge Maler Bernt Notke beauftragt, einen Totentanz für die Marienkirche zu Lübeck anzufertigen, der den Menschen ihre Sterblichkeit vorhalten soll. Zeitgleich kommt die junge Kaufmannstochter Marike Pertzeval einer Verschwörung gegen ihren Vater auf die Spur. Ein merkwürdiger Flötenspieler scheint im Zentrum der Ereignisse zu stehen. Als sich aber eine Reihe von tödlichen Unglücksfällen zu einer Mordserie auswächst, scheint der leibhaftige Tod in Lübeck sein Unwesen zu treiben.
Marike und Bernt machen sich auf die Suche nach dem Schuldigen. Ist dies wirklich eine mystische Gestalt, die in den Gassen der Stadt wütet? Jeder Schritt bringt die beiden einerseits der Lösung näher, andererseits aber auch der Gefahr, selbst zu Opfern zu werden. Schließlich ahnt die junge Frau, dass einige der machtvollsten Familien der Stadt ein Spiel mit dem Tod spielen, wie es schrecklicher nicht sein könnte ... In diesem Augenblick erreicht die Pest die Stadt und trifft die Menschen, ohne zwischen Stand, Reichtum und Moral zu unterscheiden. Und Marike selbst steht im Auge des Sturms.
Lena Falkenhagen verwickelt ihre Charaktere in einen ganz eigenen Reigen, ihre eigene Interpretation des Lübecker Totentanzes. All das Streben und Hoffen, der Drang zu leben werden in dem Roman mit der gleichen Lebhaftigkeit dargestellt, wie die Morde, die einer nach dem anderen ein ganz eigenes Bild ergeben.
"'Ich bin oft bei den Hinrichtungen, um mich daran zu erinnern, wie schnell alles zu Ende sein kann. Es lässt einen wertschätzen, was einem das Leben bedeutet [...] Macht einen lebendig!'" (S. 271/72) In diesem Kontrast aus Leben, Tod und Leben nach dem Tod entsteht eine Sicht auf die Hansestadt Lübeck des 15. Jahrhundert, die beeindruckend recherchiert ist und ebenso einfühlsam wie spannend präsentiert wird. Die Stadt ersteht beim Lesen lebhaft vor dem geistigen Auge, und mit den Figuren und ihren Ängsten und Nöten identifiziert man sich bald so tief, dass man der Autorin die ein oder andere Gemeinheit fast Übel nehmen will.
Zumindest kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal damit angefangen hat.