...und das ist nur eine der vielen Weisheiten, die Moustache auf Lager hat - der in seinem Leben schon alles war, Professor an der Sorbonne, Fremdenlegionär, Arzt und Anwalt - und jetzt der Inhaber der Eckkneipe "Chez Moustache" in der Rue de Casanova. Allerdings hieß die Kneipe schon früher so, bevor er sie übernahm - es war billiger, sich einen Schnurrbart wachsen zu lassen, statt ein neues Schild zu kaufen. Dort ist es, wo der ehemalige Polizist Nestor Patou (Jack Lemmon) eigentlich nur zufällig in einer Schlägerei Hippolyte den Ochsen (Bruce Yarnell - aus der Westernserie "Outlaws", hierzulande eher unbekannt) plattmacht, und dadurch zum Geliebten, Beschützer und Manager des leichten Mädchens Irma la Douce avanciert (Shirley MacLaine, die dafür 1964 den Golden Globe gewann). Dumm nur, dass Nestor ganz furchtbar eifersüchtig auf jeden Freier ist, und so entwickelt er einen Plan, um Irma mit niemand anderem außer seinem Alter Ego teilen zu müssen. Aber damit beginnen seine Schwierigkeiten erst, die er zum Teil mit, zum Teil trotz der Hilfe von Moustache (schön hinterfotzig: Lou Jacobi;
Das Tagebuch der Anne Frank;
I.Q. - Liebe ist relativ) bewältigen muss.
Der Film (prod. 1963, 137 Min.) nach einem französischen Musical von 1956 ist sicher nicht die beste Arbeit von Hollywoodlegende Billy Wilder - kein Vergleich mit
Das Apartment - aber dafür eine, die auch heute noch so frisch anzuschauen ist wie seinerzeit. Natürlich wird das Leben auf dem Straßenstrich arg idealisiert dargestellt; eine Komödie ist nun einmal keine Milieustudie! Trotzdem weist der Humor streckenweise den Wilder-typischen Hintersinn auf, etwa wenn Nestor ganz altklug die gerade erst von Moustache aufgeschnappten Sprüche über öffentlichen Hass und heimliche Liebe zum Besten gibt, um weltmännisch zu erscheinen; wenn Irma ihren neuen Manager verdächtigt, andere Mädchen zu haben und sich zu einem Klischee von einem Zuhälter zu entwickeln, wie alle anderen auch; oder wenn der wegen Mordes verhaftete Nestor auf den Rat von Moustache seine Schuld eingesteht, um Irmas Liebe zurück zu gewinnen - dadurch aber zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wird. An anderen Stellen driftet der Witz zu stark in den Slapstick ab: Wo Nestor sich mit Hippolyte prügelt, oder als sich Irma mit der vermeintlichen Nebenbuhlerin einen Zickenkrieg liefert, was manchmal sehr an Buster Keaton oder Dick & Doof erinnert. Dafür beweist Jack Lemmon nirgendwo mehr sein komödiantisches Talent als in den Szenen, wo er ganz ohne Worte nur durch Mimik, Gestik und Körperhaltung seine Gefühle ausdrückt, wie es nur wenige Schauspieler können! Und Shirley MacLaine mit ihren übertrieben gestylten Haaren und den für 1963 mutigen neongrünen Strümpfen ist sowieso einfach nur süß.
Die Musik von Marguerite Monnot und André Previn (letzterer dafür 1964 mit dem Oscar ausgezeichnet) fügt sich wunderbar harmonisch ein, Bühnenbild und Ausstattung sind opulent anzuschauen, die Technicolor-Farben sehen kräftig aus wie von heute morgen. Bildfehler fallen kaum auf, außer in den ersten Szenen, doch der Ton ist leider nur Mono. An Extras gibt es nur den (verzichtbaren) Trailer. Aufgrund der besprochenen Mängel reicht es ganz knapp für den vierten Stern.