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Bis jetzt hat der Leser die acht Menschen, die von der Welt abgeschnitten im geheimen Anbau lebten, nur durch Annes Augen gesehen. Müller enthüllt ihre richtigen Namen (sie wurden ursprünglich für die Tagebuchveröffentlichung geändert) und korrigiert, wo nötig, taktvoll die verzerrte Wahrnehmung eines Teenagers. Sie erinnert den Leser immer wieder daran, daß die klaustrophobische Enge und die materiellen Entbehrungen Annes schonungslose Kommentare gelegentlich anfachten -- zum Beispiel über den älteren Zahnarzt, mit dem sie gezwungen war, ein Zimmer zu teilen. Überzeugend identifiziert Müller auch den holländischen Informanten, der die Bewohner des geheimen Anbaus an die Gestapo verriet. Mit Entsetzen erfüllt Müllers bittere Zusammenfassung des Martyriums in Auschwitz und Bergen-Belsen, obwohl die Berichte von Überlebenden, nach denen Anne, ihre Mutter und Ihre ältere Schwester "ein unzertrennliches Trio" bildeten, das in seinem heftigen Kampf ums Überleben alle frühere Streitigkeiten vergaß, ein wenig Trost spenden. Es war ihnen nicht gelungen, und Müller kehrt diese Tragödie nicht unter den Teppich. Aber sie erinnert uns daran, daß "am Ende der Naziterror Annes Stimme nicht zum Schweigen bringen konnte -- sie ertönt noch immer für uns alle". -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ergreifend,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen Anne Frank: Aktionstitel: Welttag des Buches (Taschenbuch)
Viele Menschen werden sich sicherlich fragen, warum es nötig sein sollte eine Biographie über Anne Frank zu lesen, wenn man ihr Tagebuch kennt. Die Antwort ist, dass Melissa Müllers Biographie es schafft, ein weitaus umfassenderes und objektiveres Bild des Menschen Anne Frank zu geben, als es ein Tagebuch je könnte. Die Autorin beginnt mit ihrer Arbeit nicht bei Annes Geburt, sondern rekonstruiert mehrere Generationen Familiengeschichte, was zweitweilig informativ ist, jedoch verlaufen auch einige Lebenswege im Verlauf des Buches zu sehr im Sande, so dass man diese teilweise kürzer hätte halten sollen.Positiv ist allerdings zu bewerten, dass fast alle Menschen, die Anne nahe gestanden haben in Form von Interviews oder Briefen zu Wort kommen, und es wird deutlich, dass auch sie trotz ihrer ausgeprägten Persönlichkeit und Intelligenz ein Mädchen mit Schwächen und Macken war, in denen man sich nur zu oft wiedererkennt. Besonders ihr Leben vor dem Untertauchen unterschied sich scheinbar kaum von dem eines 11-12-jährigen Mädchens heute. Umso erschüttender wirkt der zweite Teil des Buches, der versucht die letzten Lebensmonate der Franks nach der Deportation zu rekonstruieren, was Melissa Müller erstaunlich genau gelingt. Ihr eindringlicher Stil bewirkt zudem, dass man wider besseres Wissen bis zum Schluß darauf hofft, Anne und ihre Schwester Margot würden dem Grauen der Konzentrationslager doch noch durch die Ankunft der Alliierten entkommen. Sehr lesenswert im Anschluss ist auch der angefügte literaturwissenschaftliche Artikel, der einen Einblick in die Veröffentlichungsgeschichte des Tagebuchs gibt und zeigt wie dieses teilweise durch die Anne Frank-Stiftung und ihren Vater Otto Frank wissentlich entstellt wurde. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Gesichte eines viel zu früh erloschenen Lebens,
Von Bookwormia (Aachen) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen Anne Frank: Aktionstitel: Welttag des Buches (Taschenbuch)
Wenn es ein Buch gibt, dass jeder Jugendliche auf der Welt mindestens einmal gelesen haben sollte, dann ist das mit Sicherheit das erstmals im Jahre 1947 unter dem Titel "Het Achterhuis" veröffentlichte Tagebuch der Anne Frank, eines damals 14jährigen jüdischen Mädchens, das zusammen mit seiner Familie und einigen anderen Personen "untertauchte", um der drohenden Festnahme durch die Nazis zu entgehen.
Nachdem ich dieses wunderbare, schreckliche Buch mehrere Male gelesen habe, fiel mir vor einiger Zeit dann das Buch von Melissa Müller in die Hände. Den Namen der Autorin kannte ich schon von ihrem Buch über Hitlers Privatsekretärin Traudl Junge, das zu der Zeit einige Fuore machte. Im Klappentext wurden mir einige neue biographische Fakten über Anne, ihre Familie und die anderen Hinterhausbewohner sowie Annes Zeit in diversen Duchgangslagern bis hin zu Bergen-Belsen, wo sie ihren viel zu frühen Tod fand, versprochen. Was aber mein Interesse vorwiegend weckte, waren angekündigte Passagen des Tagebuchs, die vor der Erstveröffentlichung von Annes Vater Otto Frank entweder verändert oder ganz gestrichen worden waren - das überraschte mich doch ziemlich, hatte ich doch geglaubt, dass Annes Gedanken im Original veröffentlicht worden waren. Ich machte mich also mit Neugier an das Buch, und diese Neugier wurde belohnt. Aber dazu später :-) ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Eine kurze Geschichte von Anne und ihrem Tagebuch ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Für alle, die das "Tagebuch" nicht gelesen haben und nicht besonders viel über Anne Frank wissen (ich hoffe mal, es sind wenige), werde ich hier noch einmal einen kurzen Abriss der Geschehenisse liefern: Annelies Marie Frank wird 1929 in Frankfurt am Main als Tochter von Otto und Edith Frank geboren. Ihre große Schwester Margot ist zu diesem Zeitpunkt 3 Jahre alt. Die Kindheit der beiden ist zunächst glücklich. Bankier Otto versorgt seine kleine Familie, Mutter Edith kümmert sich um den Haushalt. Doch mit der Machtübernahme der Nazis und dem anschwellenden Hass gegen die jüdische Bevölkerung wird das Leben in Deutschland für die Franks immer beschwerlicher. Bald wird über Flucht ins Ausland nachgedacht. Als Otto Frank eine Arbeit in Amsterdam angeboten wird, zögert er nicht länger. Er will sich zunächst dort etablieren und seine Familie später nachholen. Diese kommt zunächst bei der Großmutter in Aachen unter (in unmittelbarer Nähe zur Grenze eben, für den Notfall) und folgt Otto 1934 nach Holland. Margot und Anne haben sich schnell mit dem Leben dort arangiert und fühlen sich schon bald völlig als Niederländerinnen. Doch die Franks haben nicht mit der Eroberungswut des Naziregimes gerechnet, und mit der Eroberung der Niederlande 1940 sind sie auch dort ihres Lebens nicht mehr sicher. Schnell wird auch die jüdische Bevölkerung in Holland schikaniert und verfolgt. Trotz allem jedoch entwickelt sich Anne zu einem selbstbewußten, beliebten und energiegeladenen Mädchen, das besonders durch seine schon früh auftretenden schriftstellerischen Neigungen auffällt. Als sie von ihrem geliebten Papa "Pim" zu ihrem 13. Geburtstag ein Tagebuch erhält, ist das für sie der Himmel auf Erden, und bald sollten nur wenige Tage vergehen, an denen sie ihrem Tagebuch nichts anvertraut. Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, (...) und ich hoffe, du wirst mir eine große Stütze sein." - so lautet ihr erster Eintrag. Sie ahnte noch nicht, wie wahr diese Zeilen bald werden sollten. Denn der 5. Juli 1942 bildet einen schrecklichen Wendepunkt in Annes sorglosem Teenagerleben: Ihre Schwester Margot erhält einen Aufruf; sie soll in ein Arbeitslager nach Deutschland gebracht werden. Jeder wußte natürlich, was das bedeutet: Konzentrationslager. Doch Otto Frank hat vorgesorgt: Im geheimen Hinterhaus seines Betriebes war von ihm und seinen holländischen Freunden Miep Gies, Viktor Kugler, Johannes Kleiman und Bep Voskuijl ein Versteck eingerichtet worden, das seine Familie vor der Verhaftung durch die Nazis schützen sollte. In einer Nacht- und Nebelaktion ziehen die Franks zusammen mit dem Ehepaar van Pels und deren Sohn Peter ins Hinterhaus ein, später kommt noch der Zahnarzt Fritz Pfeffer dazu, den Anne nicht leiden konnte und im Tagebuch frech nur als "Dussel" tituliert. Über zwei Jahre gelingt es den Untergetauchten, durch ausgeklügelte Tagesabläufe und die Hilfe ihrer holländischen Freunde, unentdeckt zu bleiben. 1944, kurz vor Kriegsende, werden die Franks und ihre Mitbewohner jedoch verraten. Sie werden verhaftet und ins Durchgangslager Westerbork gebracht. Von dort aus kommt die Familie zunächst ins Lager Auschwitz, wo sie getrennt wird. Anne und Margot werden schließlich ins KZ Bergen-Belsen überstellt, wo sie, durch Hunger, Kälte und Krankheit geschwächt, kurze Zeit hintereinander sterben. Anne wurde 15 Jahre alt. Wer die Familien Frank und van Pels verraten hat, ist bis heute unbekannt. Otto Frank sollte das einzige Familienmitglied sein, das den Krieg überlebte. Sein erster Weg nach der Freilassung führt ihn zu Miep Gies, die ihm das Tagebuch seiner jüngsten Tochter überreicht - sie hatte es nach der Razzia im Versteck gefunden und an sich genommen. Otto Frank entschließt sich schließlich, das Vermächtnis seiner Tochter an die Öffentlichkeit zu bringen. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Meine Meinung zum Buch -auf einen einfachen Nenner gebracht - bei diesem Titel handelt es sich bei aller Tragik der Ereignisse um ein fesselnd geschriebenes Sachbuch, dass einige neue Fakten auf den Tisch bringt, dabei aber auch durch sensibel erzählte Parts besticht. Die Familie Frank bleibt für den Leser nicht abstrakt, sondern die einzelnen Mitglieder und auch die Anderen "Untergetauchten" werden für den Leser greifbar - auch anhand des Bildmaterials, das in dem Buch zu finden ist und von Familenfotos über amtliche Dokumente und kopierte Seiten aus Annes Tagebuch recht viel umfaßt. Viel von dem Fotomaterial ist auch auf der (übrigens hervorragenden) Website des Anne Frank Hauses (www.annefrank.org) zu finden, die auf jeden Fall einen Blick lohnt. Auch das versprochene Zusatzmaterial enttäuscht nicht. Besonders tragisch ist hier die Beschreibung von Anne's weiterem Schicksal - Müller konnte dazu Interviews mit damaligen Mitgefangenen führen, deren Aussagen jedoch manchmal ein wenig auseinander gehen - wahlweise wird Anne so beschrieben, wie man sie sich anhand ihrer Aufzeichnungen vorstellt - ein fröhliches, selbstbewußtes Mädchen, dass seinen Leidensgenossinen auch in der größten Not Mut zu machen versteht - ein wahrscheinlich eher idealisiertes Bild - oder auch verängstigt, schwach, vom Hunger gezeichnet, kahlgeschoren - wie es wohl eher der Wirklichkeit entsprochen haben mag. Insgesamt ist das Buch, beginnend mit der Festnahme der Franks, in 10 Kapitel aufgeteilt und enthält außerdem ein Nachwort von Miep Gies, einer der Helferinnen der Franks, die bald zur Vertrauten von Anne wurde. Ferner findet man einen ausführlichen Stammbaum der Familien Frank und Hollaender (Familie der Mutter). Sehr interessant sind vor allem auch die verwendeten Interviews mit Zeitzeugen, die am Rande in Annes Tagebuch auftauchen und deren weiteres Schicksal von Müller noch weiter verfolgt wird; beispielweise Annes erste Liebe Hello Silberberg, dem auf abenteuerliche Weise die Flucht aus Nazideutschland gelang; oder Annes bester Schulfreundin Jacqueline van Maarsen, die selber ein vielbeachtetes Buch über ihre Beziehung zu Anne geschrieben hat Ich persönlich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen und habe es doch in recht kurzer Zeit durchgelesen, was bei Sachbüchern ja tendenziell eher selten ist. Dieses Buch hier ist allerdings so ergreifend und spannend geschrieben, dass es auch ausschließliche Romanfreunde interessieren dürfte. Ich kann nur jedem ans Herz legen, dieses Buch begleitend zu Annes Tagebuch zu lesen, wobei ich ich insbesondere Schüler ansprechen möchte, die das Thema Nationalsozialismus und Holocaust vielleicht gerade im Unterricht durchnehmen. Ihr werdet nicht nur einige interessante uns spannende Hintergrundinformationen über Annes Leben gewinnen können, sondern auch massenhaft Stoff für Referate; für deren Vorbereitung sich dieses Buch meiner Meinung nach ebenfalls gut eignet, da es neben aller Faktenfülle nicht sehr schwer lesbar ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Ausgezeichnete und gut lesbare Biographie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen Anne Frank: Aktionstitel: Welttag des Buches (Taschenbuch)
Mit dem Buch „Das Mädchen Anne Frank" ist Melissa Müller eine ausgezeichnete biographische Darstellung des wohl berühmtesten Opfers des nationalsozialistischen Terrors gelungen. Die Einstiegsszene nimmt den Leser gleich voll mit ins Geschehen und während der Lektüre des 450 Seiten starken Werkes finden sich keine Längen. Melissa Müller zeichnet ein ausgewogenes und sehr anschauliches Bild über das Schicksal der jungen Anne, ihrer Eltern und ihrer Schwester Margot. Zudem gibt sie Aufschluss darüber, welche Passagen des berühmten Tagebuchs Otto Frank beispielsweise nach dem Krieg vor der Veröffentlichung zurück gehalten hat und rückt so die gemeinhin eher als schlecht angesehene Beziehung zwischen Anne und ihrer Mutter wieder etwas ins rechtere Licht. Diese war zwar zweifellos nicht die Beste, hatte sich aber im Laufe der Zeit doch deutlich entspannt und war von mehr Verständnis geprägt, das weist die Autorin deutlich auf. Im Buch selbst befinden sich entgegen meiner Erwartung nicht zu viele Zitate aus den Aufzeichnungen Anne Franks, so dass es sich wirklich nicht um eine bloße Nacherzählung des Tagebuchs handelt, sondern man den Eindruck gewinnt, man habe es mit einer gut recherchierten Biographie zu tun - und dies ist auch durchaus der Fall! Überaus interessant sind auch die biographischen Nachlesen zu den anderen im Leben Anne Franks auftauchenden Personen, die auf den letzten 60 Seiten geschildert werden. Für mich persönlich nicht recht ergiebig und eher etwas langweilig war das (kurze) literarwissenschaftliche Nachwort. Diesbezüglich interessierte Leser werden hier jedoch sicherlich auf ihre Kosten kommen.Alles in allem eine großartige und empfehlenswerte Biographie über Anne Frank, die ob ihrer klaren Ausdrucksweise und guten Lesbarkeit auch problemlos von Jugendlichen gelesen werden kann. - Volle Punktzahl! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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