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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mein Favorit für den Deutschen Buchpreis 2011,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen (Gebundene Ausgabe)
Drastisch, distanziert und kühl, fast sachlich erzählt die öffentlichkeitsscheue Autorin mit ostdeutschen Wurzeln eine Kindheit in der ehemaligen DDR, die das Wort nicht verdient. Nichts wird geschönt, alles benannt. Bleibt nur zu hoffen, daß nicht all zu viele eigene Erfahrungen dieser barbarischen Geschichte zugrunde liegen."Es gibt keine erkennbaren Gesetze für ihr Zusammenleben, keine gültige Gerechtigkeit; ein Vorfall, der ihr morgens eine Tracht Prügel einbringt, kann abends nur ein müdes Lächeln bei ihm hervorrufen. Er benutzt seine Hände beim Schlagen, anders als ihre Mutter, die den Gürtel bevorzugt, und das kommt ihr irgendwie gerechter vor." Erzählt wird die katastrophale Geschichte einer namenlos bleibenden Jugendlichen. Sie wächst auf mit einer teuflischen Mutter und einem alkoholkranken Vater, der nur gelegentlich anwesend ist. Meist jedoch ist sie die 12-jährige Heldin des Romans mit ihrem kleinen Bruder allein zu Hause. Nichts als Einsamkeit, Hunger und Langeweile. Also provozieren sie die Nachbarn, werfen ihre Exkremente auf die Straße und benutzen das Fenster zum Posieren. Ihr Lieblingsspiel: Überlebenskampf zwischen den Autos auf der stark befahrenen Straße. Kommt die Mutter nach Hause drohen Schreie und Schläge, gerne mit dem Gürtel und anschließend Arrest im Keller. Das ist ihr fast noch die liebste Zeit, denn hier kann sie ungestört in den Märchenwelten der Bücher und bei Abenteuern mit dem Graf von Monte Christo versinken. "Sie ist erschüttert von den Geschichten, liebt ihre Romanfiguren voller Zärtlichkeit." Von der überforderten Mutter zieht sie zum Vater, dann über eine Jugendstrafanstalt ins Heim. Nie wird etwas besser, stets verschlimmert sich ihre Lage. Im Heim ist sie das Gerippe, die Speiche oder der Hungerhaken. Sie kann essen, so viel sie will, sie nimmt einfach nicht mehr zu. Ständig auf der Hut, Gefühle unter Kontrolle, so pariert sie der Willkür der Eltern und wehrt sich mit ihren bescheidenen Möglichkeiten gegen Übergriffe, wie die von August Kreische im Jugendheim. Trotz der Isolation, Kälte und Gewalt entwickelt das Mädchen neben Ohnmacht und Wut auch einen unbändigen Überlebenswillen. "Eigentlich will sie nur davon kommen ..." Ihre Lieblingsvision: Als Meisterdiebin und Schwarzmarktkönigin bringt sie ihren kleinen Bruder durch die Hungersnot. "Das Mädchen" ist eine schrecklich-schöne Lektüre, die einem den Atem raubt. Was lange verschwiegen wurde, bricht sich hier Bahn. Demnach gab es auch im sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat eine verrohte Unterschicht. Trotz der allgegenwärtigen Kontrollinstanzen gab es eine soziale Verwahrlosung. Angelika Klüssendorf hat ihre Kindheit in der DDR verbracht, dennoch habe ich diesen Roman nicht als Abrechnung empfunden. Eine schwere Kindheit mit körperlichen oder seelischen Grausamkeiten ist leider überall möglich, wo Menschen wegsehen. Auch im vorliegenden Roman erleben Fußgänger den "Angriff der Stinktiere", aber niemand geht dem auf den Grund. Doch mehr noch als die gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit einer Kindheit in der DDR ist dieses Buch eine Erfolgsgeschichte. Denn das Mädchen wird überleben - die Mutter, den Vater, die sozialistischen Heime. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Überzeugende Milieuschilderung am Beispiel eines namenlosen Mädchens,
Von e-wolf "e-wolf" (farblos) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen (Gebundene Ausgabe)
Auf knapp 200 Seiten entwirft Angelika Klüssendorf ein farbloses Milieu, in dem getrunken, geschlagen, randaliert, gelogen, gestohlen und betrogen wird. Hier atmet, kämpft und überlebt ein namenloses Mädchen. Ein Refugium aus Träumen, Vorstellungen, Ideen und Spielen konstruiert sie sich eingesperrt im schmutzigen, lichtfreien Rattenkeller, in Häuserwracks, auf der Straße oder im Heim; umgeben von einer tobenden Mutter, einem alkoholkranken Vater, quengelnden, psychisch kranken, jüngeren Brüdern, verständnislosen Heimerziehern. Das Mädchen lernt, dass sie Farben zum Atmen und Leben selbst induzieren muss, sie weiter existiert, aber aufhört zu leben, wenn Träume verfliegen. Klüssendorfs starke Heldin hält durch - bis zuletzt, aus unergründlichen Gründen reift und lebt sie. Glückliche Momente, innere Farben, wenige Menschen lassen die resiliente Figur wachsen, während ihre Brüder erkranken.Der starke, schlichte Sprachstil, gelungene Bilder, überzeugende psychologische Wendungen lassen uns in die Figur einfühlen - wir wollen miterleben, wie es weitergeht. Viel zu früh endet ihre Geschichte - dabei vergessen wir, dass Klüssendorf uns klug und empathisch ein Milieu schildert und das Mädchen keinen Namen trägt. Ein Geniestreich - und eine unbedingte Leseempfehlung an alle Altersgruppen ! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine bewegende und in seinem Ansatz sehr radikale Coming- of- Age-Geschichte, sprachlich auf höchstem Niveau,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Das Mädchen (Gebundene Ausgabe)
Am Anfang fliegt Scheiße aus dem Fenster. Sie landet auf dem Bürgersteig und auf dem Strohhut einer Passantin, der Briefträger kann sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Das zwölfjährige Mädchen, dessen Geschichte in diesem wunderbaren und bewegenden Buch erzählt wird, wirft die Scheiße aus dem Fenster einer Wohnung im dritten Stock, um auf sich aufmerksam machen, um zu zeigen, dass es sie noch gibt. Denn sie und ihr sechsjähriger Bruder Alex sind seit Tagen in der Wohnung eingeschlossen. Da sie die auf halber Treppe befindliche Toilette nicht erreichen können, verrichten sieihre Notdurft in einen Eimer. Irgendwann kommt die Mutter wieder nach Hause, doch das ändert nichts. Denn die Geschichte der Kindheit und der Jugend dieses Mädchens, die Angelika Klüssendorf da mit durchaus autobiographischen Bezügen erzählt, ist traurig und furchtbar. Während er sich von der knappen und sehr präzisen Prosa Angelika Klüssendorfs immer mehr angezogen fühlt, wird der Leser von einer Katastrophe in die andere geführt. Denn mit jeder beschriebenen Episode aus dem Leben des Mädchens wird es schlimmer. Die Mutter des Mädchens arbeitet in einem Mitropa-Restaurant und ist auf eine Weise asozial und brutal, dass einen an manchen Stellen beim Lesen die nackte Wut packt. Doch das Mädchen ist stark, niemals ruft sie um Hilfe. Sie findet Trost in der Lektüre von Dumas' "Der Graf von Monte Christo", ein Buch, das sie einmal, um es ganz für sich behalten zu können, vollständig in mehrere Hefte abschreibt. Ihr bisheriges, von Prügel, Alkohol und fremden Männern im Bett der zunehmend verwahrlosenden Mutter hat sie hart gemacht. Sie lügt, sie stiehlt, schwänzt die Schule, und später, als sie vom Jugendamt in ein Heim gebracht wird, verprügelt sie auf brutale Weise wehrlose Kinder. Die Geschichte des Mädchens spielt in der DDR und zeigt, welches hässliche Gesicht dieser Staat auch hatte, welche Asozialität auch durch exzessiven Alkoholkonsum sich dort an den unteren Rändern einer Klassengesellschaft, die keine sein durfte, breit gemacht hatte. Doch diesen Teil der DDR zu zeigen, ist gar nicht das wesentliche Anliegen einer Autorin, die mit nüchternen Worten und ganz genau sich in die gequälten Seelen ihrer Figuren einfühlend, deren Ausweglosigkeit beschreibt. Doch "Das Mädchen" sucht immer wieder Auswege, sie flieht aus dem Heim, wird wieder zurückgebracht, sie gibt auf ihre eigene Weise nicht auf. Mit dem Wort Hoffnung wäre nicht ausreichend beschrieben, was sie treibt und nicht ruhen lässt. Es ist ein ihr selbst wohl erst später bewusst werdender Prozess der Selbstfindung mitten in einer absolut hoffnungslosen Existenz. Später im Heim ist es die Literatur, in der sie Halt und Trost findet. Regelrecht süchtig liest sie Bücher von Hemingway, Zola und Balzac. Man spürt schon bald, dass dieses Mädchen an dem, was ihr da widerfährt, an ihrem fruchtbaren Leben nicht zerbrechen wird. Man spürt, dass sie überleben wird. Angelika Klüssendorfs Roman ist eine bewegende und in seinem Ansatz sehr radikale Coming- of- Age-Geschichte, sprachlich auf höchstem Niveau und deshalb verdientermaßen auf der Short-List für den Deutschen Buchpreis 2011. Ein Buch, das einen mit Spannung auf Klüssendorfs nächstes warten lässt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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