Der norwegische Archäologe Bjorn Belto entdeckt in den Katakomben eines Kiewer Klosters ein uraltes Schriftstück, er schmuggelt es aus dem Land um sich ungestört damit beschäftigen zu können. Daraufhin beginnen seltsame Ritualmorde und Belto fühlt sich verfolgt, er taucht ab.
Im Großen und Ganzen ist das alles, was an einen typischen Thriller erinnert. Bis auf dass während Beltos Recherchen noch ein paar weitere dieser Morde passieren. Hinter denen stecken aber ein paar fanatische Mönche, die hinter der Schrift her sind, die Belto sein Eigen nennt und die ist auch der eigentliche Hauptdarsteller des Buches, nämlich das Luzifer Evangelium.
Das Buch geht auf die dunklen Seiten der Theologie ein. Dämonen, Weltuntergang, noch mehr Dämonen und natürlich Satan höchstpersönlich. Im Prinzip setzt sich die Geschichte aus zweien zusammen, die am Ende natürlich zusammen laufen. Die eine, die von Belto, spielt in der Gegenwart, die andere, die des Dämonologen Giovanni Nobile, irgendwann in den Siebzigern.
Die Geschichten sind zum Teil arg verwirrend, immer wiederkehrende elends lange Listen von Dämonen, die ich schon beim ersten Mal nur überflogen habe, versalzen den doch recht interessanten Brei ein wenig.
Der Hauptteil des Buches dreht sich also um das Mysterium des Luzifer Evangeliums. Was steht drin, was will es uns sagen, und ist überhaupt was dran an der ganzen Sache? Egeland vermischt dabei gekonnt Realität und Fiktion. Dabei dreht sich alles um religiöse Fragen, biblische Mythen und nicht zuletzt den Fanatismus, den der Glaube an eine höhere Macht auslösen kann.
Die Spannungskurve verliert in der Mitte ein wenig an Fahrt, zum Ende der 500 Seiten steigt sie dann aber wieder deutlich an. Das war auch der Punkt, an dem meine Finger im Minutentakt die Seiten umgeblättert haben.
"Das Luzifer Evangelium" ist kein typischer Thriller, die Beschäftigung mit Theologie bestimmt nicht jedermanns Sache. Trotzdem ist das Buch absolut lesenswert, nicht zuletzt deswegen, weil mich die ganzen essenziellen Fragen und Theorien, die hier aufgestellt werden, doch ganz schön zum Nachdenken angestachelt haben.