Man nehme ein kleines Sprecherensemble, fahre es in ein altes, verlassenes Landgut und lasse sie mit ihrem Script, begleitet von einem Tontechniker mit Galgenmikro, durch alle Räume agieren. Die Mitschnitte entstehen live am Stück, um (nach altem Hörspielvorbild) dem Hörer einen besonders authentischen, "schonungslosen" und "hyperrealistischen" Eindruck zu verschaffen.
Idee und Absicht klingen jedoch weit vielversprechender, als das fertige Hörspiel sich letztlich wirklich päsentiert. Von insgesamt zwei CDs werden inhaltlich rund fünfzig Prozent allein für die Vorbereitung verwendet. Für die eigentlichen Luferhaus-Aufzeichnungen bleibt nun nur noch eine CD, die vielleicht auch ausgereicht hätte, hätte man das Material atmosphärisch dichter komprimiert. Für meinen Geschmack waren die Tondokumente im Haus zu "overacted", es wurden (unangenehm) hörbar Geräusche verursacht, die gerade wegen der unnatürlichen Lautstärke unrealistisch, manchmal sogar unfreiwillig komisch wirkten und der Erzählung die Spannung nahmen. Generell empfand ich den Ton insgesamt (Sprache und Geräusche) extrem unausgewogen - ständig musste ich Passagen wiederholen oder die Lautstärke nachregeln, um sie besser zu verstehen. Das ist nicht authentisch, sondern nur lästig.
Die Geschichte/das (Dreh-)Buch selbst hat logische Schwächen und streckenweise unrealistisch agierende Protagonisten. Ich kann mich mit Fantasie in fast jeden (auch paranormalen) Plot einfinden, sofern er in sich STIMMIG ist. Alle Handelnden dieser Story blieben leider blutleer und auch das Horrorhaus wollte sich mir nicht gruselig erschließen.
Jede Schwäche allein betrachtet wäre verzeihlich, aber in der Summe stimmt das Gesamtpaket einfach nicht! Dass man sich eine kleine Szene noch via Passwort im Internet (Gespräch mit Bruder Richard) nachordern kann, war vielleicht als ulkiges Gimmick gedacht, hätte aber UNBEDINGT mit zum Hörspiel auf die CDs gehört! Da ich aber herzhaft über so viel Overacting dieses speziellen Dokumentes lachen musste (geht es dem Sprecher nach so viel Hyperventilation noch gut?), drängte sich der Verdacht auf, die Szene wäre deshalb schlicht entfallen.
Fazit: Ich habe weit mehr lachen müssen (dabei oute ich mich gerne als Weichei), als dass sich Gänsehautfeeling einstellen wollte! Daran ändert auch die schön gestaltete Internetseite nichts, die mit ein bisschen Brimbamborium das Hörspiel aufzumotzen und zu pushen beabsichtigt. Ein Blender mit viel Wind um Nichts!