Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Das Loch im Walfisch. Die Philosophie der Biologie
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Das Loch im Walfisch. Die Philosophie der Biologie [Gebundene Ausgabe]

Christian Göldenboog


Erhältlich bei diesen Anbietern.



Produktinformation


Produktbeschreibungen

wissenschaft-online

Die Wissenschaftsphilosophie hat in den vergangenen drei Jahrzehnten einen entscheidenden Wandel durchgemacht. Nur noch wenige Philosophen zeigen Interesse an abstrakten Theorien und angeblich universell gültigen Naturgesetzen. Stattdessen stehen Einzelwissenschaften mit ihren eigenen Erklärungsweisen und Modellen im Vordergrund. Diese Entwicklung wurde nicht unwesentlich von Debatten um den wissenschaftlichen Status der Evolutionsbiologie begünstigt, die sich als respektable Wissenschaft etablieren konnte, aber nie mit einer Physiker zufriedenstellenden Abstraktion, Vereinheitlichung und allgemein gültigen Gesetzen aufwarten konnte. Einige einflußreiche Schulen der Philosophie haben aus dieser Entwicklung gelernt und sich schon lange und unwiderruflich von der Vorstellung der Einheit der Wissenschaften verabschiedet. Christian Göldenboog versucht im Dialog mit bedeutenden Wissenschaftlern darzustellen, wie das Denken über Wahrheit, Naturgesetze und Erkenntnis von der Betrachtung der belebten Natur profitiert hat. "Das Loch im Walfisch" ist immens lesefreundlich, offenbart bedauerlicherweise aber tief gehende inhaltliche Schwächen.

Schon der Ausgangspunkt von Göldenboogs Ausführungen ist fragwürdig. Ob die Physik im späten 19. und im 20. Jahrhundert je den Status einer so genannten Leitwissenschaft hatte ist mehr als fraglich. Nur innerhalb eines kleinen Zirkels analytischer Philosophen genoss die Physik nahezu unanfechtbare Hochachtung. Andere bedeutende philosophische Denkschulen, wie beispielsweise die Phänomenologie, hatten mit der Physik schon immer vergleichsweise wenig am Hut und sind trotzdem für die Wissenschaften, beispielsweise die Kognitionswissenschaften, bedeutsam geworden. Auch die Kosmologie hat sich nie auf die Physik reduzieren lassen; seit dem 17. Jahrhundert spielen in der Kosmologie Betrachtungen über die Rolle von Leben im Weltall eine zentrale Rolle. Diese Spekulationen wurden zuerst von der Theologie und der antiken Philosophie des Atomismus, später fast ausschließlich vom Darwinismus inspiriert. Ein fragwürdiger Ausgangspunkt führt Göldenboog jedoch zu einer korrekten Schlußfolgerung: die Biologie bietet einen Blick auf Naturphänomene, der immense philosophische Implikationen haben kann. Auf eine völlig andere Weise als die Physik stellt die Biologie Fragen nach dem Aufbau der belebten Welt und nach unserer Fähigkeit, oft historisch bedingte Wirkmechanismen in der Natur zu verstehen.

Göldenboog vermag dann aber doch zu enttäuschen: der Leser sucht vergeblich nach Reflexion und kritischer Hinterfragung der vorgestellten Positionen. Seine Gesprächspartner dürfen ohne kritische Widerworte ihre Standpunkte vorbringen. John Maynard Smith ist zweifellos einer der bedeutsamsten und einflussreichsten Gestalten der modernen Evolutionsbiologie, aber seine Ausführungen über den Informationsbegriff in der Biologie sind trotzdem äusserst fragwürdig. Im Gespräch mit dem Ameisenforscher Bert Hölldobler wird jeglicher kritischen Auseinandersetzung mit der Soziobiologie aus dem Weg gegangen. Die Verwandtenauslese mag eine angemessene Erklärung für die Sozialität von Ameisen und anderen Hautflüglern sein, aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass die Gruppenauslese - ein wirklich böses Wort für viele radikale Soziobiologen - bei der Evolution der Sozialität bei Primaten und Menschen eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Eine Philosophie muss sich genau diesen umstrittenen Fragen stellen und darf sich nicht in einer Hofberichterstattung erschöpfen.

Wer nicht nur unterhaltsame Lektüre, sondern eine lesbare und gleichzeitig kritisch-reflexive Einführung in die Philosophie der Biologie (was meist Evolutionsbiologie bedeutet) und ihrer Erklärungsmodelle sucht, sollte Göldenboogs Buch meiden. Deutschsprachige Bücher bewegen sich leider entweder in der dünnen Luft der hohen Abstraktion, wie beispielsweise Martin Mahners und Mario Bunges "Philosophische Grundlagen der Biologie" (Springer), oder auf der Ebene der Trivialität. Bedauerlicherweise nur auf Englisch erhältlich ist Kim Sterelnys und Paul Griffiths' "Sex and Death" (University of Chicago Press), eine hervorragende, jargonfreie Einführung in die Philosophie der Biologie. Rezensent: Thomas P. Weber

Spektrum der Wissenschaft

Aus Sicht der Philosophie ist es die Biologie, die den naturwissenschaftlichen Stein des Anstoßes bildet, nicht die Physik. Mit den klaren physikalischen Gesetzen kann sich ein Philosoph abfinden, sogar anfreunden. Aber selbst Physiker wie Richard Feynman, und von ihnen geistig genährt auch Teile des Wissenschaft konsumierenden Publikums, sehen eine Kluft zwischen den so genannten exakten Naturwissenschaften und der Biologie.
Nach Feynman – und vielen anderen Physikern – ist Ziel jeder Naturwissenschaft, vorauszusagen, was in einem nie ausgeführten Experiment geschehen wird; er behauptet sogar, dass alles, was Lebewesen tun, daraus verständlich zu machen wäre, dass sie aus Atomen zusammengesetzt sind, die sich gemäß den physikalischen Gesetzen verhalten. Aber ein System, zumal ein lebendes, besteht nicht nur aus seinen Teilen, sondern wesentlich aus dem Zusammenspiel dieser Teile. Auf höheren Integrationsebenen entstehen "emergente" Eigenschaften, die sich aus der Kenntnis der Bestandteile niederer Ebenen nicht ableiten lassen. Für Ernst Mayr, den wohl größten lebenden Evolutionsbiologen und wichtigsten Denkpartner im vorliegenden Buch, ist das ein grundlegendes Merkmal der organischen Welt.
Der Journalist Christian Göldenboog ("Süddeutsche Zeitung" und "Philosophie heute") unternimmt es, die Rolle der Biologie für die Wissenschaftsphilosophie zu klären. Mit Wissenschaft ist hier (selbstverständlich?) Naturwissenschaft gemeint.
Weltformelsüchtige Wissenschaftler möchten die ganze Biologie – mit ihren zu wenig konkreten Gesetzmäßigkeiten, den ständigen Neuerungen durch Evolution und Lernvermögen sowie den zuweilen widersinnig erscheinenden Marotten der Partnerwahl unter sexueller Selektion – nicht nur mit spitzen Fingern, sondern am liebsten gar nicht anfassen. Ist die Biologie, wenn es in ihr zwar genetische Programme, aber keine universalen Gesetze gibt, überhaupt eine richtige Wissenschaft? Nun, sie ist zumindest unabhängig von den physikalischen Wissenschaften. Das ermisst Ernst Mayr daran, dass noch keine revolutionäre physikalische Theorie irgendeine Änderung einer biologischen Theorie zur Folge hatte. Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn, außer im Licht der Evolution, schrieb der Genetiker Theodosius Dobzhansky; ersetzt man "Evolution" durch "Gravitationsgesetz" oder "Unbestimmtheitsrelation", so wird der Satz unsinnig.
Göldenboog nimmt vor allem das spezielle Problem der Evolution aufs Korn, ausführlich am Beispiel der Entstehung der Arten und der Molekularbiologie. Und er hebt dann die Biologie als neue Leitwissenschaft hervor, und zwar in Form von teils wörtlichen, teils virtuellen Gesprächen mit einem Physiker, einem Populationsgenetiker, einem Evo-lutionsgenetiker, einem Soziobiologen, und abschließend mit Ernst Mayr. Ganz gut heraus kommen dabei die unterschiedlichen Denk- und Argumentationsweisen, aus denen ein Gesamtbild der Biologie entstehen muss. Bevor es aber dazu kommt, kann der Leser durch verschiedene fachspezifische Fenster auf Teile dieses Gesamtbilds blicken, und er muss dabei zuweilen kräftig mitdenken.
Ein Vorteil für ihn ist, dass der Autor des Buchs sich in diese vielschichtige -Materie selbst einarbeiten musste und so die Lage des Lesers noch mühelos nachvollziehen kann. Wo allerdings Herr Göldenboog stockt, bleibt auch ein eifrig mitdenkender Leser ratlos. Es ist richtig, dass ein Helfer seinen eigenen Genen nützen kann, wenn diese auch im Hilfsbedürftigen stecken; die Wahrscheinlichkeit dafür wächst mit dem Verwandtschaftsgrad. Aber bei der Frage, auf wessen Konto dieser Nutzen zu buchen ist (des Helfers? des Nutznießers? der gemeinsamen Gene?), geht es dann durcheinander.
Bei Bienen sind Schwestern näher miteinander verwandt als Mutter und Tochter; so gelangen mehr Kopien der eigenen Gene in die nächste Generation, wenn Arbeiterinnen unfruchtbar sind und Schwestern aufziehen. Aber das wirkt sich evolutionär nur aus, wenn diese Schwestern nicht unfruchtbar bleiben, sondern Königinnen werden. Und Söhne, die ja zu hundert Prozent mit Mutter und Schwestern verwandt sind, sollten erst recht pflegen, tun es aber nicht.
Teleologisches Argumentieren, das in den Naturwissenschaften keinen Platz hat, wird im Text zwar mehrmals verurteilt, schleicht sich aber dann doch durch einen Sprachstil ein, der das Ergebnis als Zweck beschreibt: "Will eine Art überleben, so benötigt sie …" statt "Wenn eine Art überlebt hat, dann hatte sie …"; oder "Wenn die Population zahlenmäßig gleich bleiben soll …"; aber soll sie denn?
Nicht nur Biologiestudenten werden in dem Buch viel Wissenswertes und Anregendes entdecken und auf moderne Facetten einer faszinierenden Biologie stoßen, und zwar in einem weiten Fächer von Denkrichtungen, von der Doppelhelix bis zu außergalaktischem Leben. Eine Philosophie der Biologie, die der Untertitel des Buches andeutet, werden sie sich selber daraus machen müssen.
-- Wolfgang Wickler

Tags

 (Was ist das?)
Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.
Tags erleichtern allen Kunden die Suche und die Sortierung ihrer Lieblingsprodukte.
 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Noch keine Kundenrezensionen vorhanden.
5 Sterne
4 Sterne
3 Sterne
2 Sterne
1 Sterne

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:


Ihr Kommentar