Dieses Buch ist großartig, in dem Sinne, dass es eine subjektive Bestandsaufnahme unserer Gegenwart ist, die in die Zukunft überdauern wird. Iris Hanika sitzt menschenbeobachtend in Cafes und besucht Auschwitz, sie spricht absolut "unpeinlich" über die Sehnsüchte in Sachen Liebe, sie weiß auf so schön selbstironische Weise auszudrücken, wie die Ideale der in den 60er Jahren Geborenen scheinbar harmlos zusammenschrumpften, lauter kleine Episoden beobachtet sie, wie jemand, der ständig sein Tagebuch dabei hat - eine sehr kluge, wunderbar intellektuelle Autorin und eine oft erfrischend zynische, meistens doch berührend gefühlvolle Beobachterin, die weder sich noch andere schont und es gerade deshalb schafft, dass man sich mit ihrem Blick erkenntnis-erhellend identifizieren kann. Ganz toll -verwandt mit den Tagebüchern von Max Frisch. Und ich bin sicher, dass Hanikas Aufzeichnungen in ihrer sprachlichen Qualität und Anekdotenkraft eine ähnliche Bedeutung bekommen werden. Ein aufgehender Stern, dessen Leuchten man nicht verpasen sollte, aber wahrscheinlich auch kaum verpassen kann!