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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Honigsüß und bitterböse,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Gebundene Ausgabe)
Narren aller Länder vereinigt Euch!Schenkt man Erasmus von Rotterdam Glauben, so ist die Torheit eine Frau. Was auf den ersten Blick wie eine Plattitüde wirkt, ist in Wahrheit revolutionär. Denn das Buch, von dem hier die Rede ist, wurde bereits 1511 veröffentlicht. Im selben Zeitraum begann gerade der schwunghafte Sklavenhandel, wurde der Ketzer Savonarola hingerichtet, befahl der Papst Bücherverbrennungen „unchristlicher Werke“ und Kaiser Maximilian „die Zerstörung aller sakralen Werke außer der christlichen“. Und in diesem Klima kommt nun ein Theologe daher und lässt eine Frau sprechen, macht sie gleichzeitig zu Ankläger, Verteidiger und Richter. Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf Institutionen wie die Stände, Gilden und den Klerus sondern zieht auch über gesellschaftliche Normen wie die Ehe, Glauben, Krieg und Militarismus her. Erasmus selber wurde als unehelicher Sohn eines Priesters 1466 in Rotterdam geboren und trat als junger Mann in ein Kloster ein. Doch schon bald danach trat er als Sekretär in die Dienste des Bischofs von Cambrai und von dort nach Paris. Er kehrte sich vom Klosterleben ab, wurde vom Papst seines Gelübdes entbunden und bereiste Europa. Durch seine streitbaren Schriften und der Kritik an der Kirche, dem Klerus und dem Mönchtum war er ein Wegbereiter der Reformation. Doch distanzierte er sich später von Luther und anderen Reformern, da er sich eher als Theoretiker denn als Kämpfer in der ersten Reihe sah. In diesem Geiste verfasste er auch „Das Lob der Torheit“ innerhalb einer Woche bei einem Besuch bei seinem Freunde Thomas Morus in England. Die Väter des politischen Kabaretts Die sarkastische Schrift erfreute sich bald großer Beliebtheit und erschien noch zu Lebzeiten von Erasmus in 36 Auflagen. Die Obrigkeit war gegen dieses Buch machtlos, da ja eine Närrin über angebliche Torheiten berichtet. War dies nun ernst gemeinte Gesellschaftskritik oder nur eine Büttenrede im Karneval? Ähnlich wie der zeitgleich in der Literatur auftauchende „Till Eulenspiegel“ und kurze Zeit später der Roman „Utopia“ von Thomas Morus handelt es sich um ein damals wie heute erschreckend aktuelles Werk. Natürlich sind es heute andere Narreteien, die begangen werden. Doch die Grundtendenz ist unverändert. Auch heute werden gesellschaftliche Missstände häufig als gegeben angenommen und einer breiteren Öffentlichkeit erst durch satirische Bloßstellung bewusst gemacht. Diese Aufgabe haben damals wie heute die Narren, Schelmen und „Eulenspiegel“, die uns einen Spiegel vorhalten, eine Nase drehen und mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Scharlatane, Gaukler und Taschenspieler mit ihren billigen Tricks zeigen. (C) Wolfgang Haan Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Humanistische Brillanz,
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Gebundene Ausgabe)
Dieses dem englischen Staatsmann Thomas Morus gewidmete Buch ist nicht nur ein ironisches Porträt seiner Zeit, sondern auch eines seiner selbst. Die Zusammenfassung von Amazon ist gut und muss nicht ergänzt werden. Auch wenn ich es schon vor einiger Zeit gelesen habe, diese Ironie, diese Schärfe bewundere ich immer noch. Für mich ist es eines der prägenden Bücher. Doch nicht nur die literarische Leistung bewundere ich, sondern auch den Mut der dazu gehört, dieses, die herrschenden Kasten heftig kritisierende Werk zu schreiben. Mönche, Theologen, gelehrte, Bischöfe, der Pabst - alle bekommen ihr Fett weg. Ich kann dieses Buch jedem Leser nur wärmstens ans Herz legen. Wer noch ein wenig mehr über die Hintergründe erfahren möchte (z.B. warum Erasmus von Rotterdam als Wegbereiter der Reformation angesehen werden kann), dem empfehle ich die Biographie von Stefan Zweig "Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Kritik am Lob...,
Von Kankin Gawain "Bis übermorgen dann..." (Eutopia) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Das Lob der Torheit (Taschenbuch)
"Das Lob der Torheit" hat Erasmus der Göttin der Torheit, Moria selbst, in den Mund gelegt. Es ist eine beredte und gescheite Apologie, voll bissigen Spotts für die Mißstände ihrer Zeit, aus Sicht eines großen, umfassend gebildeten Humanisten. Und hier liegt mein Problem: Erasmus schreibt für einen anderen großen Gelehrten, Thomas Morus, seinen Freund, dem er das "Lob" der Namensverwandten augenzwinkernd widmet. Wir anderen können alllerdings nur daneben stehen und uns am Kopf kratzen - ist doch der gesamte Text gespickt mit geistreichen Verweisen und Anspielungen auf die antike Mythologie, historische Begebenheiten und biblische Geschichten: für 109 Seiten Text in Reclam-Heftchen-Größe braucht der Herausgeber 250(sic!) Fußnoten, um das Geschriebene einigermaßen verständlich zu halten. Bei mir entstand der Eindruck, als handle es sich bei dem Gelesenen um eine Art "Suchspiel für gelehrte Humanisten" ("verstehst du meine Anspielung oder musst du noch mal bei Ovid nachschlagen?") - ich halte diese Erklärung sogar für wahrscheinlich. Mag auch sein, dass es eben die "gelehrte Torheit" ist, die sich so üppig der klassischen Bildung bedienen muss, sind es doch auch die Scholastiker und Schreibstubengelehrten, die bei Erasmus besonders schlecht wegkommen; was zu meinem zweiten Problem führt: Der Text redet am heutigen Menschen vorbei. Die Zielscheiben seines Spottes, der hypokrtische, aber wohlbeleibte Mönch etwa, oder der grauharige, griesgrämige Stoiker, der misanthropisch über spätmittelalterlichen, vielleicht alchemistischen(?) Traktaten sitzt, entspricht einfach nicht mehr unserer Definition des "Weisen", den Erasmus durch den Renaissance-Kakao ziehen will. Unser "Archetypus" der Weisheit ist eher der vor Lachen bebende Dalai Lama, ein Abbild der Menschenfreundlichkeit, an dem auch Erasmus Moria alle guten Haare gelassen hätte (die er nicht hat).Was heißt das? Das heißt wohl, dass sich der Text überlebt hat. Für uns Moderne ist er kaum noch witzig, und leider auch kaum noch verständlich, weil er eine Bildung voraussetzt, die nicht zu haben - sorry - keine Schande (mehr) ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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