"Die Zukunft ist nicht etwas, das zu uns kommt,
sondern etwas, zu dem wir gelangen."
(M. Guiot)
Unter dem Titel "Das Linksphänomen - Eine Entdeckung und ihr Schicksal" wurde das Buch erstmalig im Jahre 1989 vom damals gerade gegründeten "LinksDruck" Verlag veröffentlicht. Als Autoren der 173seitigen Erstausgabe zeichneten sich seinerzeit Dr. Dr. Wachtel (1930 - 1998) und Andrej Jendrusch verantwortlich....
.....zwanzig Jahre später, zum Jubiläum des mittlerweile in "Christian Links" umbenannten Verlages, ist nun unter der Federführung Dr. Manfred Ritschels eine 2. aktualisierte und erweiterte Auflage publiziert worden. Unter dem Untertitel "Die eigenwillige Prägung des Lebens" erwarten den Leser nunmehr 191 Seiten.....
.....die bereits nach einem Vorwort von Andrej Jendrusch in einer Einleitung einen beeindruckenden Überblick über die Ubiquität des "Linksprinzips" zu bieten haben. So führte die Entdeckung, dass beim Beta-Zerfall von Kobalt-60-Isotopen etwa 30 % mehr links-, als rechtshändige Elektronen entstehen, zum "Sturz der Parität". Auch "Die Richtung der Zeit" spielt bei dieser Asymmetrie eine wichtige Rolle, was experimentell bei einem unregelmäßigen Mesonenzerfall beobachtet werden konnte. Hochkomplizierte links gedrehte Nukleinsäuregemische und Proteine sind die Basis allen Lebens. Schließlich folgt auch die DNA-Spirale der linken Chiralität......
Vögel fliegen durchweg in einer Linkskurve ins Futterhäuschen und verlassen es auch wieder in einer Linkskurve. Bienenschwärme beschreiben eine Linksspirale. Krähenschwärme greifen entgegen des Uhrzeigersinns an. Auch bei der Fauna ist das Phänomen der Linksdrehung zu beobachten. Bei sämtlichen höher entwickelten Tieren hat sich aus einer phylogentischen Notwendigkeit heraus eine rascher als der Körper wachsende Verdauungsoberfläche und damit eine Links-Asymmetrie der Bauchhöhle entwickelt.
Die Problematik der Chiralität weder etwas mit Parapsychologie zu tun, noch etwas mit Pseudo-Wissenschaften, die sich mit Psi-Kräften oder Erdstrahlen befassen, gemein. Während die linke Gehirnhälfte als Sitz der rational-schöpferischen Fähigkeiten gilt, wird der rechten Intuition und Emotionalität zugeschrieben. Infolge einer räumlich-zeitlichen Arbeitsteilung ist die rechte Hemisphäre des Gehirns mit der Vergangenheit, die linke mit der Zukunft verknüpft. Die Pye-Smith-Webersche Kampftheorie erklärt, warum sich der ursprünglich linkshändische Mensch zum Rechtshänder entwickelte. Zuerst musste er sein eigenes Herz schützen, um mit bewaffneten rechten Hand auf dem kürzesten Weg auf die linke Brust des Gegners zu zielen.
Tibetische Mönche betreiben ihre Gebetsmühlen seit Jahrtausenden mit einer Linksbewegung, ebenso die Diskuswerfer. Das Kapitel "Rechts-Links-Verständnis in der Kulturgeschichte" bringt weitere Bespiele aus der Etymologie verschiedener Sprachen, moralischen Bewertungen und der Heraldik. Das Stilmittel der Spiegelsymmetrie wurde beim Übergang von der dekorativen zur Realistischen Malerei durchbrochen.
Das am meisten faszinierende Thema ist jedoch der Einsatz seltener rechts gewundener D(-)-Milchsäure bei der Krebstherapie, bei der betroffene Zellen durch Sauerstoffentzug bei gleichzeitiger Glucosezufuhr zur Gärung angeregt werden. Die Übersäuerung des Gewebes führt zu einer Hemmung des Krebszellenwachstums.
Die Schwierigkeiten mit denen die Autoren seit einem gecancelten Dokumentarfilm und ihrer Patentanmeldung 1977 (Verfahren zur Beeinflussung räumlich orientierter Materiebausteine)in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik zu kämpfen hatten, ziehen sich als roter Faden durch das Buch. Ihre Entdeckungen wurden als Geheimpatent und Staatsgeheimnis von militärischem (!) Interesse eingestuft. Von der Staatssicherheit und der Hauptabteilung des Amtes für Erfindungs- und Patentwesen der DDR" zur Geheimhaltung genötigt, von anderen Behörden und Institutionen hingehalten, wurde ihnen eine weitere Erforschung und ein Austausch mit anderen Wissenschaftlern erschwert, sogar untersagt.
"Das Linksphänomen" ist auch nach 20 Jahren ein faszinierendes Sachbuch, das sich teilweise wie ein Thriller lesen lässt. 81 Abbildungen, Tabellen und Synopsen, sowie ein vierseitiger Anhang mit "verwendeter und weiterführender Literatur" runden das Gesamtbild einer multiwissenschaftlichen Lektüre ab.
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