Die Auswahl der Lieder ist überwiegend prima gelungen (nur drei Ausnahmen von 72, gute Quote - die drei angesprochenen Lieder verstehen Kinder einfach noch nicht).
Die Stücke werden überwiegend sehr gut gesungen. Wenn man die Ohren seiner Kinder (gerade wenn sie musikalisch begabt sind) nicht nur an den aktuell gängigen Schlager-Synthesizer-Kinderliedersound gewöhnen will (übrigens meistens in viel zu tiefen Lagen für Kinderstimmen gesetzt), sondern an gute und sauber intonierende Stimmen, auch an mehrstimmigen Chorgesang in teilweise auch schon komplexeren Vokalsätzen, dann liegt man hier richtig.
Natürlich gibt es Unterschiede.
Am allerbesten ist der Kinderchor des NDR. Sowohl der Gesamtklang als auch der Gesang der kleinen Solisten sind einfach wunderschön, glockenrein und dabei völlig ungekünstelt. Kein bißchen "Ich trimm die Kinder auf Opernsound". Einfach perfekt. Ich habe mir sofort deren Kinderlieder-CD bestellt.
Die übrigen Profi-Knabenchöre (Wiener Sängerknaben, Regensburger Domspatzen u.a.) sind natürlich mehr auf klassischen Gesang getrimmt, was zwar hier und da auf Kosten der Natürlichkeit geht, aber überwiegend nicht schadet, weil die Sachen trotzdem einfach schön gesungen sind. Als besonderes Highlight empfand ich hier einen Wiener Solosängerknaben, der ganz allein mit Klavierbegleitung "Die Blümelein, sie schlafen" von Brahms gesungen hat. Einfach Klasse.
Dann gibt es mehrere weniger bekannte Kinderchöre gemischter Qualität; es bewegt sich aber alles auf einem relativ hohen Niveau, und vor allem stimmt die Intonation fast immer. Überhaupt hat mich die Vielfalt und der Abwechslungsreichtum der verschiedenen Arrangements begeistert. Man hat hier also keineswegs immer einen homophonen Standard-"Kirchenchorsatz", sondern es gibt viele witzige Kombinationen. Viele kleine Solisten, Kleingruppen, dann wieder tutti-Klang, originelle Instrumentalbegleitungen, eigentlich ist von allem was dabei.
Dann ist da noch Hermann Prey mit Knabenchor und Orchesterbegleitung. Meine Vorbehalte waren im Vorfeld groß, aber ich bin sehr positiv überrascht gewesen. Prey singt relativ ungekünstelt und beinahe knödelfrei, das Wechselspiel mit dem Knabenchor ist ganz toll, und die Arrangements z. T. sehr originell. (Hier reihen sich allerdings zwei der drei Nicht-für-Kinder-Lieder ein, die ich oben erwähnt habe, nämlich "Es freit ein wilder Wassermann" - schon der Titel sollte abschrecken - und "Winde wehn, Schiffe gehn" - in einem völlig unkindgerechten "Fliegenden-Holländer-Sound" umgesetzt).
Nicht 100%ig vom Hocker rissen mich "Jürgen Schöntges & Freunde" mit ihrem in den 80er Jahren sicher topaktuellen "Liedermachersound". Es ist nicht schlecht, aber erheblich weniger gut gesungen als der Rest. Als Abwechslung zum Chorgesang ist es aber sicher eine gute Idee gewesen, und erstaunlicherweise fand ich z.B. "Der Mond ist aufgegangen" in Schöntges Version nach anfänglichem Stutzen sogar ziemlich gut. Wenn man hier einen klassischen Chorsatz genommen hätte, wär's zu kirchenmusikmäßig geworden.
Sehr niedlich sind natürlich die ganz Kleinen, die einige Lieder quäken. Der "Süß-Effekt" haut voll rein. Schade ist dabei, daß man die Melodie der Lieder teilweise nicht mal mehr ansatzweise erkennt, weil anscheinend bewußt Kinder ausgewählt wurden, die überhaupt keine Tonhöhe halten können. Also, GANZ so realitätsnah muß es für eine Musik-CD dann doch nicht sein... man hätte vielleicht ansatzweise musikalische Kinder dafür nehmen können.
Die Gesamtwertung fällt aber ohne Zweifel fünfpunktig aus, weil das Ganze einfach richtig gut gelungen ist, sei es schon allein, weil's ein repräsentativer Rundumschlag des klassischen Kinderliederrepertoires ist.
Ich hab jetzt mal das Buch zur CD bestellt und bin gespannt.