Nachdem ich auf anderen Fantasy-Sites (Rad der Zeit) nur Gutes zum "Lied von Eis und Feuer" gehört hatte, sprich, es wurde absolut über den grünen Klee gelobt, beschloss ich, mir die Wartezeit zum 30. RdZ-Band zu verkürzen und in einen anderen Zyklus reinzuschnuppern.
Was habe ich erwartet? Ein hoffentlich ganz ordentliches Buch, klar. Was habe ich gefunden?
Das mit Abstand BESTE Fantasy-Werk, seit dem "Herrn der Ringe"!!!
Dabei kann man LvEuF kaum mit dem HdR vergleichen, anders gesagt, hier findet man keine märchenhaft schöne Welt, keine klare Trennung in Gut und Böse.
Es ist eine wirklich gute Darstellung einer mittelalterlichen Welt, mit Schmutz, Düsternis, höfischen Intrigen, und eben auch den menschlichen Bedürfnissen, vorsichtig ausgedrückt.
Zugegeben, ich habe noch in keinem Fantasy-Buch so häufig Sexuelles gelesen, und hier zum ersten mal das Wort, das mit "f" beginnt und mit "icken" endet. Dies gibt dem Buch diese gewisse Derbheit, die ihm m.E. seine glaubhafte Wucht verleiht, von Lesern, die eine märchenhaft schöne Welt erwarten (weil sie ansonsten einen historischen Roman a la "Säulen der Erde" lesen könnten) womöglich aber abgelehnt wird.
Auch deutet "Eisenthron" (die dt. Fassung der engl. Originalausgabe, im TB in zwei Teile zerstückelt) die Fantasy-Elemente erstmal nur an, es liest sich tatsächlich wie ein historischer Roman.
Das tut dem Lesespaß aber nicht den geringsten Abbruch, denn die Chars sind so großartig dargestellt - m.E. DER Aspekt, der das Buch so erstklassig macht. Eddard Stark, der quasi aus Ehrenhaftigkeit besteht und dem diese seine Ehre zum Untergang gereicht, seine Tochter Sansa, die förmlich selbst in einer "klassischen" Fantasy-Welt voll von edlen Rittern und dergleichen mehr lebt, daraus aber böse erwachen muss, sein Sohn Bran, der mit seiner Verkrüppelung zurechtkommen muss, und, und, und.
Als kleinen, negativen Aspekt, der aber mehr der dt. Übersetzung zuzuschreiben ist, sehe ich das zu starke Beibehalten englischer Begriffe in der deutschen Fassung. Dass aus "Mylord" nicht "mein Herr" wird, das ist noch im Rahmen, doch hätte man gewisse Namen und Titel ins Deutsche übertragen können. Z.B. "Lord Commander" oder "Ice" (Starks Schwert).
Letztlich fällt dies nicht wirklich ins Gewicht.
Wie die Drachen im weiteren Verlauf dargestellt werden, bleibt abzuwarten. Eigentlich bin ich der Ansicht, es gebe schon genug Fantasy-Werke mit Drachen, aber das kann ich (noch) nicht beurteilen.
Nichtsdestotrotz, ich habe noch nie so bereitwillig 5 Sterne vergeben. Das "Rad der Zeit", die beiden Eddings-Zyklen, sie verblassen daneben.
Kurzum: Lest es! Ihr werdet es nicht bereuen.