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Die Handlung setzt direkt nach dem grandiosen Finale des Vorgängers Die Königin der Drachen ein. Die sieben Königslande sind vom Krieg verheert. Cersei versucht für ihren Sohn Tommen die Macht über das Reich zu sichern. Doch werden im ganzen Land Pläne geschmiedet, diese Macht ins Wanken zu bringen. Die Konflikte zwischen den Adelshäusern, den umherziehenden Banden und religiösen Fanatikern bereiten den Krähen so manches Festmahl ...
Zeit der Krähen beschränkt sich auf die Hälfte der bekannten Hauptfiguren -- Tyrion und Daenerys zum Beispiel werden erst in späteren Bänden wieder auftauchen -- und baut vorerst nur langsam auf, was in Band 8 Die dunkle Königin zu einem überraschenden Showdown führen wird. Was Spannung und Dramatik angeht, kann Zeit der Krähen darum nicht mit dem Rest der Serie mithalten.
Aber die Detailfülle, die realistischen Schilderungen und Figurenmotivationen sind auch hier wieder atemberaubend. Die raue, mittelalterliche Welt Martins ist so plausibel, so echt, dass man sie mit der Wirklichkeit verwechseln könnte. Martin lässt sich nicht zu einem Gut-Böse-Schema à la Tolkien hinreißen, er verzichtet auch auf jegliche Effekthascherei mit abgenutzten Fantasy-Elementen. Er setzt voll auf seine Figuren und die Glaubwürdigkeit seiner Welt. Das ist ergreifend, spannend, überraschend und zuweilen zutiefst erschreckend.
Das Lied von Eis und Feuer ist schon jetzt ein unbestrittener Klassiker der Fantasy-Literatur, von Kritikerlob weltweit überhäuft und von unzähligen Autoren nachgeahmt. Und Zeit der Krähen macht zum nunmehr siebten Male deutlich, warum diese Serie ist, was sie ist: ein Meisterwerk! -- Simon Weinert -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Viele Fans waren nach dem Erscheinen des vierten Bandes enttäuscht. Zu wenig Action, zu langwierige, zu psychologische Handlungsstränge. Ich verstehe das Argument, kann mich jedoch nicht anschließen. Der Krieg ist nunmal vorbei, auch wenn der Blutzoll von den kleinen Leuten weiter entrichtet wird. Dieser Band zeigt die ganze desolate Stimmung im Land, er beschäftig sich mit den Menschen, vertieft Charakterbildung, gibt Einblicke. Und wirft düstere Schatten voraus...
Negativ zu bemerken ist jedoch, da dieser Band im Prinzip nur ein halbes Buch ist. Es konzentriert sich einzig und allein auf die Geschehnisse südlich des Neck. Jon, Tyrion, Danaerys - keiner von ihnen findet mehr Erwähnung als in einem Nebensatz. Nur Danearys bekommt ganz am Ende ein Kapitel, daß allerdings schon vor Jahren im Internet zu lesen war. Mehr von diesen Personen erfahren wir erst im nächsten Band, "A Dance with Dragons". Der Grund dafür liegt in der Fülle der Seiten. Hätte man die beiden Bücher in eines gefaßt, hätte man einen Türstopper von der Größe einer Bibel mit hauchdünnen Seiten.
Doch ein Buch von Martin kann, wenn man die allgemeine Bücherqualität in Betracht zieht, nie weniger als 5 Sterne erreichen. Schon gar nicht, wenn es auf der Nummer 1 der amerikanischen Bestseller-Listen landen.
Also bleibt nichts weiter, als mit den Zähnen zu knirschen und sich auf den nächsten Band zu freuen. Und den übernächsten, in dem dann die Personen dieses Bandes erneut auftauchen und ihre Geschichten weitererzählen dürfen.
Bis dahin muß das Herzhämmern notgedrungen gezähmt werden. Viel Spaß beim Eintauen in eine fremde und doch so vertraute Welt.
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