Aus der Amazon.de-Redaktion
Dabei sah der Alltag für Henny Brenner, geborene Wolf, und ihre Familie in den Zwanzigerjahren noch ganz normal aus. Beide Elternteile -- der Vater protestantischer Herkunft (und während des Ersten Weltkriegs überzeugter Kriegsdienstverweigerer), die Mutter Jüdin -- waren sowohl bei den meisten christlichen Nachbarn als auch in der liberalen Jüdischen Gemeinde angesehene Eheleute. Ein gut gehendes Kino sorgte für ausreichenden Unterhalt. Erst als die Nazis an die Macht gelangten, nahmen die Dinge ihren Lauf, wie wir es sattsam kennen: Staatliche Repression und aufgeputschter Antisemitismus machten der jüdischen Bevölkerung das Leben immer schwerer, der Krieg brachte dann schließlich Vernichtung in den Lagern oder, wie im Falle Hennys, Zwangsarbeit. Die Wolfs überlebten das Kriegsende mit viel Glück, fanden aber danach wieder keine Ruhe. Die politische Atmosphäre im "Ostblock" war zu Beginn des Kalten Krieges antijüdisch verseucht (Siehe auch: Karin Hartewig, Zurückgekehrt). 1952 setzten sie sich in den Westen ab.
Brenner berichtet über ihre Erlebnisse in einem sehr knappen und dennoch unmittelbaren, persönlichen Stil. Ihre Stärke ist die Beschreibung der "Selbstverständlichkeit" jüdischen Lebens in Deutschland, und das oft mit einer beschämenden Unbekümmertheit. Manche Anekdote sagt hier mehr als ein Dutzend Bücher. Das schmale und reich bebilderte Bändchen macht mit wenigen, aber griffigen Worten das Unfassliche fassbar, vielleicht auch für solche Leser, die sich dieser Art von Erinnerungsliteratur bislang verschlossen haben. --Jürgen Grande
Kurzbeschreibung
Doch statt der ersehnten Entschädigung warten neue Repressalien auf Henny Brenner. Ein Studium wird ihr verwehrt, da sie nicht Mitglied der KPD ist. Auch unter den kommunistischen Machthabern ist es für die jüdische Bevölkerung nicht möglich, ein normales Leben zu führen. Schweren Herzens entschließt sich die Familie, unter großer Gefahr und mit Hilfe vieler Freunde, in den Westen zu fliehen.